Der erste Jesuit im Papstamt. : Wofür steht die Ordensgemeinschaft?

Franziskus ist der erste Jesuit im Papstamt. Die katholische Ordensgemeinschaft Gesellschaft Jesu ist eine wichtige Stütze der katholischen Kirche. Doch wofür genau steht sie?

von
Foto: KNA

Vor fast fünf Jahrhunderten schwor Ordensstifter Ignatius von Loyola dem Papsttum speziellen Gehorsam. Jetzt bekleidet erstmals ein Jesuit das höchste Amt der katholischen Kirche. Am 15. August 1534 von einem Freundeskreis um den ehemaligen baskischen Ritter in Paris gegründet, entwickelt sich der Jesuitenorden mit seiner Spiritualität und Disziplin sowie seinem anspruchvollen Bildungsideal rasch zu einem Rückgrat der Kirche. Er war wichtigster Träger der Gegenreformation und Motor der katholischen Mission in Asien, Indien und Amerika.

Denn Ignatius war als Zeitgenosse Martin Luthers der erste Kirchenmann der Neuzeit, der die durch die Reformation aufgekommene Individualität produktiv in die katholische Kirche einzubinden verstand. Seine Meditationsübungen fördern in der Suche nach Glauben die Innenschau des Einzelnen, seine Kräfte des Herzens jenseits des Rationalen. Der Mensch soll in seine tiefsten Schichten hineintauchen, auf seine Reaktionen achten und die Herkunft aufsteigender Stimmungen deuten lernen. Erst wenn sich in diesem Prozess keine innere Klarheit einstellt, kommt die Vernunft ins Spiel.

Wie haben die Argentinier in Berlin die Papstwahl erlebt?
Wie Maradona, Messi und Che Guevara ist auch der neue Papst Franziskus ein Argentinier. Er erweckt unter seinen Landesleuten Hoffnung, Freude und vor allem: Stolz. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Wir haben Argentinier in Berlin gefragt, wie sie die Franziskus' Ernennung erlebt haben.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Reuters
14.03.2013 18:12Wie Maradona, Messi und Che Guevara ist auch der neue Papst Franziskus ein Argentinier. Er erweckt unter seinen Landesleuten...

Dann sollten die Erfahrungen durch ruhige Überlegung oder Gespräche mit anderen überprüft werden. Durch diesen Spannungsbogen zwischen innen und außen, Subjektivität und Rückkopplung an andere spielten die Jesuiten beim Weg der Kirche in die Moderne geistesgeschichtlich eine Schlüsselrolle. In den Ordensregeln ist diese totale Freisetzung des Einzelnen für seine subjektiv-gläubige Innenschau dann auch untrennbar gekoppelt mit einem bedingungslosen Gehorsam gegenüber Ordensleitung und Papst.

Mit dieser spirituellen Prägung verstehen sich die Jesuiten als Vorposten der Kirche in der Gesellschaft. Sie tragen keine Ordenskleidung und behalten ihre bürgerlichen Namen. Ihre Mitglieder leben allein oder in kleineren Gemeinschaften. In der Seelsorge arbeiten sie oft ganz bewusst auf sich gestellt – in Schulen und Universitäten, in der Begleitung von Exerzitien, bei der Sozial- und Flüchtlingsarbeit sowie im interreligiösen Dialog. Die meisten Ordensangehörigen haben eine weltliche Ausbildung und obendrein ein Studium der Theologie. Und genauso, wie sie in ihren Meditationsübungen allen Winkeln des Seelenlebens nachspüren, sollen sie auch in der sozialen Realität in jenen Winkeln präsent sein, in die die Gemeindepastoral in der Regel nicht hinreicht – so das Ideal des Ordens. Weltweit gehören ihm momentan 17630 Jesuiten an. Vor 25 Jahren waren es noch doppelt so viele, das Durchschnittsalter liegt heute bei 58 Jahren. In 125 Ländern sind Jesuiten tätig. Ihre Zentrale mit dem Ordensgeneral an der Spitze steht in Rom – nur einige hundert Meter vom Petersplatz entfernt.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben