Gesundheit : Die Folgen bei schweren Täuschungen können sowohl für den Auftraggeber, wie auch für den Ghostwriter bitter sein

Tom Heithoff

"Strafrechtlich ist da nichts zu machen." Wie Hardy Grafunder von der Rechtsabteilung der FU erklärt, gibt es keinen Straftatbestand der Täuschung bei einer Prüfung. Das heißt, man kann den Delinquenten allein mit den Mitteln der Prüfungsordnung beikommen. Bei einer größeren Täuschung, Abschreiben in größerem Stil oder bei Nicht-Kenntlichmachung von Zitaten wird eine Prüfung kurz und schmerzlos mit "nicht bestanden" bewertet. Man sollte wissen, dass schon die Vorbereitung zur Täuschung genügt, eine Klausur mit "nicht bestanden" zu bewerten. Grafunder erinnert sich an eine Jura-Klausur, bei der es schon gereicht hatte, dass der Prüfling den Spickzettel nur bereitgelegt, aber noch nicht verwendet hatte.

Aber: "Wir haben noch keinen Titel aberkannt", sagt Grafunder. Das liege zum einen daran, dass bisher entweder keine schweren Fälle von Täuschung feststellbar waren. Zum anderen komme aber auch erschwerend hinzu, dass der Magister, das Diplom oder Staatsexamen berufsqualifizierende Abschlüsse sind. "Es wäre ein sehr schwerer Eingriff in die Berufsfreiheit, wenn ein solcher Abschluss entzogen würde." Da müsse sorgfältig abgewogen werden, ob die Wiederholung der Prüfung nicht ausreichend ist. "In eine Dissertation wurden mal kleinere Teile aus Magisterarbeiten eingearbeitet. Da es sich aber nur um Randthemen handelte, war das als minder schwerer Fall zu werten, so dass wir nur die Note herabgesetzt haben - aber das kann einer Unikarriere schon sehr schaden."

Nach der "Rechtsverordnung zur Führung akademischer Grade" kann ein akademischer Grad entzogen werden, wenn sich der Inhaber als "unwürdig" erweist. Was unwürdig ist, sei natürlich Auslegungssache. Kriminelle Handlungen außerhalb der Uni können zur Unwürdigkeit führen, aber auch schwerwiegende Täuschungen im Unibetrieb, so, wenn jemand den Großteil seiner Dissertation geklaut oder sich von einem Ghostwriter hat schreiben lassen. Wenn so etwas auffliegt, droht die Aberkennung des Titels, wobei man sich in Deutschland bei der Beurteilung solcher Fälle aber stets an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu halten hat. Ein mildes Vorgehen, das in den USA übrigens gar nicht verstanden wird. "Wenn dort einer abschreibt oder schreiben lässt, fliegt er von der Uni, und die Karriere ist vorbei", spitzt Grafunder das amerikanische Vorgehen zu.

Der Ghostwriter macht sich zwar auch nicht strafbar, doch unterstützt er durch seine Dienste die Täuschung. Und das kann ebenfalls unangenehme Konsequenzen haben. Wenn der Ghostwriter, der gegen Bezahlung eine Magisterarbeit anfertigt, nämlich selber Akademiker ist, "dürfte er sicherlich auch unwürdigÔ sein, einen akademischen Grad zu führen", so Grafunder. Ein gefährliches Spiel also, auch wenn man bisher "noch keinen erwischt" hat.

Wer glaubt, dass die Täuschung und die Unterstützung einer Täuschung folglich ein Kinderspiel sei, beweist nicht sehr große Weitsicht. Die Strafe muß nämlich gar nicht vom Gesetz kommen. Der Ghostwriter selber ist die Gefahr und kann zur strafenden Instanz werden. Wenn derjenige, dem einst geholfen wurde, nämlich Karriere macht, ist er lebenslang erpressbar. Man stelle sich nur vor, der erschwindelte Akademiker sitzt eines Tages in einem Ministersessel, und der Schreiber, der ihm die Voraussetzung für diese Karriere geliefert hat, erinnert ihn freundlich daran, indem er ein kleines Schweigegeld erbittet. Auch auf weniger hohen beruflichen Ebenen sind die beiden "lebenslänglich voneinander abhängig". Grafunder spricht von einer "Zeitbombe", die irgendwann hochgehen wird. "Und dann ist die ganze Karriere im Eimer."

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