Das Kreuz mit den Laien : Kirche von England lehnt Frauen im Bischofsamt ab

Die Kirche von England hat den Reformprozess der Kirchenführung gestoppt und steht zerrissen und gespalten da. Schuld sind rückwärtsgewandte Laien. Der Kirche drohen nun Eingriffe des Staates.

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London - Nach zwölfjährigem Ringen hat die Synode der Kirche von England ein kunstvoll ausgeklügeltes Reformprogramm zum Einsturz gebracht und die Weihe von Frauen als Bischöfe abgelehnt. Nun steht die Kirche vor einem Scherbenhaufen. „Wir haben an Glaubwürdigkeit verloren“, sagte das geistliche Oberhaupt der weltweiten Anglikaner, der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, am Mittwoch in einer von Resignation und Bitterkeit gezeichneten Ansprache in der Synode. Während die Bischöfe und die Kleriker in getrennten Abstimmungen der Reform zustimmten, wurde die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit bei den Laien um sechs Stimmen verfehlt.

Weltweit wurden bei den Anglikanern fast 30 Frauen als Bischöfe geweiht – die erste vor fast 20 Jahren in Neuseeland. Sogar im afrikanischen Swaziland wurde eine Frau als Bischof eingesetzt. Aber die Mutterkirche der Anglikaner, der „Kirche von England“, deren Oberhaupt die Königin ist, hinkt wie bei der Priesterweihe von Frauen, die erst 1992 eingeführt wurde, wieder hinterher. Die Konsequenzen sind unabsehbar. Kritiker der Verfassungsrolle der Staatskirche werden erneut Verfassungsreformen fordern, um die Rolle der Kirche im Staat zu beschneiden.

„Unsere Debatten sind für die übrige Gesellschaft nicht mehr verständlich. Es ist, als würden wir bewusst die Augen vor den gesellschaftlichen Realitäten verschließen“, warnte Erzbischof Williams. Zehn Jahre lang kämpfte er um diese Reform. In wenigen Wochen scheidet er aus dem Amt und hinterlässt seinem Nachfolger Justin Welby nun eine gespaltene und zerstrittene Kirche. Nachfolger Welby hatte in der Debatte leidenschaftlich für die Reform geworben, obwohl er selbst dem traditionellen Flügel der Kirche zugerechnet wird.

Kirchenführer räumen ein, dass die Kirche nun auch in anderen gesellschaftlich relevanten Fragen mit weniger Autorität spricht – etwa in der Debatte um die Schwulenehe. Zivile Partnerschaften für Homosexuelle sind seit langem erlaubt, nicht aber das Heiraten in der Kirche. Da kirchliche Hochzeiten in der Staatskirche den gleichen Rechtsstatus haben wie eine standesamtliche Ehe, drängt die Regierung auf eine Vollendung der Reform und steuert auf einen Konflikt mit der Kirche zu.

Premier David Cameron sagte im Unterhaus, er sei „ein starker Anhänger weiblicher Bischöfe“ und werde „sorgfältig prüfen“, wie man der Kirche helfen könne, ihr Reformprogramm fortzusetzen. Eine versteckte Drohung? Abgeordnete warnen, das Parlament könne sich mit dem Thema befassen und der Kirche möglicherweise ihre Freistellung von der britischen Gleichstellungsgesetzgebung von Frauen und Männern aberkennen. Dann würde sich das Parlament einfach über die Synode hinwegsetzen und kirchliches Recht schaffen.

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