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Eurovision Song Contest : ESC-Fans wollen Auftritt von Xavier Naidoo verhindern

Mit einer Online-Petition soll der Auftritt Xavier Naidoos beim Eurovision Songcontest 2016 verhindert werden. Kritiker richten sich mit einem Offenen Brief an die ARD. und Xavier Naidoo wehrt sich.

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"Freiheit für Deutschland": Xavier Naidoo bei einem Auftritt vor Verschwörungstheoretikern 2014.
"Freiheit für Deutschland": Xavier Naidoo bei einem Auftritt vor Verschwörungstheoretikern 2014.Foto: Cuneyt Karadag - Anadolu Agency

Der deutsche Teilnehmer am kommenden Eurovision Song Contest (ESC) steht fest. Xavier Naidoo soll bei dem internationalen Liederwettbewerb für Deutschland antreten, wie der verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) mitteilte. Die Zuschauer dürfen demnach bei der Show „Unser Song für Xavier“ im Februar nur noch über den Song abstimmen, mit dem der Künstler ins Rennen gehen soll.

Naidoo war zuletzt immer wieder wegen seiner Nähe zu Verschwörungstheoretikern und sogenannten Reichsbürgern in die Schlagzeilen geraten. Kürzlich wurde er zu den Gewinnern des "Goldenen Aluhuts" gewählt, mit dem die skurrilsten Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften des Jahres auszeichnet werden.

Das Team hinter "Der Goldene Aluhut" hat sich am Donnerstag mit einem Offenen Brief an die ARD gewandt. Darin kritisieren sie die Entscheidung und fordern eine Distanzierung von dem Sänger. "Herr Naidoo vertritt seit geraumer Zeit verschiedene Verschwörungstheorien, die darin gipfeln, dass die Bundesrepublik Deutschland 'gar kein richtiges Land', ohne Verfassung und die BRD nach wie vor besetzt sei", heißt es dort.

Die Verfasser verweisen unter anderem auf einen Song aus dem Jahr 2009 mit dem Titel "Raus aus dem Reichstag". "In diesem untermauert er u.a. die Verschwörungstheorie, dass die jüdische Großfamilie Rothschild die Welt beherrscht: 'Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel' und spricht von 'Todeslisten', auf den die Obrigkeit ihn setzen könne.

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Gulia Silbergerber hatte mit die Idee für den v erschwörungskritischen Preis der "Goldene Aluhut".

Auch 9/11 ist Herrn Naidoo zu Folge eindeutig ein Inside Job der amerikanischen Regierung gewesen." Nicht umsonst sei er mit dem "Goldenen Aluhut" ausgezeichnet worden. "Aus diesen Gründen wollen wir Sie bitten, ihre Entscheidung noch einmal gründlich zu überdenken."

Im Netz kursiert zudem eine Online Petition, die sich gegen die Teilnahme Naidoos ausspricht. "Von einem deutschen Bürger, der in so einem Zusammenhang steht, möchten wir nicht international bei einem Gesangswettbewerb repräsentiert werden, da auch das Image jedes einzelnen Deutschen bei dieser Auswahl leidet", schreiben die Urheber.

Vor allem für seinen Auftritt vor "Reichsbürgern" im Oktober 2014 in Berlin erntete das Mitglied von "Söhne Mannheims" massive Kritik. Dabei zweifelte er die offizielle Darstellung der Terroranschläge vom 11. September an und nannte "Reichsbürger" "Systemkritiker so wie ich". Dem Magazin Stern sagte Naidoo danach, sein Image sei schon immer etwas verdreht gewesen. "Man bezeichnete mich als homophob, als esoterischen Spinner und als religiösen Fanatiker. All das bin ich genau so wenig wie rechtspopulistisch."

Xavier Naidoo wehrt sich: "Stehe für weltoffenes Deutschland"

Xavier Naidoo wehrt sich gegen Kritik an seiner Kür zum deutschen Teilnehmer des Eurovision Song Contest 2016. „Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander“, sagte der 44 Jahre alte Musiker laut einer NDR-Mitteilung vom Donnerstagabend. Kritiker werfen dem Sänger Naidoo eine Nähe zu Verschwörungstheoretikern wie den rechtspopulistischen Reichsbürgern sowie Schwulenfeindlichkeit vor. Der Sänger widersprach. Er sei froh, in einem „bunten“ Deutschland zu leben, mit einer Vielfalt an Lebensentwürfen und Religionen. „Ich habe auch immer betont, dass ich die Auffassung der sogenannten Reichsbürger nicht teile, von denen ich mich auch öffentlich deutlich distanziert habe.“ Er stehe für Meinungsfreiheit, erklärte er nun. „Es ist allerdings schade, dass Menschen, die mich ganz offensichtlich nicht kennen, aufgrund unzutreffender Darstellungen substanzlos und schlecht über mich reden.“

Für den Unterhaltungskoordinator der ARD, Thomas Schreiber, ist Naidoo einen „Ausnahmekünstler“, der seit zwanzig Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben habe. "Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch. Seit Jahren setzt er sich für die deutsch-israelische Freundschaft ein, engagiert sich für Flüchtlinge ohne jedes Mal darüber zu reden, arbeitet mit zahlreichen Menschen zusammen, die in den unterschiedlichsten Lebensentwürfen leben" verteidigte Schreiber Naidoo und damit auch die ARD-Entscheidung in einem Interview auf der Website des ESC. Xavier Naidoo stehe seit Langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe." Deshalb sei er direkt nominiert worden. Der Grünen-Politiker Volker Beck jedenfalls spöttelt auf Twitter:

Den Treppenwitz, dass Naidoo als Reichsbürger gilt, der die Existenz Deutschlands in Frage stellt, aber genau für dieses Deutschland antreten wird, hat der NDR offenbar noch gar nicht bemerkt.

Der NDR reagiert auf die Schmach von Wien

Der "FAZ" sagte Naidoo, er trete selbstverständlich an, um „das Ding nach Hause zu holen“. 2015 landete Deutschland mit der Kandidatin Ann Sophie und null Punkten in Wien auf dem letzten Platz. Sophie war beim nationalen Vorentscheid nur Zweitplatzierte geworden, nachdem der Sieger Andreas Kümmert seine Wahl nicht angenommen hatte. Nach dieser Schmach sah sich der NDR herausgefordert. Und der Sender glaubt, mit der Änderung des Konzeptes beim nächsten Wettbewerb in Stockholm 2016 deutlich besser abzuschneiden.

Deswegen hat der NDR zusammen mit Branchenexperten entschieden: Kein Clubkonzert, kein Vorentscheid mit verschiedenen zur Verfügung stehenden Künstlern, statt dessen die direkte Nominierung von Xavier Naidoo und dann ein Zuschauerwettbewerb, aus dem Naidoos Song für Stockholm 2016 hervorgehen soll. Schreiber sagte in dem Interview auf der ESC-Website: "Zum einen wollen wir die Auswahl der Lieder stärker in den Vordergrund stellen und weniger die Sympathien für einzelne Kandidaten entscheiden lassen. Zum anderen haben wir jemanden gesucht, der im Jahr sechs nach Lenas Sieg in Oslo den Mut hat, in Stockholm anzutreten - nach einem letzten Platz und null Punkten beim ESC in Wien." Der hessische SPD-Landeschef, Thorsten Schäfer-Gümbel, schreibt:

Mit Blick auf die Pleite in Wien sagte der NDR-Unterhaltungschefs weiter, "wir wussten, was wir nicht mehr wollen: Bands oder Künstler, die den deutschen Vorentscheid im Wesentlichen als Promotionfläche genutzt haben". Gesucht wurde jemand, der sehr gut singen könne, eine authentische Bühnenpräsenz habe und der mit seiner Ausstrahlung die Fernsehzuschauer verzaubern könne. Schreiber betonte den letzten Aspekt sehr deutlich, dass der ESC eine Fernsehshow sei. "Das heißt, entscheidend sind nicht nur die Stimme und der Song, sondern auch - als drittes Element - was die Zuschauer zuhause auf dem Fernseher sehen."

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