Binationale Ehen : Polinnen und Türken sind sehr begehrt

Wenn Deutsche Ausländer heiraten, sind Polinnen und Türken ihre Favoriten.

Frauke Böger

Wiesbaden - 2007 heirateten 4200 deutsche Männer Polinnen und 3800 deutsche Frauen einen türkischen Mann, wie das statistische Bundesamt feststellte. Etwa 43 500 Deutsche heirateten 2007 einen ausländischen Partner. Viele deutsche Männer gaben auch einer Türkin (1900), Russin (1700) oder Thailänderin (1500) das Jawort. Deutsche Frauen heirateten auch oft Italiener (1700) und US-Amerikaner (1200).

Insgesamt sind weniger Deutsche den Bund der Ehe eingegangen. In den Jahren von 2000 bis 2007 ist die Zahl der Eheschließungen um etwa 22 Prozent gesunken, von 420 000 auf rund 370 000. Die binationalen Ehen sind bei den deutschen Frauen sogar um 32 Prozent zurückgegangen, bei den deutschen Männern um 27 Prozent.

Hiltrud Stöcker-Zafari vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Frankfurt vermutet, dass der Rückgang binationaler Eheschließungen zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass verstärkt im Ausland geheiratet wird. „In Dänemark zum Beispiel ist eine Eheschließung unter Umständen weniger bürokratisch als in Deutschland“, sagte sie. Gleichzeitig sieht sie Schwachstellen in der statistischen Erfassung binationaler Paare: „Das Bundesamt fragt nur nach Staatsangehörigkeit. Eingebürgerte gelten in diesen Zahlen als deutsch“, sagte sie. Ein weiterer Punkt, der in den Statistiken nicht auftauche, sei die häufige Verbindung von Eheschließung mit Aufenthaltsrecht. So würden viele Paare früher heiraten, als sie sich wünschten, damit der ausländische Partner in Deutschland bleiben könne. In der Beratungsstelle des Zentrums sei ein Rückgang der binationalen Ehen nicht zu spüren gewesen: „Die Anzahl der Fragen zum Heiraten sind die gleichen geblieben und die Zahl der binationalen Paare, also auch der Nichtverheirateten, ist de facto nicht zurückgegangen“, sagte Stöcker-Zafari.

Laut einer Studie der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS) von 2006 nehmen die türkischen Migranten eine Sonderstellung ein: „Sowohl die türkischen Männer als auch die türkischen Frauen weisen unter allen betrachteten Nationalitäten den mit Abstand geringsten Anteil derer auf, die in die deutsche Bevölkerung einheiraten“, heißt es in der Studie. Verglichen wurden Ehepaare, von denen ein Partner zu den stärksten Zuwanderergruppen in Deutschland gehört. Im Unterschied zu anderen Migranten heirateten Türken auch in der zweiten Generation häufiger eigene Landsleute.

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