Blindgänger : Die Gefahr durch Weltkriegsbomben wächst

Die spektakuläre Entschärfung in München zeigt einmal mehr: Im Untergrund liegen noch etliche gefährliche Weltkriegsbomben. An diesem Donnerstag sollen auch in Oranienburg nördlich von Berlin zwei Blindgänger unschädlich gemacht werden.

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Ein Feuerball über München bei der Sprengung einer Weltkriegsbombe.
Ein Feuerball über München bei der Sprengung einer Weltkriegsbombe.Foto: dpa

Die Sprengung der Weltkriegsbombe in München, bei der am Dienstagabend mehrere Brände ausgelöst wurden, hat einmal mehr verdeutlicht: Die Gefahr, die von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ausgeht, ist in Deutschland noch immer extrem hoch. Am heutigen Donnerstag werden in Oranienburg nördlich von Berlin ebenfalls zwei Bomben unschädlich gemacht – eine wird entschärft, eine weitere gesprengt. Rund 5800 Menschen sind von den beiden Sperrkreisen betroffen.

Zwar wollen sich Experten nicht festlegen, wie viele Bomben bundesweit noch im Untergrund liegen. Grobe Schätzungen gehen von rund 100 000 aus. Allein in Berlin werden noch 3000 Tonnen Blindgänger im Untergrund vermutet, darunter auch Granaten, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage des Tagesspiegels mitteilte. Im Land Brandenburg gelten zehn Prozent der zivil genutzten Landesfläche als munitionsbelastet. Allein in Oranienburg wird mit 300 Weltkriegsbomben gerechnet, von denen die meisten mit besonders unberechenbaren chemischen Langzeitzündern versehen sind. Experten rechnen damit, dass diese jederzeit ohne äußere Einwirkung detonieren können. Die Gefahr wächst, umso länger die Bomben im Boden liegen, weil die Bestandteile im Zünder, die die Explosion verhindern, spröde werden. Seit Ende der 1970er Jahre gab es in Oranienburg fünf solcher Selbstdetonationen. In Brandenburg wurden seit 1991 etwa 73 000 Brandbomben sowie 15 000 Sprengbomben über fünf Kilogramm geborgen und vernichtet.

Bildergalerie: Bombensprengung - München im Ausnahmezustand

Ausnahmezustand in Schwabing
Am Morgen nach der Sprengung einer Fliegerbombe im Münchner Stadtteil Schwabing haben Experten sich einen Überblick über die Schäden verschafft.Weitere Bilder anzeigen
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29.08.2012 14:25Am Morgen nach der Sprengung einer Fliegerbombe im Münchner Stadtteil Schwabing haben Experten sich einen Überblick über die...

Seit Jahren gibt es politischen Streit um die Finanzierung der Bombenentschärfungen. Der Bund trägt davon nur den kleinsten Teil, nämlich nur die Kosten für die Bergung von Wehrmachtsmunition. Die Ausgaben für die Beseitigung der Munition der Alliierten tragen die Länder. Brandenburg und Niedersachsen streben deshalb eine Gesetzesänderung an. Der Bundesrat stimmte dem zu, der Bundestag hat sich noch nicht damit befasst. Die Bundesregierung ist gegen eine Änderung.

Video: Bombe verwüstet Häuser in München

Eine 250-Kilo-Fliegerbombe mit chemischem Langzeitzünder war am Dienstagabend in München gesprengt worden. Die Explosion richtete beträchtlichen Schaden an. Deren genaue Höhe wurde von offizieller Seite noch nicht genannt, sie dürfte nach ersten Schätzungen aber im Millionenbereich liegen. Eine Haushälfte brannte fast komplett aus, die Fensterscheiben an ganzen Häuserfronten gingen zu Bruch. Die in Brand geratenen Dachstühle konnte die Feuerwehr rasch löschen. Laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung sind mehrere Häuser unbewohnbar, zwei galten zunächst als einsturzgefährdet. Mindestens 17 Gebäude wurden beschädigt. Rund 100 Anwohner durften am Mittwoch noch nicht in ihre Wohnungen zurück.

Zuständig für die Sprengung war der Mitarbeiter einer Kampfmittelsuchfirma aus Oranienburg, der als Experte für Bomben solchen Typs gilt. Einige Experten zeigten sich erstaunt über die Folgen der Sprengung. In Brandenburg, das in Deutschland als das am stärksten mit Alt-Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belastete Bundesland gilt, wird das Dämmmaterial für die Explosion mit Wasser durchnässt, um auszuschließen, was nun in München geschah – dass umliegende Gebäude Feuer fangen. Zudem war in München offenbar der Zeitdruck enorm groß.

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