Deutsch-französisches Grenzland : Handel mit Ersatzdrogen floriert

Wenn die Polizei im Südwesten Deutschlands bei Verkehrskontrollen nach Drogen sucht, hat sie die aus dem Elsass kommenden Autos ganz besonders im Auge.

Straßburg/Offenburg - Es ist ein offenes Geheimnis, dass der grenzüberschreitende Handel mit Rauschgift floriert - und seit einiger Zeit vor allem der Handel mit der Ersatzdroge Subutex, die zur Behandlung von Heroinabhängigen eingesetzt wird. In Deutschland ist Subutex seit Februar 2000 zugelassen, gilt aber als Rauschmittel und darf somit, wie Methadon, nur unter strengen Auflagen verabreicht werden. In Frankreich hingegen wird das Mittel als Medikament eingestuft und kann von jedem Allgemeinmediziner verschrieben werden.

Das Elsass stehe beim Verkauf von Subutex mit Abstand an erster Stelle unter allen französischen Regionen, erläutert Corinne Walz, die Leiterin des staatlichen Gesundheitsamtes in Straßburg. Und der Absatz steige rapide an, was auf die Existenz eines Schwarzmarkts schließen lasse. "Der Handel blüht", bestätigt Michèle Falch von der Drogenberatungsstelle in der badischen Grenzstadt Kehl am Rhein. Bei den deutschen Drogenabhängigen habe sich herumgesprochen, dass Subutex in Frankreich relativ leicht zu erhalten ist.

Deutsche Konsumenten profitieren von laxeren Regeln in Frankreich

Zudem sei das Mittel im Elsass deutlich billiger als in Deutschland, erläutert Falch. Eine Packung mit sieben Tabletten sei etwa auf dem Straßburger Schwarzmarkt für 20 Euro zu haben. Dies reiche in der Regel mindestens für eine Woche. Bei den deutschen Konsumenten handele es sich oft um Heroinabhängige, die gar nicht von der Droge loskommen wollen. Das laufe unter dem Motto, "die erste Monatshälfte Heroin und die zweite Hälfte, wenn das Geld nicht mehr reicht, wird mit Subutex überbrückt", sagt die Beraterin. "Viele kommen dazu von weither angereist".

Solange die gesetzlichen Bestimmungen so unterschiedlich sind, wird der grenzüberschreitende Handel mit der Ersatzdroge kaum zu drosseln sein, da sind sich die Experten einig. In Deutschland bekommen die Patienten immer nur jeweils eine Pille, die sie unter Aufsicht eines Drogenfacharztes einnehmen müssen. Zudem müssen sie sich einer Therapie unterziehen. "Das heißt, sie müssen sich zu ihrer Sucht bekennen und den Willen haben, davon loszukommen", betont die Offenburger Ärztin und Suchtspezialistin Regina Billhardt. Dieses "Coming out" sei für viele der schwierigste Schritt.

Ganz anders in Frankreich. Dort ist Subutex im Gegensatz zu Methadon als Medikament eingestuft. Abhängige können das Mittel per Verschreibung eines Allgemeinmediziners in jeder Apotheke erhalten - in der Regel Packungen mit sieben Pillen. Das französische Gesundheitssystem ermöglicht es zudem, kurz hintereinander verschiedene Ärzte zu konsultieren und jedes Mal ein Rezept zu bekommen.

Dieses "Nomadenverhalten" von Subutex-Konsumenten sei seit einigen Jahren zu beobachten, bestätigt Jean-Pierre Metzger, der stellvertretende Leiter der staatlichen Krankenkasse (CPAM) in Straßburg. Wenn jeder Patient nicht mehr als die tägliche Höchstdosis einnehmen würde, könne alleine die CPAM in Straßburg pro Quartal 300.000 Euro sparen. Die Kasse hat unterdessen ihre Kontrollen verschärft, um möglichen Weiterverkäufern auf die Schliche zu kommen. Ob dies ausreichen wird, bezweifeln Experten jedoch.

Die französische Behörde zur Drogenbekämpfung in Paris erwägt daher, Subutex als Rauschmittel einzustufen und die Verabreichung an ähnlich strenge Auflagen zu knüpfen, wie sie bereits für Methadon gelten. "Das wäre sicher das Beste, um den Missbrauch auch in Deutschland einzudämmen", glaubt Ärztin Billhardt. (Von Damien Stroka und Jutta Hartlieb, AFP)

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