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Gefrorene Seen : Schlittschuhläufer mit Lust an der Gefahr

03.02.2012 09:00 Uhrvon
Strömungen und Einleitungen sind eine große Gefahr für Schlittschuhläufer, die sich derzeit auf zugefrorene Seen wagen.Bild vergrößern
Strömungen und Einleitungen sind eine große Gefahr für Schlittschuhläufer, die sich derzeit auf zugefrorene Seen wagen. - Foto: dpa

Die Ersten wagen sich hinaus aufs Eis. Die Wasserschutzpolizei warnt eindringlich davor, verbieten kann sie es aber nicht.

Der Dauerfrost, der in den nächsten Tagen – vielleicht sogar Wochen – anhalten wird, lässt Flüsse und Seen schnell gefrieren. Doch die vermeintliche Idylle ist trügerisch. So warnen die Behörden dringend vor dem Betreten der Eisflächen. In Berlin bezahlte eine Frau in dieser Woche ihren Leichtsinn bereits mit dem Leben.

Als am Montag vor Konradshöhe eine ältere Frau einbrach, gerieten selbst die Retter in Gefahr, weil das Eis unter ihnen nachgab. Der Feuerwehr gelang es dennoch, das Opfer an Land zu bringen. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod feststellen. Mehr Glück hatten ebenfalls am Montag zwei Eissegler, die von einem Polizeihubschrauber per Seilwinde aus dem Stolzenhagener See in Brandenburg gerettet wurden.

Der Lietzensee unweit vom Berliner Funkturm zeigte gestern eine geschlossene, aber bucklige Eisfläche. Obwohl einige schneefreie Stellen nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck machten, drehte eine einsame Schlittschuhläuferin hier ihre Runde. In Spandau wagte sich gleich eine ganze Familie auf den Teich im Südpark. Die Sicherheit, in der sie sich angesichts der augenscheinlich dicken Eisschicht wähnte, war trügerisch. „Man kann die Gefahr nicht einschätzen“, sagt Hauptkommissar Bernd Schnitzlein von der Wasserschutzpolizei. Deshalb wird ebenso grundsätzlich wie dringend vom Betreten der Eisflächen abgeraten.

Der Augenschein trügt oft, weil das Wasser von oben nach unten gefriert. Deshalb sieht das Eis von oben stabil aus, obwohl es das noch nicht ist. Luftblasen in faulenden Gewässern und eingefrorene Gegenstände können die Tragfähigkeit des Eises zusätzlich beeinträchtigen, warnt Hauptkommissar Schnitzlein. Auch Angler bilden eine potentielle Gefahr. Sie sind zwar verpflichtet, die von ihnen ins Eis geschlagenen Löcher mit Stöcken zu markieren, doch nicht alle halten sich daran. So kann ein nur leicht überfrorenes Angelloch in einer geschlossen wirkenden Eisdecke zur tödlichen Falle werden.

Einleitungen von wärmeren Abwässern können ebenso dazu führen, dass das Eis an manchen Stellen dünner ist, sagt der Polizeiexperte. Viele der Kanäle, die in Flüssen und Seen enden, sind so alt, dass sie noch nicht einmal in Karten eingezeichnet sind. All das führt dazu, dass man nirgendwo von einer durchgehend einheitlichen Eisdecke ausgehen kann. Schnitzlein: „Wenn wir in einem Gewässer an drei Stellen die Eisdicke messen, erhalten wir drei unterschiedliche Werte.“ Und jeder einzelne See und jeder Fluss gefriert aufgrund seiner speziellen Eigenschaften in einem anderen Tempo.

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