Welt : Eine Frage der Präsentation

Die Schweizer können bei der Nationalratswahl im Oktober „Powerpoint“ abwählen

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Berlin - Mit ihrer Abneigung gegenüber der Präsentations-Software „Powerpoint“ will eine Schweizer Partei in den Wahlkampf ziehen. Die sogenannte „Anti-Powerpoint-Partei“ wird im Kanton Zürich zu den Schweizer Nationalratswahlen am 23. Oktober antreten. Sie hat das Ziel ausgegeben, Powerpoint-Präsentationen durch andere Vortragstechniken zu ersetzen.

Die Partei sieht sich als Vertreter von „monatlich 250 Millionen Bürgern weltweit, die zwangsweise bei langweiligen Präsentationen anwesend sein müssen“. 805 Unterschriften hat sie nach eigenen Angaben beim Kanton Zürich eingereicht, 400 Unterschriften sind nötig, um in der größten Schweizer Stadt bei den Parlamentswahlen anzutreten. Die Wahlen sind in der Schweiz auf Kantonsebene organisiert, der Bund beaufsichtigt die Wahl lediglich.

Die „Anti-Powerpoint-Partei“ ist nicht die erste skurrile Partei aus der Schweiz, wie Thomas Abegglen, Sprecher der Bundeskanzlei in Bern berichtet. In der Vergangenheit seien bereits eine Raucher- Partei und eine Auto-Partei zu Wahlen angetreten. Die Auto-Partei habe sich Ende der 1970er Jahre als Reaktion auf die Bewegung zum Waldsterben gegründet. Tatsächlich hätten die Eidgenossen in Zürich, Bern und Aargau die Kandidaten der Auto-Partei in den Nationalrat gewählt.

Sollten drei Prozent der Zürcher Wähler im Oktober die „Anti-Powerpoint-Partei“ wählen, wäre auch sie mit einem Sitz im Parlament vertreten. Ihr Spitzenkandidat ist der Rhetoriktrainer Matthias Pöhm. „Powerpoint muss nicht sein“ ist sein Credo. Wenn man das Flipchart Powerpoint gegenüberstelle, habe man in 95 Prozent der Fälle einen wesentlich besseren Vortrag. „Wir wollen mit unserer Wahlteilnahme Aufmerksamkeit auf das Thema lenken“ – Aufmerksamkeit aber wohl auch auf sein Buch „Der Irrtum Powerpoint“. Die Partei plant außerdem eine Volksinitiative zum Verbot von Powerpoint-Präsentationen, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet.

Auch in Deutschland sind bereits recht eigenwillige Parteien angetreten: Die „Naturgesetzpartei“ setzte sich von 1992 bis 2004 für einen „Aufbruch zu neuem Bewusstsein“ ein. Bekannt wurde sie vor allem durch „Yogische Flieger“. Diese behaupteten, eine vom Yoga-Begründer Maharishi Patanjali bereits vor Jahrtausenden erwähnte Schwebetechnik auszuüben.Andreas Maisch

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