Gesundheit : Auf Galapagos ist eine seltene Baumart bedroht

Roland Knauer

"Darwin-Finken des Pflanzenreiches" werden die kleinen Scalesia-Bäume genannt, weil sie sich jeweils optimal an die Umweltbedingungen auf den verschiedenen Inseln des Galapagos-Archipels im tropischen Pazifik angepasst haben - genauso wie die Vögel jeweils ihren Schnabel nach der Form der vorherrschenden Nahrung auf dem Eiland variiert haben. Doch wird der Scalesia-Baum auf einer Insel ausgerottet, verschwindet damit gleich eine einmalige Art.

Und genau das droht Scalesia atractyloides auf der 585 Quadratkilometer großen Insel Santiago im Herzen des Archipels, weil zwischen achtzig- und hunderttausend Ziegen das Eiland kahl fressen. Gerade vier erwachsene Bäumchen hatten Wissenschaftler der Charles-Darwin-Forschungsstation auf den Galapagos-Inseln 1998 noch gefunden, die noch dazu zu zwei verschiedenen Unterarten an zwei Standorten gehören.

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) handelte sofort und finanzierte jeweils einen Zaun um die unmittelbar von der Ausrottung bedrohte Art. Ein wenig können die Artenschützer inzwischen aufatmen, eine genaue Inspektion des Eilandes förderte jetzt weitere Gruppen von Scalesia atractyloides zutage, es gibt wohl noch dreißig überlebende Bäumchen dieser Art. Zwar schützen Zäune die Pflanzen recht effektiv, auf Santiago hat die ZGF insgesamt 17 Hektar und damit 0,03 Prozent der Inselfläche einzäunen lassen. Damit bewahrt man die Hälfte der Pflanzenwelt auf der Insel vor dem Aussterben.

Langfristig überleben können solche Lebensräume aber nur, wenn die Ziegen wieder ausgerottet werden, die erst der Mensch auf die Inseln gebracht hat. Ohne natürliche Feinde vermehren sich nicht nur Ziegen, sondern auch die ebenfalls ausgewilderten Schweine und Esel ungehemmt. Deshalb hat die ZGF in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Mark in die Bekämpfung solcher Eindringlinge gesteckt. Durchaus erfolgreich, auf kleineren Inseln wurden Arten wie Ratten und Schweine bereits ausgerottet.

Auf den großen Inseln aber ist das schwierig, weil die Tiere sich immer wieder in abgelegene Flecken zurückziehen können. Das gilt zum Beispiel auch für die große Insel Floreana im Süden des vulkanischen Archipels, wo die ZGF die letzten Pflanzen der nur dort vorkommenden Leinpflanze Linum cratericola mit Zäunen vor dem Verbiss schützt. Auch diese Art war erst 1997 wieder entdeckt worden. Allen Bemühungen zum Trotz aber gab es bereits ein Jahr später von den ursprünglich dreißig entdeckten nur noch sechs dieser einmaligen Leinpflanzen. "Verschwindet eine solche Pflanze, ist sie für immer verloren - die heutigen Menschen haben damit alle nachfolgenden Generationen um einen Teil ihres Naturerbes beraubt.

Niemals kann man Scalesia atractyloides und Linum cratericola zurückholen", unterstreicht Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt die Bedeutung des Artenschutzes. Obendrein weiß niemand, welche anderen Arten von den Scalesia-Bäumchen oder vom Krater-Lein abhängen, die bei einer Ausrottung gleichfalls verschwinden würden. Eine Kettenreaktion von Artensterben könnte folgen, die heute noch niemand ahnt.

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