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Dessau - Berlin : Syrerin Opfer eines „Ehrenmords“?

Die 20-jährige Rokstan M. ist getötet worden. Die vergewaltigte Syrerin hatte in Berlin Schutz gesucht. Jetzt wurde im Tagesspiegel eine Traueranzeige geschaltet.

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Polizisten tragen Warnwesten mit der Aufschrift "Polizei".
Polizisten tragen Warnwesten mit der Aufschrift "Polizei".Foto: dpa

Die Leiche der 20-jährigen Syrerin lag in einer Kleingartenanlage in Dessau-Roßlau. Ob Rokstan M. auch dort ermordet wurde, wo man sie am 2. Oktober fand, ist unklar. Sehr klar ist dagegen für Eva Kaiser: „Sie ist Opfer eines Ehrenmords.“ Einer jener Morde, die wegen des familiären Hintergrunds der Tat besonders erschütternd sind. Und sehr viel spricht dafür, dass Eva Kaiser, Leiterin des Projekts Papatya aus Berlin, Recht hat. Papatya ist eine „Kriseneinrichtung für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund“, Anlaufstelle für Opfer von Zwangsheirat, von Verfolgung oder Morddrohungen durch die eigene Familie.

"Sie wollte nur frei sein"

Papatya hat Rokstan M. betreut. Am Sonntag, 11. Oktober 2015, schaltete die Anlaufstelle auch eine Traueranzeige im Tagesspiegel. Die Worte lauteten: "Sie wollte nur frei sein. Ihre Familie ließ das nicht zu. Mit 20 Jahren wurde sie getötet. Wir (...) sind schockiert, traurig und wütend. Möge Dein Tod dazu beitragen, dass Gewalt im Namen der so genannten 'Familienehre' endlich aufhört!".

Sie zog von Berlin nach Dessau

Im April kam die 20-Jährige zu Papatya, aufgrund eines Tipps des Frauenshauses Dessau. Dort hatte sie zuerst Schutz gesucht. In Berlin erzählte sie ihre Geschichte. In Syrien aufgewachsen, in Syrien vergewaltigt, vor zwei Jahren nach Deutschland geflüchtet, von der eigenen Familie verachtet und geschlagen, weil sie keine Jungfrau mehr war. „Die Familie erzählte, sie, Rokstan, sei selber schuld an der Vergewaltigung“, sagt Eva Kaiser. Eine Woche blieb sie in einer anonymen Wohnung. Dann zog sie zu einem Onkel nach Westdeutschland. „Wir versuchten sie zu halten, vergeblich“, sagt Eva Kaiser. Der Onkel versprach zu vermitteln, den Familienfrieden wieder herzustellen.

Irgendwann zog Roskan M. dann wieder zurück nach Dessau, ob zu ihrer Familie oder ins Frauenhaus, weiß Eva Kaiser nicht. Sicher ist dagegen, dass der Vater unter Verdacht steht. Allerdings ist er wohl inzwischen nach Syrien ausgereist. Die Staatsanwaltschaft Dessau spricht „von kulturellen Motiven“ der Tat. Eva Kaiser sagt: „Ein klarer Fall von Familienehre.“

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