• Eurovision Song Contest: Russen sehen in Jamalas Erfolg "Sieg des Kalten Krieges"

Eurovision Song Contest : Russen sehen in Jamalas Erfolg "Sieg des Kalten Krieges"

Mit Jamala siegt eine Frau aus der Ukraine beim ESC - und die Reaktion aus Russland kommt prompt. Von einer Hinterzimmer-Entscheidung ist die Rede.

Jamala thematisiert in ihrem Lied die Vertreibung der Tataren von der Krim unter Stalin.
Jamala thematisiert in ihrem Lied die Vertreibung der Tataren von der Krim unter Stalin.Foto: REUTERS

Russische Abgeordnete haben den Sieg der ukrainischen Sängerin Jamala ("1944") beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm als politisch motiviert kritisiert. Das Siegerlied über die Vertreibung der Tataren sei kein Beitrag für den gesamteuropäischen Kulturdialog, den sich der Wettbewerb auf die Fahnen geschrieben habe, sagte der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow am Sonntag. Der ESC verwandele sich in ein politisches Schlachtfeld. Ähnlich äußerte sich der Parlamentarier Konstantin Kossatschjow. Der Erfolg von Jamala sei ein "Sieg des Kalten Krieges" des Westens gegen Russland, meinte er der Agentur Tass zufolge in Moskau.

Der Politiker Ruslan Balbek von der moskautreuen Führung der Halbinsel Krim sprach von einem "Ergebnis der antirussischen Politik". Der Westen habe das Votum des Publikums, das mehrheitlich für den russischen ESC-Kandidaten Sergej Lasarew ("You Are The Only One") gestimmt hatte, ignoriert und einer "ukrainischen Erpressung" nachgegeben. Jamala thematisiert in ihrem Lied die Vertreibung der Tataren von der Halbinsel Krim unter Sowjetdiktator Josef Stalin.

Video
Triumph für die Ukraine
Triumph für die Ukraine

Auch im russischen Staatsfernsehen wurde der Sieg der Ukraine kritisiert. Jamala habe durch Punkte einer Jury gewonnen, die im Hinterzimmer ihre Entscheidung getroffen habe, sagte ein Teilnehmer einer Diskussion. Der Moderator zeigte sich enttäuscht, dass Deutschland seine zwölf Punkte an Israel und nicht an Russland gegeben hatte. "Da sitzt offenbar weder Thomas Anders noch Udo Dirkschneider in der Jury", sagte er. Thomas Anders, früher Sänger der Popgruppe Modern Talking, und Udo Dirkschneider von der Rockband U.D.O. sind durch häufige Auftritte sehr populär in Russland. (dpa)

179 Kommentare

Neuester Kommentar