Bizarrer Skandal im American Football : Die Freundin, die es nicht gab

Manti Te'o galt als Held im College-Football, auch weil er den tragischen Tod seiner Freundin tapfer verkraftete. Doch jetzt kam raus: Die Freundin existierte nie. Hat er sie erfunden? Oder wurde er reingelegt?

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Wurde als größtes Nachwuchstalent gehandelt – Manti Te’o.
Wurde als größtes Nachwuchstalent gehandelt – Manti Te’o.Foto: Getty Images/AFP

Seine Geschichte rührte nicht nur Amerikas Football-Fans zu Tränen. Viele Menschen weinten mit Manti Te’o, der im vergangenen September vom Schicksal auf eine harte Probe gestellt wurde. Innerhalb weniger Stunden verlor der junge Mann zwei geliebte Menschen: Erst verstarb seine Großmutter, wenige Stunden später starb die Freundin an Leukämie. Und Te’o? Der stand kurz nach der Tragödie wieder auf dem Feld, um seine Mannschaft, die Notre Dame Fighting Irish, zu einem 20:3-Sieg gegen die Michigan State Spartans zu führen. Ein neuer Held war geboren. Die Medien konnten gar nicht genug bekommen von dem 22-Jährigen, der seinen persönlichen Schmerz unterdrückte und sich für sein Team aufopferte.

Inzwischen ist Te’o kein Held mehr. Vor einigen Tagen fand die Internetseite deadspin.com heraus, dass es die Freundin, eine gewisse Lennay Kekua, nie gegeben hat. Zumindest nicht an der Universität Stanford, wie Te’o einst behauptet hatte. Auch ließen sich auf diesen Namen keine Papiere bei der Sozialversicherung ermitteln. Die Frau existierte lediglich als Profil im Netz. Eine virtuelle Persönlichkeit, wenn man so will.

Die Empörung ist groß. So groß, dass der Hawaiianer die Schlagzeilen noch vor der Dopingbeichte des Lance Armstrong beherrscht. Te’o der Lügner. Oder etwa doch nicht?

Die Universität Notre Dame und der Spieler gaben zuletzt ein Statement ab, in dem es hieß, Te’o sei Opfer eines sehr makaberen Scherzes geworden. Es wurde der Verdacht geschürt, neidische Mitschüler könnten hinter dem Profil der Lennay Kekua stecken. Sie hätten den Footballstar der Uni aus Eifersucht auf dessen Popularität hereingelegt. Als Beweis dafür berichtete Te’o, ein Mann namens Ronaiah Tuiasosopo hätte sich bei ihm über den Nachrichtendienst Twitter entschuldigt. Tuiasosopo hätte zuvor angegeben, der Cousin von Kekua zu sein.

Des Weiteren stellte sich heraus, dass Notre Dame bereits am 26. Dezember darüber in Kenntnis gesetzt worden war, dass Lennay Kekua nicht real war. Die Uni hielt die Information aber unter Verschluss, womöglich um die Vorbereitung auf das Endspiel um die College-Meisterschaft gegen Alabama nicht zu gefährden. Angeblich hätte man nach dem Spiel an die Öffentlichkeit gehen wollen.

In der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag gab Te’o dem Fernsehsender ESPN ein Interview über zweieinhalb Stunden. Dabei räumte er ein, die Frau nie getroffen zu haben. Im September hatte sich das noch anders angehört. „Sie war das schönste Mädchen, das ich je getroffen habe“, sagte Te’o damals. Nun sagte er, dass es lediglich eine Internetbeziehung gewesen sei, mit täglichen Telefonaten und E-Mails. Über vier Jahre soll das gegangen sein. Den Wunsch, seine Freundin tatsächlich mal zu treffen, habe Te’o angeblich nie verspürt. Auch sei er nicht auf die Idee gekommen, sie zu besuchen, als sie nach einem angeblichen Autounfall im Koma lag. An ihrer Existenz habe er aber nie gezweifelt.

In den USA denken viele, dass Te’o die tragische Geschichte um Lennay Kekua nur erfunden hat, um seine Bekanntheit zu steigern. Seit dem angeblichen Tod seiner Freundin war der Fokus auf ihn gerichtet, seine hervorragenden sportlichen Leistungen wurden noch stärker wahrgenommen. Der Verteidiger gilt als eines der größten Talente im American Football, ihm wird eine große Karriere in der National Football League (NFL) vorausgesagt. Bis vor kurzem stand Te’o bei vielen Profiteams noch ganz oben auf der Wunschliste. Das könnte sich inzwischen geändert haben.

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