Ende einer Schlacht : Der letzte Stierkampf in Katalonien

Am vergangenen Sonntag fand in Katalonien der letzte Stierkampf statt. Ab 2012 ist die Stier-Fiesta in der Region verboten, doch die Befürworter geben noch nicht auf.

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Mit dem Stierkampf in der Arena soll in Katalonien Schluss sein. Die Treibjagden durch die Straßen, die "corridas", wird es aber weiterhin geben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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25.09.2011 22:05Mit dem Stierkampf in der Arena soll in Katalonien Schluss sein. Die Treibjagden durch die Straßen, die "corridas", wird es aber...

Mit der Tötung von sechs Stieren endete am Sonntagabend die Ära des Stierkampfes in Katalonien. Rund 18 000 Zuschauer strömten in die Arena Monumental von Barcelona, um dem Spektakel beizuwohnen. Aber auch Stierkampfgegner waren gekommen und protestierten gegen die jahrhundertealte Tradition. „Das ist ein kleiner Sieg“, sagte Lluís Villacorta. „Aber das tröstet mich nicht. Die Stiere, die hier nicht sterben, sterben an anderen Orten der Iberischen Halbinsel oder in Frankreich.“

Ganz anders sehen es die Matadore. So lässt sich Serafin Marin seinen Stolz nicht nehmen. „Wir haben die Schlacht verloren, aber nicht den Krieg“, sagt er. Serafin Marin ist jener Matador, der am Sonntag in der Arena in seiner Heimatstadt Barcelona den letzten von insgesamt sechs Stieren getötet hat. Dieser Schlusspfiff für den Stierkampf sei „traurig“, sagt der 28-Jährige. Nun will er dafür kämpfen, dass die Stier-Fiesta, nach dem Fußball das zweitwichtigste Massenspektakel im spanischen Königreich, nicht auch im großen Rest Spaniens verschwindet.

Adios, Stierkampf. Am vergangenen Sonntag standen sich in der berühmten Arena „La Monumental“ in Barcelona zum allerletzten Mal Toreros und Kampfbullen gegenüber. Danach schließt – gezwungenermaßen und nach fast 100 Jahren – dieser historische Stierkampfplatz, einer der größten der Welt, seine Tore. Und es wird auch in der ganzen nordspanischen Region Katalonien, zu der Barcelona gehört, in Zukunft keine Stierkämpfe mehr geben.

Vor einem Jahr hatte das katalanische Regionalparlament den Stierkampf in der ganzen Region Katalonien verboten. Der Beschluss wurde weltweit mit Beifall registriert. Anfang 2012 tritt der Stierkampf-Bann offiziell in Kraft. „Endlich ein Ende der Grausamkeiten“, jubeln die Tierschützer der Bürgerinitiative Prou („Genug“), die mit einem Volksbegehren das Thema ins katalanische Parlament gebracht und dann auch noch gesiegt hatte.

Vor allem die katalanischen Regionalparteien, die für einen schrittweisen Abschied von Spanien eintreten und in diesem kulturell eigenwilligen Landesteil die Mehrheit haben, hatten gegen den Stierkampf gestimmt. Gegen jene umstrittene spanische „fiesta“, die für die Freunde dieser Tradition als „wertvolles Kulturerbe der Nation“ gilt.

In den Augen des Matadors Serafin Marin hat das Verbot wenig mit Tierschutz zu tun und viel mit kleinkarierter Politik in der katalanischen Region: Der Stierkampf „ist ein nationales Symbol“, und die rund um Barcelona

tonangebenden katalanischen Parteien „wollen alles, was Spanien repräsentiert, beseitigen“.

Lesen sie auf Seite 2 warum Spaniens Stierkampf in der Krise steckt.

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