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Ein Toter nach Explosion : Entwarnung nach Akw-Unfall in Frankreich

Nach der Explosion in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ist offenbar keine Radioaktivität ausgetreten. Die Aufsichtsbehörde erklärte den Vorfall für "beendet" und löste den Krisenstab wieder auf.

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Die Atomanlage Marcoule in Chusclan. Auf dem Gelände der französischen Anlage hat es am Montag eine Explosion gegeben.
Die Atomanlage Marcoule in Chusclan. Auf dem Gelände der französischen Anlage hat es am Montag eine Explosion gegeben.Foto: dpa

Es sei außerhalb der Anlage bisher keine Freisetzung von Radioaktivität gemessen worden, sagte der Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), Sven Dokter, am Montag der dpa unter Verweis auf Angaben der französischen Kollegen. Ein Mensch war bei dem Unfall in der Anlage nahe Avignon ums Leben gekommen. Vier weitere Menschen wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums verletzt, aber nicht radioaktiv verstrahlt. Ein Schwerverletzter schwebte nach Angaben der Rettungskräfte in Lebensgefahr.

Die Atomaufsichtsbehörde ASN erklärte den Vorfall bereits nach kurzer Zeit für „beendet“; es sei keine erhöhte radioaktive Strahlung gemessen worden. Der Unfall in der Atomanlage Marcoule in der Nähe von Avignon habe „keine Radioaktivität“ ausgelöst und „keine Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung“ nötig gemacht, erklärte die Aufsichtsbehörde, die ihren kurz zuvor gebildeten Krisenstab wieder auflöste.

Ein Ofen, wo schwach- und mittel radioaktives Material verbrannt wird und radioaktive Stoffe durch Filter zurückgehalten werden, war zuvor explodiert. Dokter betonte unter Verweis auf Informationen des Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN), dass auch nicht mehr damit gerechnet werde, dass noch Radioaktivität austreten könnte. „Das Gebäude, in dem sich dieser Ofen befindet, ist intakt.“ Es gebe keine Schäden, auch Fenster seien wohl nicht zerstört worden. Zum Zeitpunkt der Explosion sei zudem nur schwach radioaktives Material verbrannt worden. Die Anlage gehöre dem französischen Energiekonzern EDF.

Es handele sich aber um einen Industrieunfall „und nicht um einen atomaren Unfall“, betonte der französische Energieminister Eric Besson. Es sei „kein Kernkraftwerkssystem“ betroffen, und es bestehe „keine chemische oder radioaktive Gefahr“. Zuvor hatte das Innenministerium mitgeteilt, dass weder in der Anlage noch im Umkreis radioaktive Strahlung gemessen worden sei; die Anlage wurde daher nicht geräumt.

Das französische Institut für Strahlenschutz und Atomsicherheit (IRSN) sprach von einer „sehr, sehr schwachen“ Radioaktivität im Ofen selbst. Boden- und Staubproben sollten noch im Laufe des Abends genau zeigen, wie hoch die Auswirkung auf die Umwelt sei, erklärte ein IRSN-Fachmann. Das Institut rechne aber „mit einem sehr, sehr niedrigen Niveau“. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) forderte nach eigenen Angaben weitere Informationen aus Frankreich an, was bei einem Vorfall dieser Art üblich ist.

In dem explodierten Ofen wurden schwach radioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt beziehungsweise eingeschmolzen. Dazu gehörten nach Angaben eines Sprechers des staatlichen Stromkonzerns EDF Pumpen, Rohre, Arbeitsanzüge und Handschuhe. In einem anderen Teil der Anlage Marcoule wird das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX produziert, das aus abgebrannten Uran-Brennstäben hergestellt wird. Marcoule gilt als „Wiege“ der Wiederaufarbeitung; in den verschiedenen Betrieben auf dem in den 50er Jahren angelegten Komplex an der Rhône arbeiten rund fünftausend Menschen. (dpa/AFP)

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