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Frankreich : 17 Tote bei Überschwemmungen an der Côte d'Azur

Bei heftigen Regenfällen mit Sturmböen und Überschwemmungen sind in Südfrankreich mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen.

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Die Regenfälle waren so stark wie sonst in zwei Monaten.
Die Regenfälle waren so stark wie sonst in zwei Monaten.Foto: Reuters

Mindestens 17 Tote und vier Vermisste – das ist neben noch unübersehbaren Sachschäden die vorläufige Bilanz des schweren Unwetters, das am Samstagabend an der französischen Mittelmeerküste bei Nizza niederging. Heftige Regenfälle ließen in Orten wie Cannes, Mandelieu-la-Napoule oder Antibes das Wasser kleiner Flüsse rasend schnell über die Ufer steigen, Straßen überschwemmen und Keller und Tiefgaragen unter Wasser setzen. Autos wurden von den Fluten mitgerissen und in Wracks verwandelt, Bäume vom Sturm entwurzelt und auf Straßen geschleudert, Camping-Plätze überflutet.
Innerhalb kürzester Zeit fiel in Frankreich so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat Oktober, teilte Adolphe Colrat, der Präfekt des Departements Alpes-Maritimes am Sonntag mit, als der Himmel über der Côte-d’Azur wieder in seinem bekanntem Blau strahlte. Auch viele deutsche Touristen kommen gerne in diese Region, um ihre Ferien hier verbringen. Der französische Staatspräsident François Hollande begab sich am Sonntag in das Katastrophengebiet und versicherte die Betroffenen die „Solidarität der Nation“.
Wie es den Bewohnern der Region ergangen sein muss, lässt ein Bericht von France Oberlin erahnen, der Besitzerin einer völlig verwüsteten Erdgeschosswohnung eines Appartmenthauses in Mandelieu. „Ich sah, wie das Wasser immer höher gegen die Tür der Veranda schlug, bis die Scheiben zerbrachen“, sagte sie einem Fernsehreporter, „im nächsten Augenblick war das Wohnzimmer überschwemmt. Das Wasser stand mir bis zur Hüfte. Ich versuchte eine Tür zu öffnen, sie wurde vom Wasser zugedrückt. Ein Nachbar hat mich dann herausgeholt.“
So viel Glück wie sie hatten andere Bewohner nicht. In dem Ort Biot kamen drei Menschen ums Leben, als die Flutwelle die Wohnungen im Erdgeschoss überschwemmte. In Golf-Juan starben drei Menschen in einem Auto, als sie noch schnell einen überfluteten Straßentunnel durchqueren wollten. In Mandelieu bargen Feuerwehrleute am Sonntag sieben Menschen tot aus einer überschwemmten Tiefgarage. Sie hatten vermutlich ihre dort geparkten Autos vor den Fluten in Sicherheit bringen wollen. Auch Marc Moinet, Bewohner einer anderen Residenz, hatte noch sein Auto aus der Tiefgarage retten wollen, es dann aber aufgegeben, als das Wasser immer höher stieg. So berichtet er es. In einigen Tiefgaragen, die am Sonntag von der Feuerwehr durchsucht wurden, waren die Schlammmassen so dicht, dass die Suche zunächst ergebnislos blieb, wie Bürgermeister Henri Leroy berichtete.

22.000 Menschen ohne Strom

In Cannes starben zwei Menschen in einer überfluteten Straße, Autos wurden von der Uferstraße ins Meer geschwemmt, in Nizza wurden Bäume an der berühmten Promenade des Anglais umgerissen. Bei Antibes kam ein Mensch auf einem Campingplatz ums Leben. Durch Hubschraubereinsätze wurden in der Nacht andere Camper von den Dächern ihrer Wohnmobile gerettet. Die nahe Autobahn A 8 musste gesperrt werden, der Zugverkehr wurde eingestellt.
Die Behörden richteten Notunterkünfte für Menschen ein, deren Häuser unbewohnbar geworden waren. In Cannes versuchten Menschen, die nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren konnten, Zimmer in Hotels zu bekommen. Sie hatten doppeltes Pech. Alle Häuser der Stadt sind wegen einer Messe für Film- und Fernsehrechte ausgebucht. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens ist noch nicht abzusehen. Rund 22.000 Haushalte waren am Sonntag weiter ohne Strom. Auch am Flughafen von Nizza strandeten mehr als 500 Fluggäste.
Präsident Hollande versprach bei seinem Besuch, dass die Regierung für die Region der Zustand einer Naturkatastrophe erklären werde, damit den Bewohnern schnellsten mit der Auszahlung von Entschädigungen geholfen werden könne. Für die betroffenen Gemeinden soll ein Notfonds eingerichtet werden.
Herbststürme an der französischen Mittelmeerküste sind keine Seltenheit. Und die Katastrophe an der Côte d’Azur ist nicht die schwerste, die Südfrankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hat.1992 kamen bei einem Unwetter im Departement Vaucluse 46 Menschen ums Leben, von ihnen 37 allein in dem Ort Vaison-la-Romaine. 2010 starben im Departement Var 23 Menschen bei einem Unwetter. Im vergangenen Jahr forderten mehrere Herbststürme in der Region 17 Menschenleben.

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