DNA-Test : Gletscherleiche war Günther Messner

Bei der am Nanga Parbat entdeckten Gletscherleiche handelt es sich eindeutig um die sterblichen Überreste des 1970 abgestürzten Bruders von Reinhold Messner. Das ergab eine DNA-Analyse.

Innsbruck - Die Ergebnisse der Analyse wurden am Freitag von Gerichtsmedizinern in Innsbruck bekannt gegeben. Der Bruder des Südtiroler Extrembergsteigers Reinhold Messner, Günther, war 1970 am Nanga Parbat abgestürzt. Die Gletscherleiche war im Juli auf 4.600 Metern Höhe entdeckt worden.

Der Streit zwischen Messner und ehemaligen Kameraden um den Bergtod ist indes nicht zu Ende. Die Umstände des Todes bleiben weiter ungeklärt. Zwar meinte Reinhold Messner nach der Veröffentlichung des Ergebnisses vor Journalisten: «Meine Geschichte ist jetzt endlich bewiesen.» Seine Kritiker nannten diese Darstellung jedoch in einer ersten Reaktion «unseriös und nicht haltbar».

Die Untersuchung hatte Messner veranlasst, um damit seine Version von den Todesumständen des Bruders untermauern zu können. Nach der Entdeckung der Leiche am Nanga Parbat (Pakistan) am 17. Juli hatte er nach eigenen Aussagen vier Gewebeproben des Toten in Rucksäcken nach Österreich geschmuggelt, um die Identität wissenschaftlich überprüfen zu lassen. Nach Meinung des Innsbrucker Pathologen Walther Parson ist die Wahrscheinlichkeit, dass der untersuchte Zehenknochen des Toten von Messners Bruder stammt «um 17,8 Millionen Mal höher, als dass er von einer fremden Person ist». Zu der Pressekonferenz Messners in Innsbruck waren zahlreiche Journalisten und auch Fernsehteams aus aller Welt erschienen.

Messner, der sich wegen der Umstände des Todes seines damals 24- jährigen Bruders seit vier Jahren eine mit ungewöhnlicher Schärfe geführte Fehde mit ehemaligen Mitgliedern der Nanga-Parbat-Expedition liefert, sieht in dem Fund seines 35 Jahre verschollenen Bruders den «Beweis» für seine Darstellung der vergangenen Jahre. Danach wurde Günther Messner beim Abstieg auf etwa 4600 Metern Höhe kurz vor Erreichen des Wandfußes vermutlich von einer Eislawine erfasst und in die Tiefe gerissen. Mitglieder der damaligen Expedition haben Messner vorgeworfen, seit Jahren widersprüchliche Angaben über den Tod seines Bruders gemacht zu haben. Messner wiederum bezichtigte sie dafür des «Rufmordes».

Messner war am 27. Juni 1970 vom letzten Hochlager zum Gipfel des Nanga Parbat (8125 Meter) aufgebrochen. Sein Bruder folgte ihm kurz darauf. Nach heutigen Schilderungen Reinhold Messners stiegen die beiden danach über eine bis dahin wenig bekannte Route ab. Im Verlauf dieses Abstiegs bei extremer Kälte sei der stark geschwächte Günther Messner schließlich abgestürzt.

Kurz nach dem Unglück hatte Messner den Mitgliedern der Expedition vorgeworfen, ihm nicht zur Hilfe gekommen zu sein. Er verlor jedoch alle gerichtlichen Auseinandersetzungen. Seit Messner seine Vorwürfe 2001 öffentlich wiederholte, kam es zu einer Kettenreaktion mit Vorwürfen und Gegenvorwürfen. Expeditionsmitglieder wollten sogar nicht ausschließen, dass Messner seinen höhenkranken Bruder beim Abstieg in größerer Höhe im Stich gelassen habe.

Der Extrembergsteiger selbst erklärte am Freitag, der Fundort der Leiche bestätige, dass er gemeinsam mit seinem Bruder abgestiegen sei und ihn nicht im Stich gelassen habe. Er selbst habe die Bestätigung durch die DNA-Analysen nicht gebraucht. Er habe die Untersuchungen «zur Absicherung nach außen» machen lassen. Gerhard Baur, ehemaliges Expeditionsmitglied, meinte dagegen: «Mit dieser Untersuchung ist nichts aus der Welt.» «An der Ausgangslage ändert sich nichts», sagte er der dpa. «Keiner von uns wird jemals erfahren, was da auf dem Berg jemals zwischen den Brüdern vorgegangen ist».

Am 17. Juli hatten Einheimische die Leiche nahe des Diamir- Basislagers in rund 4600 Metern Höhe entdeckt. Messner hatte den Toten nach eigenen Angaben auf Grund seiner Schuhe und einer Jacke als seinen verunglückten Bruder identifiziert. Die sterblichen Überreste des Toten wurden später in Pakistan feuerbestattet. (tso/dpa)

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