Ferien auf den Balearen : Mallorca will sein Schmuddelimage ablegen

Nicht mehr nur Ballermann, sondern sicher, sauber und seriös: Mallorca will ein edles Ganzjahresziel werden. Dabei setzt die Baleareninsel auf Klasse statt Masse.

Der vor allem bei Deutschen beliebte „Ballermann 6“ heißt nun ganz offiziell „Beach Club Six“.
Der vor allem bei Deutschen beliebte „Ballermann 6“ heißt nun ganz offiziell „Beach Club Six“.Foto: Patrick Schirmer/dpa

Immer voller, aber auch immer luxuriöser: Mallorca rüstet sich mit einer Qualitätsoffensive für ein neues Rekordjahr, in dem ein Urlauberzuwachs von zehn Prozent erwartet wird. Bereits 2016 war mit zehn Millionen ausländischen Gästen historisch – die meisten Besucher kamen aus der deutschsprachigen Welt. Selbst der üppige Anstieg der Hotelpreise schreckt offenbar nicht ab. Genauso wenig scheint die Touristensteuer, die seit dem vergangenen Sommer kassiert wird, zu stören. Die Insel profitiert zweifellos davon, dass sie in Zeiten wachsender Terrorangst als sicheres Ferienparadies gilt.

Immer mehr Fünf-Sterne-Hotels

Sicher, sauber, seriös. Die spanische Baleareninsel will den Boom nutzen, um endlich ihr Schmuddelimage abzuschütteln. Immer mehr Fünf-Sterne-Hotels machen auf. Sogar an der Playa de Palma, dem Epizentrum des deutschsprachigen Massen- und Partytourismus, wo lange Zeit Billigabsteigen dominierten, entstehen ständig neue Luxusherbergen. Drei Fünf-Sterne-Häuser sind dort jüngst eröffnet worden, ein viertes wird im Sommer fertig sein, ein fünftes ist in Planung. Zudem gibt es an der Playa de Palma inzwischen fast 50 Vier-Sterne-Bettenburgen.

Hat es sich im Ballermann-Viertel, wie die berühmteste Partyzone Mallorcas auch genannt wird, nun ausgeballert? Noch nicht, aber wenigstens soll es an der bisherigen Sauf- und Sündenmeile künftig braver zugehen. Die städtischen Ordnungshüter gehen zunehmend gegen „unbürgerliches Benehmen“ außerhalb der Bierterrassen, Discos und Nachtbars vor, die sich hier aneinanderreihen. Das beliebte Eimer-Saufen am Strand, bei dem ein kühles Sangria-Weingemisch mit Strohhalmen aus Kübeln getrunken wird, ist inzwischen verboten und wird mit Geldbußen bestraft.

Auch den schwarzen Schafen unter den Party-Gastronomen, von denen sich manche wenig um Sperrstunden, Lärmbelästigung und andere Auflagen kümmerten, geht es an den Kragen. Die Behörden sind entschlossen, an der Playa de Palma aufzuräumen. Dies ist spätestens klar, seit Bartolomé Cursach, der mutmaßliche „Pate“ des mallorquinischen Nachtlebens und einflussreicher Besitzer des riesigen Partytempels „Megapark“, wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung in U-Haft sitzt.

Augenfälliges Beispiel dafür, dass an der Partyhochburg neue Sitten einziehen, ist die Umgestaltung jener berühmten Strandbar, die diesem Vergnügungsviertel den Namen gab: Die früher ziemlich laute und schrille Schänke „Balneario 6“, die von der deutschen Trinkerszene zum „Ballermann“ umgetauft und zum Sinnbild der Saufexzesse wurde, gibt sich neuerdings ein edleres Image mit gediegenen Sitzmöbeln, matten Farben und entspannender Musik.

Der "Ballermann" wird umbenannt

Auch ein Markenwechsel soll den neuen Stil symbolisieren: Der „Ballermann“ heißt nun ganz offiziell „Beach Club Six“. Die neue Strand-Lounge erinnere jetzt eher an ein Reformhaus als an eine Kulttränke, lästerte die „Mallorca Zeitung“. „Sollten hier irgendwann wieder Exzesse stattfinden, müssen sich die Kunden ziemlich anstrengen.“ Zumal auch die Preise in diesem Beach-Klub recht edel sind und nicht zum Saufen einladen – ein kleines Bier kostet 3,45 Euro.

Doch dieses gehobene Ambiente ist genau das, was Gastronomen und Inselpolitiker anstreben. Mehr Klasse statt Masse. Lieber zivilisierte Gäste, die ein gepflegtes Bier trinken oder ein Gläschen Rotwein genießen, als öffentliche Massenbesäufnisse. Der Playa de Palma, die früher Negativschlagzeilen mit Sittenlosigkeit, Kleinkriminalität und Sexskandalen machte, sollen endlich Manieren beigebracht werden. „Touristen, die sich eine Woche lang betrinken wollen, brauchen wir nicht“, lautet die Parole von Palmas Bürgermeister José Hila.

Hinter der Imagekampagne steckt eine Gruppe von Tourismusunternehmen, welche die legendäre Strand- und Ausgehzone Mallorcas in eine goldene Meile namens „Palma Beach“ verwandeln wollen. „Wir wollen ein neues und nachhaltiges Tourismusmodell“, sagen die Manager, die von dem Gastronomen Juan Miguel Ferrer angeführt werden, „mit gutem Geschmack und anständigen Umgangsformen.“ Ferrer träumt davon, hier ein Reiseziel zu schaffen, das nicht nur im Sommer, sondern 365 Tage im Jahr attraktiv ist. Die Playa de Palma soll zu einer Art „Miami Beach“ Europas aufpoliert werden.

Ab diesem Sommer gibt es ein Touristenlimit

Mallorca als Ganzjahresziel, das ist auch die Zauberformel, auf die Tourismusminister Biel Barceló setzt, um zu verhindern, dass die Ferieninsel an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit stößt. „Im Sommer passen nicht mehr Menschen auf Mallorca.“ Barceló will weniger Tourismus in der Hochsaison, wo sich die Urlauber an Stränden oder in Palmas Altstadt drängeln, und wo die Einheimischen zunehmend gegen die „Überfüllung“ auf die Barrikaden gehen. Und stattdessen mehr Gäste in der Nebensaison, wenn die Insel mit niedrigeren Preisen und viel Ruhe lockt.

Als großer Schritt, um Mallorcas Boom in geordnete Bahnen zu leiten, gilt das Touristenlimit, das diesen Sommer eingeführt und über die Zahl der Gästebetten reguliert werden soll. Zu den knapp 400 000 offiziellen Hotelbetten gesellen sich derzeit mehr als 100 000 Betten privater Anbieter, die meist übers Internet ohne Behördenerlaubnis vermieten und künftig strenger kontrolliert werden sollen. Mehr Betten sollen auf keinen Fall genehmigt werden.

Wachsende Touristenphobie

Die Begrenzung der Urlauberzahl ist für viele Hoteliers der Schlüssel, um zu verhindern, dass die Insel kollabiert, die Stimmung umkippt und sich der Ferienboom in eine Krise verwandelt. Im vergangenen Sommer waren an Fassaden in der Inselhauptstadt Palma feindliche Parolen wie „Tourist, go home“ aufgetaucht. Seitdem ist die Stimmung weiter hochgekocht, auch weil der Touristenansturm die Immobilien- und Mietpreise explodieren lässt. Für die Einheimischen wird es immer schwerer, eine bezahlbare Unterkunft zu finden.

Die wachsende Tourismusphobie auf Mallorca müsse ernst genommen werden, sagt Gabriel Escarrer, Chef der großen Hotelkette Meliá. „Wenn wir nicht den Hotelsektor und den privaten Vermietungssektor regulieren, wird es mehr Probleme geben.“ Auch Miguel Fluxà Rosselló, Chef der Iberostar-Herbergen, warnt, die Wachstumsspirale nicht zu überdrehen: „Die touristische Übersättigung kann uns allen großen Schaden zufügen.“

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