Drogen in Deutschland : Crystal Meth immer weiter verbreitet

Crystal nur in der Provinz? Bei der Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten warnen Experten, dass die Droge kein regionales Problem mehr ist.

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Zerstörerische Kristalle. Der Konsum von Crystal Meth kann verheerende körperliche, psychische und soziale Folgen haben - trotzdem probieren immer mehr Deutsche die Droge. Foto: picture alliance / dpa
Zerstörerische Kristalle. Der Konsum von Crystal Meth kann verheerende körperliche, psychische und soziale Folgen haben - trotzdem...Foto: picture alliance / dpa

Die derzeit wohl gefährlichste Droge der Welt ist weiter auf dem Vormarsch: Crystal Meth dringt in immer mehr deutsche Regionen vor, warnten Experten bei der Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) am Freitag in Berlin. Die Konferenz befasste sich erstmals ausschließlich mit der chemischen Modedroge.

„Vor fünf Jahren hätte ich noch gesagt, Crystal Meth ist kein Problem in Deutschland“, sagte Norbert Wodarz, Leiter des Zentrums für Suchtmedizin der Universität Regensburg. Seither habe es einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen gegeben. Die Droge sei zwar noch nicht in der ganzen Bundesrepublik präsent, aber man könne auch nicht mehr davon sprechen, dass es nur um einzelne Regionen gehe. „In Sachsen ist mittlerweile das ganze Land betroffen.“

Der Handel im Darknet floriert

Die Droge kommt oft aus tschechischen Labors, weshalb Crystal Meth im Osten Deutschlands stärker verbreitet ist. Ende der neunziger Jahre tauchte es hierzulande nahe der Grenze, etwa in Oberfranken, erstmals auf. „Daher arbeiten wir eng mit den Kollegen in Tschechien zusammen“, sagte Peter Henzler, Vizepräsident des Bundeskriminalamts. Im Fokus stünde vor allem das sogenannte Darknet als Vertriebsplattform, also der Teil des Internets, der nur über technische Schranken zugängig ist und normalen Suchmaschinen verborgen bleibt. Hier floriere der quasi anonyme Handel mit Crystal Meth. Dem jüngsten Drogenbericht der Bundesregierung zufolge steigt die Zahl der registrierten Erstkonsumenten kontiniuierlich, zuletzt von 2746 Menschen in 2013 um 14 Prozent auf 3138. Viele von ihnen laufen Gefahr, schnell abhängig zu werden: Das Suchtpotenzial von Crystal Meth ist enorm, die gesundheitlichen Folgen oft zerstörerisch. „Crystal Meth verspricht am Anfang viel und hält am Ende nichts“, sagte Marlene Mortler.

Die Nutzer: Alt und jung, Lkw-Fahrer oder Manager

Aufgrund der Wirkung – aufputschend, stimmungsaufhellend, leistungssteigernd – sei Crystal Meth für alle gesellschaftlichen Gruppen attraktiv, erklärte Suchtexperte Wodarz. „Die Konsumenten sind alt und jung, Lkw-Fahrer oder Manager.“ Entsprechend vielfältig seien die Gründe für den Konsum der synthetischen Droge. Deshalb würden spezialisierte Therapieangebote gebraucht – doch da steht Deutschland noch am Anfang. „Mit den klassischen Therapieangeboten kommen wir bei Crystal-Usern nicht sehr weit.“ Die Bundesärztekammer fordert, Handlungsempfehlungen für die Therapierung Abhängiger zu entwickeln, doch die Forschungslage ist Wodarz zufolge in Deutschland noch dünn. „Wir beziehen uns derzeit vor allem auf wissenschaftliche Daten aus den USA.“

Neben den verheerenden gesundheitlichen Folgen von Crystal Meth wie Psychosen, Schlaganfällen, Mangelernährung macht den Experten auch das riskante und aggressive Verhalten der Abhängigen Sorgen. Sie könnten sich und andere leicht in Gefahr bringen, etwa durch riskante Sexualpraktiken oder Gewaltausbrüche.

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