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Calden : Supermarkt lässt nur zwei Flüchtlinge auf einmal rein

Ein Supermarkt in Hessen hat Security-Personal engagiert, um mit der größer werdenden Zahl von Flüchtlingen klar zu kommen. In der Stadt ist das Thema heiß diskutiert. Doch was stimmt wirklich?

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Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) errichten am 24.07.2015 auf dem alten Flugplatz in Calden (Hessen) Zelte für Flüchtlinge. In der Stadt gibt es derzeit Probleme zwischen Einwohnern und Neuankömmlingen.
Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) errichten am 24.07.2015 auf dem alten Flugplatz in Calden (Hessen) Zelte für Flüchtlinge....Foto: dpa

In einem Edeka-Supermarkt in Calden hatte es laut Betreiber immer wieder Zwischenfälle mit Flüchtlingen gegeben. Ewald Eckert beklagte, "Scharen" von Flüchtlingen hätten seinen Supermarkt gestürmt und Verpackungen aufgerissen, wie hna.de berichtet. Wolfgang Jungnitsch, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen, bestätigte dem Tagesspiegel, dass der Inhaber Security engagiert hat, um der Situation Herr zu werden. Konkrete Anzeigen habe es jedoch nie gegeben.

"Wenn er die Kosten für das Sicherheitspersonal auf sich nimmt, muss es wohl zu Vorfällen gekommen sein. Calden hat rund 3000 Einwohner. In dem Markt finden sich vielleicht gerade mal 8 bis 15 Kunden auf einmal. Wenn es dann plötzlich 30 sind, verlieren sie dort den Überblick", sagte Polizeisprecher Jungnitsch. "Eine Gruppe kann sich leicht gegenseitig Schutz geben und Waren entwenden. Dort arbeiten hauptsächlich weibliche Angestellte. Ich bin kein Fan von dieser Maßnahme, aber ich kann es menschlich verstehen", so Jungnitsch.

Leser der Hessischen Allgemeinen Zeitung hatten berichtet, der Markt würde nur zwei Flüchtlinge auf einmal in den Laden lassen. Laut der Zeitung bestätigte auch der Inhaber diese Praxis. Der Markleiter fühle sich mit dem "Kundenansturm" aus dem benachbarten Flüchtlingslager am alten Flugplatz allein gelassen. Laut Polizeisprecher Jungnitsch handelt es sich jedoch nicht um "Türsteher", die vor dem Laden Ausweise kontrollieren würden, sondern um Sicherheitspersonal, das in dem Geschäft nach dem Rechten schaue. Weiter sei im Moment nichts bekannt. Man wolle derzeit "den Ball flach halten", um die Situation nicht weiter zu verschlimmern. Der Supermarktinhaber übe sein Hausrecht aus, nur wenige Flüchtlinge in den Laden zu lassen sei daher durchaus legitim.

Am Dienstag hatte die HNA geschrieben: "Fakt ist: Einkaufen darf nur, wer am Türsteher vorbei kommt. Wie der Inhaber öffentlich erklärt hat, dürfen immer nur zwei Flüchtlinge gleichzeitig die Security passieren." Die Zeitung veranstaltete auch einen "Testkauf" mit zwei türkischstämmigen Personen in dem Edeka. Viel passiert ist dabei jedoch nicht.

Der Inhaber selbst äußert sich nicht mehr zu den Vorfällen und der Situation. "Es ist alles gesagt, was gesagt werden musste", wird er von der HNA zitiert. Lokalo24.de hatte Eckert bereits Tage zuvor gesagt, er wolle mit seinen Sicherheitsmaßnahmen niemanden diskriminieren. "Wenn meine Mitarbeiterinnen Angst haben, weil die Flüchtlinge hinter den Kassenbereich gehen, sich nichts sagen lassen und respektlos äußern: Soll ich die Hände in den Schoß legen?" Lange habe er überlegt, ob er sich öffentlich äußern soll. Aber es solle endlich Schluss sein. Mit den Gerüchten, er schikaniere Flüchtlinge. Und mit der Schönfärberei.

Der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad, konnte Vorfälle weder bestätigen noch ausschließen, es sei nichts aktenkundig. Probleme mit Flüchtlingen seien zwar bekannt, diese seien jedoch "nicht so massiv gewesen, wie es dargestellt wird".

Das Gerücht, die maximale Kapazität des Flüchtlingslagers werde von 1000 auf 1500 angehoben, macht in Calden und den Sozialen Netzwerken die Runde. Das Regierungspräsidium Nordhessen dementierte diese jedoch bereits. Die Kapazität der Unterkünfte sei noch nicht ausgeschöpft, derzeit befänden sich in der Zeltstadt 784 Flüchtlinge auf einer Fläche von 23.000 Quadratmetern.

Immer wieder beklagen sich Leser bei der HNA über Flüchtlinge. Die Bandbreite reiche von langen Schlangen im Supermarkt über freche Kinder und unangenehme Begegnungen beim Einkaufen. Das große Reizthema ist jedoch der Müll. Die Flüchtlinge hinterließen oft Verpackungen am Straßenrand. Am Mittwoch startete eine Aktion: Innerhalb weniger Stunden säuberten Flüchtlinge den Straßenrand vom Flüchtlingslager auf dem Flugplatz bis in den Ortskern. Conrad vom Regierungspräsidium sagte dem Tagesspiegel, es habe sich dabei um eine Lappalie gehandelt, die Flüchtlinge hätten bereitwillig mitgemacht. Das Regierungspräsidium erhofft sich durch diese Maßnahme, wieder etwas mehr Ruhe in die aufgewühlte Stadt zu bekommen. Man bemühe sich, auch mit dem Inhaber des Supermarktes ins Gespräch zu kommen. Dass sich Edeka-Inhaber Eckert von den Behörden im Stich gelassen fühlt, verstehe man nicht: "Die Offenheit unserer Seite war da."

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