CSU : Hotter Horst - Seehofers Facebook-Party

Seehofer lädt als erster deutscher Politiker auf Facebook zu einer Party ein – dafür erntet er Lob der Piratenpartei und Spott der User. Die werden von ihm immerhin geduzt. Unaufhaltsam kämpft er sich so an die Spitze des Fortschritts.

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Erwärmt sich seit mehreren Wochen immer mehr für Facebook: Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident.
Erwärmt sich seit mehreren Wochen immer mehr für Facebook: Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident.Foto: dapd

Nicht ohne Grund warnt die Polizei immer wieder davor, Partys über Netzwerke wie Facebook öffentlich zu verkünden. An Ostern erst musste eine 16-jährige Dachauerin erleben, wie 150 ihr größtenteils unbekannte Gäste zu ihrem Fest kamen und das Haus der Eltern demolierten, während diese im Urlaub waren. Die Polizei konnte niemanden fassen, teilte aber mit, dass die Villa „sehr stilvoll und teuer“ eingerichtet gewesen sei.

Vor solchen Ausschreitungen hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer keine Angst. Als erster deutscher Spitzenpolitiker, so teilt seine Partei CSU stolz mit, lädt er auf seiner Facebook-Seite die Bürger zu einer „Fanparty“ ein – und zwar am 8. Mai in die Münchner Nobeldisko P1. Ganz im Stil der Internet-Gemeinde duzt der 62 Jahre alte CSU-Vorsitzende die Leser und unterschreibt mit den Initialen „HS“.

Ort der Schönen und Reichen. Party in der Münchner Nobeldisko P1. Hierher lädt Seehofer die Bürger ein.
Ort der Schönen und Reichen. Party in der Münchner Nobeldisko P1. Hierher lädt Seehofer die Bürger ein.Foto: picture-alliance/ dpa

Viele Beobachter hielten die Einladung zuerst für einen Scherz oder vermuteten, dass sich Computerhacker an Seehofers Facebook-Seite zu schaffen gemacht haben. Andere bezweifelten, dass der Account überhaupt von diesem Horst Seehofer ist. Es gibt schließlich noch andere, die so heißen. Doch die CSU hat bekräftigt: Die Einladung ist ernst gemeint, und sie stammt von Seehofer. Die Werbemaschine läuft nun voll an. Wer Seehofer erlebt hat, der traut ihm die Party-Idee zu. Er findet das „lustig“.

Ist das moderne politische Kommunikation oder peinlich-plumpe Anbiederung im Angesicht der aufsteigenden Piratenpartei? Katrin Albsteiger, die umtriebige Vorsitzende der bayerischen Jungen Union, schrieb gleich auf ihrer Facebook-Seite: „Das wird großartig. Ich hoffe, ihr kommt alle vorbei.“ Sogar die Piratenpartei zeigt sich angetan. „Ich finde es cool, dass sich die CSU so viel Mühe gibt, sich zu bewegen“, wird deren bayerischer Vorsitzender Stefan Körner zitiert. Allein die Grünen kritisieren Seehofers CSU etwas säuerlich als „Schickimicki-Partei“, die sich im Internet beliebt machen wolle. Ganz unterschiedlich sind auch die Reaktionen auf Seehofers eigener Facebook-Seite. „Ich bin dabei“, postet ein Anhänger. Oder: „Servus Horst, komme natürlich gerne.“

Vielfach wird, wie von einer Frau, gefragt: „Wer zahlt das eigentlich? Und warum gibt’s noch mal Studiengebühren im reichen Freistaat Bayern?“ Die CSU klärt auf, dass die Partei die Kosten für das Fest übernimmt und nicht etwa die Staatskanzlei. Wie viel Geld der Kassenwart wird springen lassen müssen, darüber gibt es keine Angaben.

Viel Kritik und Spott gibt es wiederum am Nobelschuppen P1 als Veranstaltungsort: „Hätte es das Hofbräuhaus nicht getan?“ „Der bayerische Ministerpräsident feiert seine spätrömische Dekadenz.“ Oder: „Gibt es auch Koks neben den Getränken umsonst?“ Andere Facebook-Nutzer hoffen, dass „nicht auch noch diese langweilige Merkel kommt“. Eine Userin schreibt: „Danke, ich habe schon zwei Kinder.“ Damit spielt sie wohl darauf an, dass der verheiratete Familienvater Seehofer in Berlin ein uneheliches Kind mit einer CDU-Mitarbeiterin hat. Dass es dem CSU-Chef am Ende nicht so geht wie der Dachauer Schülerin im demolierten Elternhaus, dafür will die Partei gewissenhaft sorgen. Angemietet wurde ein Teil des P1 für maximal 1000 Gäste. Die Bewirtung übernimmt nicht das P1-Team, sondern wird von der CSU organisiert. Wer kommen will, muss sich auf Seehofers Facebook-Seite anmelden. Nur registrierte Besucher dürfen auch rein. Seehofer bekennt, dass ihn Facebook erst seit einigen Wochen mehr und mehr reizt. Gestern erst postete er über den Sieg von Bayern München gegen Real Madrid: „Bayern ist stolz auf seine Bayern. Finale dahoam.“

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