• Gegen die Wahrscheinlichkeit: Narren des Zufalls - zweimal gleiche Lottozahlen in Israel

Gegen die Wahrscheinlichkeit : Narren des Zufalls - zweimal gleiche Lottozahlen in Israel

Wie wahrscheinlich ist es, dass man alle sechs Zahlen richtig ankreuzt? Wie wahrscheinlich ist es, dass die gleichen Lottozahlen innerhalb eines Monats gezogen werden? In Israel ist es passiert.

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Die spontane Reaktion ist bei vielen Leuten ähnlich: „Das war Manipulation, das ist doch gar nicht möglich.“ Es ist in der Tat schwer zu glauben, was da in Israel passiert ist. Dort wurden am Wochenende im Lotto die Gewinnzahlen 13, 14, 26, 32, 33 sowie 36 gezogen. Es sind exakt die gleichen Zahlen, die im Vormonat gezogen wurden.

Statistisch gesehen sei es so gut wie unmöglich, dass zweimal in so kurzer Zeit genau die gleichen sechs Gewinnzahlen gelost würden, berichtete das Onlineportal „ynet“. Die Lottogesellschaft glaubte daher auch erst an einen technischen Grund für das ungewöhnliche Ergebnis, stellte aber nach einer Überprüfung klar, dass die identische Auslosung reiner Zufall gewesen sei. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Ziehungen vom vergangenen Samstag und vom 21. September war die Zusatzzahl: Bei der Losung im vergangenen Monat wurde die 1 gezogen, am Samstag war es die 2. Während im September kein Lottospieler die Zahlenreihe getippt hatte, konnten sich nun drei Teilnehmer über einen Gewinn von umgerechnet rund 800 000 Euro freuen.

Das ist ein bisschen wenig für die Gewinner, die die aberwitzige Idee hatten, bei derart niedriger Wahrscheinlichkeit die gleichen Zahlen zu tippen. Eigentlich sollte man meinen, wer ein besonders hohes Wett- oder Spekulationsrisiko eingeht, müsste dafür eigentlich besonders belohnt werden. Aber vielleicht haben die Spieler gar nicht gewusst, welche Zahlen bei den letzten Ziehungen gewonnen haben, vielleicht haben sie ohne Sinn und Verstand rein zufällig die Zahlen aus dem Vormonat angekreuzt.

Der israelische Statistikprofessor Zvi Galula sagte dem Onlineportal „ynet“, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Lotto-Ergebnisses betrage 1 zu vier Billionen, als Zahl ausgeschrieben sieht das folgendermaßen aus: 4 000 000 000 000. Der israelische Lottoverband beteuerte, es sei alles mit rechten Dingen zugegangen. In der „Welt des Glücks“ sei eben alles möglich, hieß es in einer Mitteilung des Verbands.

Das Ereignis dürfte jene Lottospieler befeuern, die dauernd die gleichen Zahlen tippen. Irgendwelche geometrischen Formationen oder Geburtsdaten oder irgendwelche magischen Zahlenreihen. Das Ereignis beflügelt die Sehnsucht, alles sei möglich, dem Glück seien keine Grenzen gesetzt. Nicht ohne Grund setzten Wirtschaftszeitungen die Meldung sogleich auf die Online-Startseiten. Auch Börsenspekulanten oder Kleinanleger könnten beflügelt sein, alle Wahrscheinlichkeitsrechnung außer acht zu lassen und immer wieder alles auf die gleiche Karte zu setzen. Dieses Lottoereignis könnte den irrationalen Wunsch verstärken, bei wichtigen Entscheidungen den Verstand auszusetzen und das Glück herauszufordern. Es könnte zur mentalen Rechtfertigung herhalten, einen Fehler zweimal zu begehen, wenn man Recht behalten will.

Das Ereignis weist aber auch darauf hin, wie unberechenbar die Zukunft ist. Einer, der immer wieder auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht hat, ist der berühmte Mathematiker Benoit Mandelbrot. Er starb am Wochenende. Was für ein Zufall.

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