• Bizarre Enthüllungen: Verdächtige im Londoner Sklaven-Fall waren wohl Maoisten

Bizarre Enthüllungen : Verdächtige im Londoner Sklaven-Fall waren wohl Maoisten

Der Fall von moderner Sklaverei in London nimmt immer bizarrere Züge an. Die Tatverdächtigen sind offenbar alte Maoisten. Der Mann wurde in den 70er Jahren wegen "sektiererischer Tendenzen" aus einer maoistischen Polit-Sekte geworfen.

Das ehemalige Mao Tse Tung-Gedenkzentrum im Stadtteil Brixton. Foto: dpa
Das ehemalige Mao Tse Tung-Gedenkzentrum im Stadtteil Brixton.Foto: dpa

Im Fall von moderner Sklaverei in London kommen immer mehr skurrile Details über das bizarre Zusammenleben von Opfern und mutmaßlichen Tätern ans Licht. Bei dem 73 Jahre alten Tatverdächtigen handelt es sich offenbar um einen Aktivisten einer Polit-Sekte der extremen politischen Linken, wie die BBC und andere britische Medien am Montag berichteten. Er war demnach an der Errichtung des Mao-Tsetung-Gedenkzentrums im Londoner Stadtteil Brixton beteiligt.
In der Szene war der Mann aus Indien, der nach Polizeiangaben in den 1960er Jahren nach Großbritannien gekommen war, als „Kamerad Bala“ bekannt, wie auch britische Medien berichteten. 1978 hatte die Polizei das Zentrum gewaltsam geräumt und geschlossen - „Kamerad Bala“, seine aus Tansania stammende Frau Chanda und weitere Aktivisten seien festgenommen worden. Dazu passen im Internet kursierende Unterlagen der marxistischen Szene, wonach es bereits die sechste Festnahme für den heute 73-Jährigen seit seiner Einreise nach Großbritannien war. Die Gruppe um „Kamerad Bala“ soll 1974 wegen sektiererischer Tendenzen und Verunglimpfungen der Parteiführung als „Faschisten“ aus dem marxistisch-leninistischen Flügel der Kommunistischen Partei Großbritanniens geworfen worden sein.

Täter und Opfer sind eine ehemalige Kommune


Die Polizei hatte am Samstag bekanntgegeben, Hintergrund des Dramas um drei Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren, die mehr als 30 Jahre lang in psychischer und physischer Abhängigkeit als moderne Sklavinnen gehalten worden sein sollen, sei eine ehemalige „Kommune“.
Opfer und mutmaßliche Täter hätten zunächst eine „gemeinsame politische Ideologie“ geteilt. Demnach hatten die älteren der beiden Frauen, eine Irin und eine Frau aus Malaysia die Bekanntschaft des Mannes gemacht und hatten zunächst freiwillig mit ihm in einer Art Kommune gelebt. Die 30-Jährige könnte nach Medienberichten die Tochter der Irin und des Tatverdächtigen sein.
Die mutmaßlichen Sklavenhalter von London haben in den vergangenen Jahrzehnten offenbar mehrmals die Adresse gewechselt. Die Ehepartner im Alter von 73 und 67 Jahren aus Indien und Tansania hatten Verbindungen zu 13 Adressen in ganz London, wie der „Guardian“ am Montag berichtete. Vermutlich sei das Paar mit den drei Frauen mehrmals umgezogen. Die jüngste Wohnung am Peckford Place im Süden Londons war nach Medienberichten erst 2005 errichtet worden.

"Wie eine Fliege im Spinnennetz"


Die beiden älteren Opfer im Alter von 57 und 69 Jahren sollen den Mann über eine Art politische Sekte mit stark linker Ausrichtung kennengelernt haben. Die 30-Jährige könnte als Tochter des Mannes und der 57-Jährigen schon in der Gemeinschaft geboren worden sein. Die drei Frauen waren am 25. Oktober mit Hilfe einer Organisation zum Schutz von Frauen befreit worden. Sie gaben an, mehr als 30 Jahre lang in einer physischen und psychischen Abhängigkeit und in moderner Sklaverei gelebt zu haben.


Nach Medienberichten soll die 30 Jahre alte Frau seit Jahren Kontakt zu einem Nachbarn aufgenommen haben. Der 26-Jährige hatte der Boulevardzeitung „Mail on Sunday“ Liebesbriefe der Frau vorgelegt, in denen sie beschreibt, sie sei gefangen „wie eine Fliege im Spinnennetz“. Am Montag berichtete auch der „Guardian“ über die Briefe. Nach Angaben der Freundin des Nachbarn sollen über die Jahre mehrere hundert in den Briefkasten des Paares geworfen worden sein. (dpa)

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