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Fall Gammy : Vater angeblich wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Im Fall Gammy werden immer neue Informationen verbreitet, deren Wahrheitsgehalt schwer nachgeprüft werden kann. Einem australischen Sender zufolge soll der Vater früher wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein. Thailand will indes gegen Kliniken vorgehen.

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Gammy, der Junge mit Trisomie 21, der von einer thailändischen Leihmutter ausgetragen wurde.
Gammy, der Junge mit Trisomie 21, der von einer thailändischen Leihmutter ausgetragen wurde.Foto: dpa

Der biologische Vater des in Thailand zurückgelassenen Babys Gammy mit Down Syndrom - Trisomie 21 - ist nach Medienberichten in Australien schon einmal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden.
Der Sender Channel Nine News berichtete laut dpa am Dienstag, seine Frau habe dies bestätigt. Der Mann sei 1998 deshalb im Gefängnis gewesen.
„Menschen machen Fehler, dass heißt nicht, dass sie für immer schlecht sind“, zitierte der Sender die Ehefrau.  Das Paar aus der Nähe von Perth wird inzwischen von Medien belagert. Es hatte von einer Leihmutter in Thailand für umgerechnet 11 100 Euro Zwillinge austragen lassen, dann aber nur das gesunde Kind mitgenommen.

Die Polizei des Bundesstaates Westaustralien hat die zuständigen Behörden gebeten, zu überprüfen, ob der biologische Vater David Farnell ein „geeigneter“ Vater für seine Tochter sei. Farnell hat bereits drei Kinder aus seiner ersten Ehe und ist seit zehn Jahren mit seiner zweiten Frau verheiratet, die aus China stammt und die biologische Mutter der Zwillinge ist. Die thailändische Leihmutter Pattaramon Chanbua erklärte daraufhin in einer Pressekonferenz in einem Krankenhaus bei Bangkok, wo Gammy wegen einer Lungeninfektion behandelt wird, sie wolle nun auch dessen Zwillingsschwester zurückhaben. „Ich bin schockiert, nachdem ich diese Geschichte gehört habe“, sagte sie der Fairfax-Mediengruppe. „Ich bin sehr besorgt um mein kleines Mädchen. Ich brauche Hilfe von jemandem, der mein Mädchen sobald wie möglich zurückbringen kann. Die Nachrichten machen mich krank.“

Nach dem Aufruhr um Gammy will das thailändische Gesundheitsministerium unterdessen durchgreifen: Fünf der zwölf Kliniken, die künstliche Befruchtung anbieten, drohe Schließung, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Die Kliniken hätten offenbar nicht die richtigen Genehmigungen, um diesen Service anzubieten.

Der Fall erregt die Weltöffentlichkeit

"Ich habe nie über eine Abtreibung nachgedacht, ich habe nie darüber nachgedacht, ihn im Stich zu lassen", sagte Pattaramon der AFP in der Klinik in der Provinz Chonburi südöstlich von Bangkok. "Ich liebe ihn wie mein eigenes Baby, er ist mein Baby, ich liebe ihn sehr." Gammy gehe es zunehmend besser. Die bislang rund 150.000 Euro an Spenden für das Baby sollen für dessen Behandlung und spätere Ausbildung verwendet werden.
Der Fall der Thailänderin hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.


Pattaramon hatte die Zwillinge im Dezember in einem Krankenhaus zur Welt gebracht. Ihren Angaben zufolge sah das australische Paar die beiden Neugeborenen dort Seite an Seite in einem Bett liegen, ließ den behinderten Jungen aber bei der Leihmutter zurück.
Die biologischen Eltern meldeten sich am Dienstag erstmals ausführlich zu Wort. Eine Freundin der Familie sagte der Lokalzeitung „Bunbury Mail“ in ihrem Auftrag, die Farnells befänden sich „am Abgrund“. „Dies war absolut verheerend für sie“, sagte die Verwandte, die anonym bleiben wollte. Sie widersprach aber Aussagen der Leihmutter, nach denen die Farnells eine Abtreibung Gammys verlangt hätten, nachdem sie von der Behinderung erfahren hatten. Sie hätten Gammy nicht im Stich gelassen. Ihnen sei von den Behörden mitgeteilt worden, dass das zwei Monate zu früh geborene Baby nur noch einen Tag zu leben habe und sie sich von ihm verabschieden sollten. Wegen der unstabilen politischen Lage in Thailand nach der Geburt hätten sie sich nach einem zwei Monate langen Aufenthalt schweren Herzens entschlossen, lediglich mit der gesunden Zwillingsschwester nach Australien abzureisen. Sie hätten Angst gehabt, dass die Zwillingsschwester ihnen auch weggenommen werden könnte. „Sie haben dafür gebetet, dass Gammy überlebt“, sagte die Freundin der Zeitung.

"Pattaramon ist eine Heilige"

Pattaramon war nach eigenen Angaben von der Vermittlungsagentur auf Wunsch der australischen Eltern aufgefordert worden, das Baby abzutreiben, als die Down-Syndrom-Erkrankung bekannt wurde. Die Thailänderin lehnte dies ab. "Der Vermittler sagte, das Paar würde eine Abtreibung bezahlen, aber wir sind in einem buddhistischen Land, das verstehen sie nicht", sagte sie. "Wenn ich abgetrieben hätte, wäre ich festgenommen worden, weil das einem Mord gleichkommt." Abtreibungen sind in Thailand bis auf wenige Ausnahmen wie etwa nach Vergewaltigung verboten.
Der Fall Gammy löste weltweit Empörung und eine Welle des Mitgefühls aus. Auf der Internetseite "Hope for Gammy" gingen neben Spenden auch zahlreiche Solidaritätsbekundungen von Menschen ein, die empört auf das Verhalten des australischen Paars reagierten. Australiens Einwanderungsminister Scott Morrison würdigte Pattaramon am Montag als "Heilige" und "absolute Heldin". Sie und ihr Sohn hätten eine "schreckliche, einfach nur fürchterliche und herzzerreißende" Behandlung erfahren, sagte er dem Radiosender 2GB.
Leihmutterschaften sind weltweit höchst unterschiedlich geregelt. In Australien sind sie nur erlaubt, wenn über die Erstattung medizinischer Kosten hinaus kein Geld fließt. In Deutschland ist eine Leihmutterschaft grundsätzlich verboten. Mutter eines Kindes ist nach deutschem Recht immer die Frau, die es geboren hat. (mit dpa/AFP)

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