Welt : Britisches Königshaus: Mehr dienen als verdienen

Hendrik Bebber

Unter der Krone lebt es sich nun etwas besser: Endlich werden die schäbigen Löhne des königlichen Hofstaates erhöht. Die Queen, die reichste Frau der Welt, gilt als überaus knauserige Arbeitgeberin, und erst nach einer Zeitungskampagne wurden die Bezüge ihrer Bediensteten zwischen zwei und sechzehn Prozent aufgestockt.

Damit allerdings können ein Lakai oder eine Kammerzofe, die bislang monatlich 2000 Mark verdienten, immer noch keine großen Sprünge machen. Wenn sie Familie haben, sind sie weiterhin auf den Lohnausgleich des Sozialamtes angewiesen. Das entsprechende Formular liegt dem Arbeitsvertrag bei.

Aus Protest gegen ihre schlechte Bezahlung weigerte sich der Hofstaat laut englischen Zeitungsberichten für ein Geburtstagsgeschenk Prinz Philips zu spenden, der am kommenden Sonntag 80 wird. Der Haushofmeister hatte um Beiträge für eine Skulptur von Philips Lieblingspferd gebeten. Doch die meisten Bittbriefe kamen mit rüden Bemerkungen versehen und ohne Geld zurück. Den Angestellten im Buckingham Palast stößt es immer noch sauer auf, dass die Queen von ihnen für die Weihnachtsfeier ein Eintrittsgeld von 64 Mark verlangt hatte.

Freilich rührt die Finanznot des Hofstaates von den scharfen Sparmaßnahmen her, die das Parlament dem Palast aufgezwungen hatte. Das kärgliche Salär wurde bis dahin durch "Sachleistungen" aufgebessert, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammten. Doch im Laufe der Zeit sind die kleinen Privilegien gestrichen oder durch geldliche Abfindungen ersetzt worden, die vom Finanzamt als Einkünfte versteuert werden.

Seitdem nämlich die Queen Steuern zahlt, interessiert sich der Fiskus mehr für die Einkünfte des königlichen Hofstaates. Doch während die Inhaber der unzähligen Ehrenämter wie der "Edelmann der schwarzen Rute", die "Goldstöcke" und der "Hüter der Schwäne" ungeschoren bleiben, trifft es die Kammerzofen, Lakaien, Kutscher und Köche, die am Hof ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

So wurde auch die alte Gepflogenheit abgeschafft, nach der die Bediensteten monatlich zwei Stück Seife erhalten. Er stammt aus der Zeit, in der Körperpflege recht kostspielig war und der Geruch ungewaschener Domestiken die königlichen Nasen beleidigte. Dafür erhielten die Bediensteten zwar dann eine finanzielle Entschädigung von jährlich 25 Mark. Von der jedoch bleibt nach der Steuer nicht mehr viel übrig.

Weitere Abstriche folgten. Inzwischen müssen die Bediensteten der Queen nun auch für die einst kostenlosen Schuhreparaturen bezahlen, wenn die Sohlen auf den kilometerlangen Fluren im Buckingham-Palast abgenutzt sind. Königliche "Oberkellner", die einst nach Empfängen und Staatsbanketten jeweils zwei Flaschen Wein als "Trinkgeld" erhalten hatten, bekommen stattdessen eine Jahresprämie von umgerechnet 70 Mark. Allerdings dürfen sie sich weiterhin am Inhalt angebrochener Flaschen kostenlos laben. Zusätzlicher Arbeitsaufwand wird nicht mehr mit freien Tagen abgegolten sondern bezahlt. Der Haken: Viele der Bediensteten kommen dadurch über die Mindeststeuergrenzen und stehen letztlich finanziell schlechter dar.

Zwar mussten auch die höheren Angestellten des Hofstaates sich von einigen Privilegien verabschieden. So können sie sich nicht mehr ein neues Kleid oder einen neuen Anzug auf Staatskosten anmessen lassen, wenn sie die Königin auf Auslandsreisen begleiten. Allerdings dürften die "Damen der Bettkammer" und die "Edlen Türhüter" dies wohl verschmerzen. Ihr Posten ist in den meisten Fällen ein reines Ehrenamt und gilt als hohe Auszeichnung. Und selbstverständlich gibt es dafür nach wie vor hübsche Anreize wie freie Wohnung in königlichen Appartements, eigene Dienerschaft und Freikarten für Ascot und Wimbledon.

Den Lakaien, Zofen, Pagen, Köchen und Gärtnern brachten aber nicht nur die Sparmaßnahmen schmerzliche Einbußen ihres ohnehin mageren Einkommens. Bereits vor zehn Jahren hat die Queen ihren Bediensteten einer weiteren lukrativen Einnahmequelle den Riegel vorgeschoben. Mit einem Arbeitsgerichtsprozess erreichte der Hof, dass ehemalige Bedienstete nicht mehr den Klatsch und Tratsch aus dem Palast an Zeitungen verkaufen dürfen.

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