• Entrüstung über Werbekampagne von Yves Saint Laurent: Knochige Models in Porno-Posen

Entrüstung über Werbekampagne von Yves Saint Laurent : Knochige Models in Porno-Posen

"Mager" und "entwürdigend": In Frankreich gibt es Proteste gegen die Darstellung der Models in der neuen Kampagne des Modelabels. Die Werbeaufsicht prüft den Fall.

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Schon fast pornographisch, finden viele: Yves-Saint-Laurent-Werbung auf den Champs Elysées am Montag.
Schon fast pornographisch, finden viele: Yves-Saint-Laurent-Werbung auf den Champs Elysées am Montag.Foto: ERIC FEFERBERG/AFP

„Erniedrigend“  und „degradierend“ - eine Werbekampagne von Yves Saint Laurent sorgt in Frankreich für Empörung. Das Frauenbild des Modehauses, das einst für elegante Smokings stand und Catherine Deneuve als Fan hatte, setzt jetzt auf pornoähnliche Werbung mit extrem mageren Models. Die Plakate hängen überall in Paris. Es hagelte zahlreiche Beschwerden und empörte Kommentare im Internet gegen die Werbung mit den Klappergestellen in entwürdigenden Posen.

Die Werbeaufsicht ARPP prüft derzeit, ob die Fotos zurückgezogen werden müssen. Darauf zu sehen sind Frauen mit Netzstrümpfen und High-Heels in Rollschuhen, ihre Beine weit gespreizt. Außerdem gibt es ein Foto mit einem knochigen Model, das die Hosen heruntergelassen hat. Ein anderes Model liegt gebückt über einem Hocker. Aufgenommen wurden die Fotos von dem holländischen Modefotografen-Duo Inez&Vinoodh. Bei Inez handelt es sich übrigens um eine Frau, Inez van Laamswerde (53), ihr Partner ist Vindooh Matadin (55).

Frankreich hatte 2015 ein Gesetz verabschiedet, das gefährliches Untergewicht bei Models verbietet. Seitdem schaut auch die Werbeaufsicht genauer hin.

Das sei ein „Aufruf zur Vergewaltigung“, schrieb ein Kritiker im Internet. „Dekadenz, Anorexie, Unterwerfung und Dummheit, sind das die Werte von Yves Saint Laurent“, fragte eine Frau. Soll das noch Luxus sein, thematisierten viele, einer schrieb: „Coco Chanel sagte, Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern das Gegenteil von Vulgarität.“

Das Modelabel war schon häufiger für Skandale gut

Schon 50 Beschwerden erreichten die Werbeaufsicht. Deren Chef Stéphane Martin betonte, Yves Saint Laurent habe die Regeln „eindeutig“ verletzt. Am Freitag soll entschieden werden, ob die Fotos verboten werden. Schockierende Werbungen sorgten schon häufiger für Aufsehen, das Haus Yves Saint Laurent ist Spezialist dafür. Schon vor zwei Jahren hatte die britische Werbeaufsicht ein Foto von Saint Laurent mit einem Magermodel verboten, das sich lasziv auf dem Boden räkelt.

Die aktuellen Fotos bewerben die Kollektion des Belgiers Anthony Vaccarello, der seit einem Jahr Kreativdirektor bei Yves Saint Laurent ist und seine Models auch gern barbusig über den Laufsteg schickt – was allerdings in der Modewelt keine Ausnahme ist. Vor zwei Jahren hieß der Designer noch Hedi Slimane, aber die Werbestrategie bleibt gleich. Auch Tom Ford, der die Marke mal führte, setzte auf schockierende Sex-Werbung.

Ein Kritiker im Internet fasste das zusammen: „Yves Saint Laurent dürfte sich im Grab umdrehen.“ Doch der dürfte eins vergessen haben: Yves Saint Laurent, der 2008 starb, hatte 1971 selbst nackt für eines seiner Parfüms posiert und viele damit schockiert. Und für die Kollektion 1998/99 setzte er zwei nackte, dürre Männer zu Kate Moss im Smoking aufs Foto.

 

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