Englisches Essen : Pferdefleisch im Burger

Den Briten ist der Appetit vergangen, als herauskam, dass die Burger der großen Supermarktketten Pferdefleisch enthalten. Nur Gourmets wissen das zu schätzen.

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In den Gefriertruhen britischer Supermärkte waren gestern kaum noch „Beefburger“ zu finden. Regale und Truhen wurden ausgeräumt, nachdem Untersuchungen in den Burgern führender Ketten Pferdefleisch entdeckt hatten. Nun ist den Briten der Appetit auf Burger erst einmal vergangen. Auch Premier Cameron mischte sich ein. „Absolut unakzeptabel“, sagte er. Die britische Lebensmittelaufsicht werde sich mit den Fällen befassen.

63 Prozent Rindfleisch stand auf den Burgerpackungen der größten britischen Kette Tesco. Analysten eines irischen Labors fanden bis zu 29 Prozent Pferdefleisch. Die Kontrolleure fanden auch Spuren vom Schwein – für Muslime nicht weniger abscheulich als für einen britischen Pferdefreund der Biss in einen „Pferdeburger“. Auch Produkte bei Aldi, Lidl, Iceland und anderen Ketten waren „kontaminiert“.

„Das könnte schon seit Jahren so gegangen sein. Wir haben es nur nie gewusst, weil wir nie getestet haben“, sagte Tim Lang, Professor für Ernährungspolitik der City-Universität London, der „Times“. Die Lebensmittelbehörde ermittelt gegen den größten Rindfleischverarbeiter Großbritanniens, ABP Foods, und Zulieferer aus Holland und Spanien. Gesundheitsgefahr bestehe nicht, wird betont. Fachleute glauben, dass das Pferdefleisch nicht nur aus Kostengründen beigemischt wird, sondern weil das magere, dunkle Fleisch den Burger optisch aufwertet.

Während sich Briten angewidert abwandten, begannen Feinschmecker und Lifestyleberater über die Raffinesse des Pferdefleisches und das kulturelle Tabu zu diskutieren. Es sei gesünder als Rindfleisch, hormonfrei, Pferde frisch von der Weide seien biologisches Fleisch durch und durch. „Zart wie Kobe-Rind“, verglich ein Fachmann in der „Times“ das Pferd mit der japanischen Delikatesse. „Der Geschmack ist süßlich, das Fleisch ist dunkler als Rind und eisenhaltiger“, lobte Meisterkoch Henry Harris vom Restaurant „Racine“, der im BBC-Studio ein paar Stückchen anbraten durfte. Restaurantkritikerin Rise Prince rührte nichts davon an. „Pferdefleisch wird immer tabu bleiben, wegen unserer Liebe zu Pferden. Und weil wir gerne Franzosen hänseln, die Schnecken, Froschschenkel und Pferde essen.“ Matthias Thibaut

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