Fee, Prinzessin, Mutter : Bei Playmobil ist die Emanzipation passé

Bei Playmobil überwiegt heute wieder das traditionelle Frauenbild. In aufwendig inszenierten Spielwelten für Kinder zwischen vier und zehn Jahren dominieren Frauen als Prinzessinnen und Feen in Rosa und Lila. Das war schon mal anders.

Joachim Göres
Seit 1976 hat sich bei Playmobil in Sachen Frauenbild nicht viel getan. Foto: dpa
Seit 1976 hat sich bei Playmobil in Sachen Frauenbild nicht viel getan.Foto: dpa

Eine Frau mit Kopftuch, in der Rechten einen Staubsauger, in der Linken einen Handfeger – so sieht sie aus, die erste Playmobilfrau, die 1976 in die Spielläden kommt. Als Zubehör gibt es Besen, Teppichklopfer, Schaufel und Eimer zu kaufen. Der Hersteller Geobra Brandstätter aus dem bayrischen Zirndorf, der zwei Jahre zuvor die ersten Playmobilmännchen erschuf – einen Indianer, einen Cowboy und einen Bauarbeiter – will Mädchen und Jungen mit den 7,5 Zentimeter großen Figuren zum Rollenspiel animieren.

Die Volkskundlerin Kathrin Panne hat sich damit beschäftigt, welches Frauenbild die bis heute mehr als 2,7 Milliarden verkauften Plastikfiguren dabei häufig vermitteln. „In den 70er und 80er Jahren haben Frauen bei Playmobil untergeordnete Rollen. Sie tauchen vor allem als Mütter auf, die Kinderwagen schieben, es gibt auch Bäuerinnen und weibliche Hausangestellte. Playmobil spiegelt die traditionellen Familienstrukturen wider“, sagt Panne, stellvertretende Leiterin des Bomann-Museums Celle, wo bis Mitte April die Ausstellung „Playmobil – Spielgeschichte(n)“ zu sehen ist.

Lange sind Frauen bei Playmobil nur an äußeren Merkmalen wie Minikleidchen und halb langen Haaren erkennbar, nicht aber an der Figur. Erst ab Ende der 80er Jahre erhalten die Figuren einen Busen, lange Röcke und Hosenanzüge werden populärer. Ab den 90er Jahren dürfen Frauen bei Playmobil auch Trendsportarten ausüben oder in Polizeiuniform auf Streife gehen.

Die traditionelle Rollenbilder überwiegen

Seit 2010 gibt es weibliche und männliche Badefiguren, die schlanker als die klassischen Figuren sind. Sie wurden laut Judith Weingart von der Geschäftsleitung des Herstellers auf vielfachen Kinderwunsch eingeführt, genauso wie die erste Schwangere, die 2012 auf den Markt kam. Eine blonde Playmobil-Bankräuberin löste dagegen damals einige Proteste aus.

Auf der eigenen Homepage präsentiert sich Playmobil modern: „Als wahre Multi-Talente bestehen Playmobil-Figuren erfolgreich alle möglichen Abenteuer – in historischen Szenarien als Ritter oder Piratinnen, in der Gegenwart als Bauarbeiter, Tierärztin oder Polizist oder in virtuellen Welten als Agentinnen oder Agenten.“

Beim Blick in den aktuellen Katalog überwiegen dagegen traditionelle Rollenbilder. In aufwendig inszenierten Playmobil-Spielwelten für Kinder zwischen vier und zehn Jahren dominieren Frauen als Prinzessinnen und Feen in Rosa und Lila. In der Kita tummeln sich Mütter und Erzieherinnen, die um das Wohl der Kleinen besorgt sind. In der modernen Luxusvilla vergnügen sich Frauen im Fitnessraum, beim Bräunen am Swimmingpool, unter der Dusche (im Bikini) oder machen sich im Ankleidezimmer hübsch.

Im Shopping-Center lassen sie sich im Beautysalon oder in der Modeboutique verwöhnen. Am beliebtesten sind die Spielwelten Reiterhof, Prinzessinnenschloss und Shopping-Center. Im Playmobil-Katalog werden spielende Mädchen gezeigt, die mit verzücktem Blick die weiblichen Figuren mit ihren Lieblingskleidern ausstatten – mit den Playmobil-Wechselkleidern wurde 2013 „ein sehnlicher Wunsch unserer kleinen weiblichen Fans erfüllt“, sagt Weingart.

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"Playmobil hat gerade Figuren zur Reihe ‚Germany’s Next Topmodel' herausgebracht, das ist traurig"

Die Hamburger Geschlechterforscherin Stevie Schmiedel kennt solche Argumente. „Durch die Propagierung von geschlechtsspezifischen Rollen können die Hersteller angesichts sinkender Kinderzahlen einfach mehr verkaufen. Pink für die Mädchen, blau für die Jungen, gemeinsames Spielzeug ist out“, sagt Schmiedel, Geschäftsführerin der Initiative Pinkstinks. Sie setzt sich gegen die „Pinkifizierung“ der Mädchenzimmer ein und kämpft gegen falsche Vorbilder.

„Playmobil hatte lange einen guten Ruf und hat jetzt gerade Figuren zur Reihe ‚Germany’s Next Topmodel' herausgebracht, das ist traurig. Der Hersteller weiß natürlich, dass ein Bedarf dafür besteht“, sagt Schmiedel. Auf der Facebook-Seite von Pinkstinks stellt sie diese neuen Playmobil-Figuren vor – die Empörung sei groß. „Wir wenden uns mit Aktionen an die Industrie. So konnten wir erreichen, dass Toys’R’Us einen Push-up-BH für Achtjährige wieder aus dem Angebot genommen hat. Für Eltern ist es schwierig, dem Kind etwas zu verweigern, was alle anderen haben.“

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