Der Erfolgsmacher : Magie ist harte Arbeit - Quincy Jones wird 80

Er machte Michael Jackson zum größten Popstar des Planeten: Quincy Jones, der große Produzent, Jazzmusiker und Komponist.

von
Er fängt erst an. Quincy Jones, Erfolgsproduzent, Jazzmusiker, Komponist.
Er fängt erst an. Quincy Jones, Erfolgsproduzent, Jazzmusiker, Komponist.Foto: dpa

Es gibt keine Formel für Erfolg. Es gibt nur Ratschläge. Einer lautet: Entspann dich. „Bei der Arbeit mit einem Künstler vom Rang Michael Jacksons darf man nicht ehrfürchtig sein, sondern muss locker bleiben, um das Beste aus dem Genie herauszukitzeln“, sagt Quincy Jones. Jones hat die drei Platten von Jackson produziert, mit denen der Sänger zum größten Popstar des Planeten aufstieg: „Off the Wall“ (1979), „Thriller“ (1982) und „Bad“ (1987). „Thriller“ enthält die Megahits „Beat It“, „Billy Jean“ und „Wanna Be Startin’ Somethin’“ und ist mit 65 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Album aller Zeiten.

Die Produktion kostete eine halbe Million Dollar, fand in drei Studios statt und dauerte vier Monate. An den Aufnahmen waren mehr als 40 Musiker beteiligt, darunter Paul McCartney, Eddie Van Halen und Michaels Schwestern Janet und La Toya Jackson. „Thriller“ ist das Ergebnis harter, intensiver Arbeit, doch die Anstrengungen – das macht einen Teil der Magie aus – sind nicht zu hören.

In seiner Autobiografie, die zu Quincy Jones’ 80. Geburtstag auf Deutsch erscheint („Mein Leben – meine Leidenschaften“, Edel, 176 S., 24,95 €), erweist sich der Produzent als begnadeter Anekdotenerzähler. Bei der Arbeit an „Thriller“ habe sich einmal ein Mädchen vor dem Fenster des Aufnahmeraumes ausgezogen. „Wir standen da und gafften. Als wir uns umdrehten, sahen wir, dass Michael sich als gläubiger Zeuge Jehovas hinter das Mischpult verkrochen hatte.“ Jones gab Jackson den Spitznamen „Smelly“, weil der Sänger bei jedem Beat, der ihm gefiel, nicht „funky“, sondern „smelly jelly“ rief, „gummibärchensüß“. Die Zusammenarbeit endete, als Jackson verlangte, dass seine nächste Platte sich 100 Millionen mal verkaufen sollte. Jones entgegnete: „Ich bin schon zu lange im Geschäft, als dass du mich davon überzeugen könntest, dass 25 Millionen ein Flop sind.“

Ins Musikgeschäft ist Quincy Jones, der am 14. März 1933 in Chicago geboren wurde, schon als Teenager eingestiegen. Vom Posaunisten einer Marching Band schaffte er den Sprung ins Orchester von Lionel Hampton. Er arrangierte und komponierte für Count Basie, Duke Ellington, Frank Sinatra und Sarah Vaughan. 1957 veröffentlichte er sein erstes Album „This Is How I Feel About Jazz“.

Komponieren, findet Jones, sei wie Malerei. „Die Kontur kommt zuerst, dann folgen Melodie, Tempo und Gegenstimme.“ Auf einen Musiker, der mit Klängen Bilder erschaffen kann, hatte Hollywood nur gewartet. Bis heute lieferte der Mann, den sie „Q“ nennen, die Soundtracks zu knapp 40 Filmen, darunter Klassiker wie „In der Hitze der Nacht“, „The Getaway“ und „Die Farbe Lila“. Er sagt: „Ich fühle mich so, als würde ich gerade erst anfangen.“ Christian Schröder

0 Kommentare

Neuester Kommentar