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"Der Katzenfresser" : Warum ein Schweizer Bauer lieber Katzen als Sushi isst

Ja, in der Schweiz darf man Katzen essen. Trotzdem gibt es viel Aufregung um einen Bauern, der die Tiere nicht kastrieren lassen will - sie landen bei ihm nämlich auf dem Teller.

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Ein Nahrungsmittel? In der Schweiz gibt es Bauern, die ihre Katzen essen. In dem Land ist dies erlaubt.
Ein Nahrungsmittel? In der Schweiz gibt es Bauern, die ihre Katzen essen. In dem Land ist dies erlaubt.Foto: dpa

Ungewöhnliche Essgewohnheiten in der Schweiz. Ein Bauer, der seine Katzen nicht kastrieren lassen wollte, da er sie ja verspeisen möchte, ist kein Einzelfall. Der Mann, den sie "den Katzenfresser" nennen, lebt in dem kleinen Dorf Haslen in Appenzell Innerrhoden. Er hat viele Katzen. So viele, dass er darauf hingewiesen wurde, diese kastrieren zu lassen. Der Bauer weigerte sich jedoch, da die Tiere unter anderem für den Verzehr gedacht sind.

Das berichtet der Appenzeller Tierschutzverein in seinem Jahresbericht unter dem Titel "Der Katzenfresser". Eine Nachbarin hatte sich demnach bei den Tierschützern gemeldet, woraufhin Vorstandsmitglied Brigitte Willi den Mann im Winter auf seinem Hof besuchte. Es sei eines der schlimmsten Erlebnisse ihres Lebens gewesen, berichtet die Frau. Daraufhin trat sie nach vier Amtsjahren zurück.

In der Schweiz ist der Verzehr von Katzenfleisch im eigenen Haushalt nicht verboten. Untersagt ist nur jeglicher Verkauf, Handel oder Verzehr in Restaurants. Im privaten Haushalt müssen die Tiere "tierschutzkonform" getötet werden. Der Bauer aus Haslen versicherte dem Tierschutzverein, dies würde bei ihm geschehen. Tierschützer fordern seit Jahren, dass Katzenfleisch verboten werden soll. In den Kantonen Bern, Luzern und Jura sei es Tradition, zu Weihnachten Katzenfleisch zu essen. Auch Hundefett habe eine lange Tradition und soll gegen Rheuma helfen.

Die Hilfsorganisation "SOS Chats", zu deren prominenten Unterstützern Brigitte Bardot zählt, bietet seit 1985 Notunterkünfte für Katzen an. Die Organisation geht davon aus, dass drei Prozent der Schweizer Katzen und Hunde essen würden. Als die Organisation im vergangenen Jahr Katzenesser anzeigen wollte, hieß es von Seiten der Polizei: Was in den Familien auf den Tisch kommt, geht die Beamten nichts an. Eigengebrauch werde nicht bestraft.

"Katzenfleisch ist sehr fein und bekömmlich"

Martin Bühlmann aus Luzern findet, dass Katzenfleisch besser schmeckt als Kaninchen. "Katzenfleisch ist sehr fein und bekömmlich", sagt der 72-Jährige Ex-Jäger. "Ich finde solche Gerichte und auch Katzenfleisch ethisch vertretbarer als beispielsweise Meeresfrüchte oder Sushi, das von weit her geholt wird. Das kommt bei mir nicht auf den Tisch."

Aber natürlich würde er nicht jeden Tag "Büsis" essen, wie Katzen in der Schweiz auch genannt werden. Früher sei es normal gewesen, dass Katzen verwertet werden, sagt Bühlmann. Seine Mutter hätte meistens daraus einen Braten gemacht. Die Vermenschlichung von Katzen findet er unangebracht.

Seinen Hund begrub er im Garten

Für ihn sind Katzen gutes und essbares Fleisch, das nicht einfach weggeworfen werden darf. Seinen Hund "Julian von Hasenschreck" möchte er jedoch nicht essen. Als das Tier schwer krank wurde, tötete er den Hund und begrub ihn im Garten.

Dass sie in der Schweiz Katzen essen, sorgt in der deutschen Medienlandschaft immer mal wieder für Empörung. In einem Kommentar schreibt beispielsweise die Huffington Post: "Es macht keinen verdammten Unterschied, ob wir eine Katze oder ein Schwein, einen Hund oder eine Kuh, ein Pferd oder ein Rind essen. Keinen einzigen." Auch die Tierschutzorganisation PETA Deutschland sagte dem Tagesspiegel, man spreche natürlich klar gegen das Essen von Tieren aus. "Wenn wir jedoch der Meinung sind, es sei grausam, Hunde oder Katzen zu töten und zu essen, dann ist die einzig logische Reaktion – bedenkt man, dass alle Tiere Schmerz und Angst empfinden – gar keine Tiere mehr zu essen."

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Unserem Leser Diego Brigandi ist Katze "Püppi" in Bali zugelaufen - völlig abgemagert und hilflos. Er hat sie aufgepäppelt und gepflegt und hofft, dass es ihr immer noch gut geht. Leider durfte er seinen Schützling nämlich nicht mit nach Deutschland bringen.Weitere Bilder anzeigen
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