Raum und Psyche : Schutzzonen für die Seele

Welche Bedeutung haben Räume für unsere seelische Gesundheit? Das will eine Tagung an der Charité herausfinden - unter anderem mit dem Philosophen Peter Sloterdijk und der Compagnie Sasha Waltz & Guests

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Bernhard Haslinger im Garten der Alten Nervenklinik der Charité
Bernhard Haslinger im Garten der Alten Nervenklinik der CharitéFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Links von Bernhard Haslinger steht sein Schreibtisch, mit Computer, Bücher, Notizzettel, Unterlagen, Telefon. Links stehen alle Symbole eines grauen Alltags.
Hinter ihm taucht man in die Idylle. Ein Blick durchs geöffnete Fenster genügt. Knorrige alte Bäume wurzeln auf einer satt grünen Wiese, Parkbänke stehen wie hingetupft, Vögelgezwitscher dringt ins Büro.
Haslinger sitzt an seinem kleinen, runden Besuchertisch, vor sich ein Mineralwasser, hinter sich die Idylle. Er dreht sich um, blickt zu den Bäumen, sein Blick wird für einen Moment verträumt. Dann sagt er: „Das alte Gebäude mit seinen Gärten ist für unsere Patienten optimal.“
Für Besucher sind die Bänke, Bäume und Vögel erstmal nur Teil des Gartens der Alten Nervenklinik der Charité. Für den Psychiater und Psychotherapeuten Haslinger sind sie wesentliche Bestandteile einer angemessenen Therapie. Hier können sich Patienten sicher vor inneren und äußeren Bedrohungen, eine Schutzzone für eine geschundene Seele. „Raum und Psyche“, das ist sein Thema. Für ihn kreist alles um die Frage: Welche Räume hält die Gesellschaft bereit? Um seelisch gesund zu bleiben oder um wieder gesund zu werden? Welche Bedeutung hat der Raum für die seelische Gesundheit?

Wie ist das Milieu der Klinik gestaltet? Vermittelt es Wärme?

Eine enorme, da er sich sicher, dieser schlanke Arzt, Leiter der Früherkennungs- und Therapiezentrums für beginnenden Psychosen an der Psychiatrischen Instituts-Ambulanz an der Charite, Campus Mitte. Aber wie sieht diese Bedeutung im Detail aus? Wie kann das therapeutische Milieu verbessert werden? Wo stößt dieser Versuch an Grenzen? Und wie kann man die überwinden?
Das sind die Fragen, die bei einem Symposium am 18. Juli in der Charité behandelt und im besten Fall auch beantwortet werden. Ein Gesundheitsökonom, eine Architektin, ein Historiker, aber auch der Philosoph Peter Sloterdijk gehören unter anderem zu den Experten. Bernhard Haslinger hatte die Idee zum Symposium, er hat das Konzept erarbeitet, er leitet die Organisation.
Jetzt sitzt er in seinem kleinen Büro, das man über verwinkelte Wege der Klinik für Psychiatrie erreicht, ein Mann mit weicher Stimme und wachen Augen, und erklärt erstmal grundsätzlich die Bedeutung des Raums für seine seelische Therapie. Und es geht ihm auch um die Frage, ob die Gesellschaft diese Bedeutung erkennt. „Kümmert sich die Gemeinschaft darum, dass für Menschen in seelischen Krisen bedürfnisgerecht gestalteter Raum zur Verfügung steht?“ Oder werden Patienten einfach weggesperrt? Aber viel bedeutsamer ist eine andere Frage, weil sie direkt ins Gefühlzentrum der Patienten führt: Wie ist das Milieu der Klinik gestaltet? Vermittelt es Wärme? Oder herrscht die kalte Atmosphäre eines nüchternen Verwahrraums, seelenlos, Produkt einer kostengünstigen Zweckarchitektur?

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