Gesundheit : „Die Krise überwinden“

Botschafter setzen sich für die Berliner Slawistik ein

Amory Burchard

Dürfen sich diplomatische Vertreter in die Angelegenheiten einer Universität einmischen? Sie müssen, sagt Milovan Bozinovic, Botschafter der Republik Serbien und Montenegro. „Wir haben das Recht, unsere Besorgnis auszudrücken, wenn die Dinge nicht so gut laufen.“ Es geht um das Schicksal der Slawistik an der Humboldt-Universität und damit um Lehre und Forschung über die Sprachen und Kulturen der Völker Ost- und Südosteuropas. Drei von zehn Professuren sollen gestrichen werden, so sieht es der Strukturplan vor, den die Humboldt-Uni im Herbst 2003 unter dem Druck der Sparauflagen des Senats beschlossen hat. Am Osteuropa-Institut der Freien Universität wurde die Slawistik schon im Jahr 2002 abgewickelt.

Acht Botschafter setzten sich für die HU-Slawistik ein. Bei einer von Studenten organisierten Solidaritätsveranstaltung versprach der Vertreter Serbiens die Hilfe Belgrader Slawisten, „um die vorübergehende Krise zu überwinden“. Die Botschafterin Bulgariens, Meglena Plugtschieva, überbrachte im Senatssaal der HU sogar „die offizielle Zusage der bulgarischen Regierung, einen Lektor nach Berlin zu schicken“.

Drei Professuren: Das bedeutet in der Slawistik schon jetzt das Aus für zwei Sprachen, Bulgarisch und Slowakisch. Die Lehrstuhlinhaber wurden emeritiert, ihre Stellen nicht wieder besetzt. Gestrichen ist auch die C4-Professur für Polonistik: Heinrich Olschowsky wird in diesen Tagen emeritiert. Ersetzt werden soll Deutschlands renommiertester Polonist durch einen Juniorprofessor. HU-Vizepräsident Heinz-Elmar Tenorth verkündet das als Kompromiss-Angebot der Hochschulleitung, und verspricht, in der slawistischen Sprachausbildung „arbeitsfähige Strukturen“ zu erhalten. Zu einer Revision des Strukturplans werde es aber auf keinen Fall kommen.

Der polnische Botschafter, Andrzej Byrt, ist alarmiert von der „Schließung des seit 1841 bestehenden Lehrstuhls“, dessen Studentenzahl sich in den vergangenen zehn Jahren von 122 Studierenden auf 340 fast verdreifacht habe. Byrt vermisst eine „bildungspolitische Strategie“ in Berlin. Die Stadt müsse ihren Anspruch, Drehscheibe nach Osteuropa zu sein, erfüllen – notfalls mit Hilfe des Bundes. In seinem Land, „das viel ärmer ist als Deutschland“, werde die Germanistik an den Universitäten kontinuierlich ausgebaut, sagt Byrt.

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