Gesundheit : Lesben und Schwule erforschen Freie Universität gründet neues Zentrum

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Wie stark werden Lesben und Schwule heute noch diskriminiert – und wie äußert sich die Diskriminierung? Fragen wie diesen will sich jetzt ein neues Zentrum an der Freien Universität Berlin widmen. Es sei höchste Zeit, dass sich die Berliner Hochschulen endlich wissenschaftlich mit der Lebenssituation von Lesben und Schwulen befassten, sagt der Politikwissenschaftler Hans-Joachim Mengel, Gründer des „Center for the Study of Discrimination based on Sexual Orientation“. Denn trotz des Rufs der Stadt als weltweite Metropole für Lesben und Schwule werde das Thema Homosexualität an den Universitäten der Stadt immer noch „sträflich vernachlässigt“.

Tatsächlich steht Berlin – um 1900 mit dem sexualwissenschaftlichen Institut von Magnus Hirschfeld Vorreiter bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den verschiedenen sexuellen Identitäten – im internationalen Vergleich heute eher schwach da. Zwar hat sich in den letzten Jahres einiges bewegt, so wurde an der Humboldt-Universität das Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien gegründet. Doch eine Studie des Senats ergab vor kurzem, dass es an allen Hochschulen noch immer nur vereinzelt Arbeiten von Forschern oder Kurse für Studenten gibt, die sich mit schwullesbischem Leben beschäftigen. „Wir hängen gerade im Vergleich mit den großen amerikanischen Universitäten hinterher“, sagt Mengel. So seien an der Yale Law School Kurse zur Homosexualität eine Selbstverständlichkeit. An der New Yorker City-University gibt es sogar seit 15 Jahren ein großes interdisziplinäres „Center for Lesbian and Gay Studies“.

In Deutschland sei die Situation für Homosexuelle „relativ gut“, sagt Mengel. Das könne man allerdings für die wenigsten Länder sagen. So ist in 75 Staaten Homosexualität noch immer verboten, teilweise droht Lesben und Schwulen wegen ihrer sexuellen Orientierung immer noch die Todesstrafe. Gerade angesichts der „zunehmenden Aggressivität“ vieler Religionsgemeinschaften gegenüber Lesben und Schwulen sei es notwendig, „Rationalität in diese weltweite Wertediskussion einzubringen“. Im Zentrum der ersten Forschungsprojekte soll die Frage stehen, wie die Freiheit sexueller Orientierung völkerrechtlich als elementares Menschenrecht anerkannt werden kann. Die Seminare, die das Zentrum Studierenden anbietet, sollen allen Fachrichtungen offen stehen. tiw

Mehr Informationen im Internet:

www.csdso.org

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