Gesundheit : Warum entsteht beim Fliegen Druck aufs Ohr?

Thomas de Padova

Unser Körper hält Druckunterschiede, wie sie beim Fliegen auftreten, normalerweise gut aus. Alle Hohlräume haben Verbindungen nach draußen, über die es einen ständigen Druckausgleich zwischen innen und außen gibt. Das gilt auch für den kleinen Hohlraum im Mittelohr. Er ist zwar zur einen Seite hin durch das Trommelfell luftdicht verschlossen. Doch innen führt ein enger Gang, die Eustachische Röhre, bis zum Rachen.

Diese Verbindung steht nicht immer offen. Sonst könnten Infektionskeime vom Mund aus zum Ohr wandern, außerdem würden wir immerzu unsere Atemgeräusche, unser eigenes Schlürfen und Schmatzen hören.

„Tagsüber öffnet sich die Eustachische Röhre ein Mal pro Minute, nachts alle vier Minuten“, sagt Wilhelm Welslau, Vizepräsident der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin. Wenn wir kauen, gähnen oder schlucken, werden kleine Muskeln im Gaumen aktiv: die Gaumensegelheber und -spanner. „Sie spreizen den Knorpel auf, der die Eustachische Röhre normalerweise geschlossen hält“, sagt Welslau.

Das Mittelohr braucht hin und wieder eine frische Brise, weil die Luft in dem Hohlraum nach und nach verschwindet. Unser Körpergewebe nimmt sie auf. Wenn nicht immer wieder frische Luft nachgeliefert wird, herrscht im Mittelohr bald ein Unterdruck. Das passiert etwa, wenn wir erkältet und die Schleimhäute im Nasen-Rachenraum geschwollen sind. Dann spannt sich das Trommelfell, wir hören schlechter.

Beim Fliegen sind Erkältungen besonders unangenehm. In der Startphase spüren wir zunächst einen Überdruck im Ohr, weil der Luftdruck in der Kabine sinkt: In Reisehöhe ist die Innenluft nur noch so dünn wie auf der Zugspitze. Der Überdruck kann aber vergleichsweise gut entweichen. Denn in diese Richtung öffnet sich der Verschluss der Eustachischen Röhre leicht.

Dagegen entsteht bei der Landung ein Unterdruck. Und der kann schmerzhaft sein, wenn alle Schotten dicht sind. Wer dann kein Nasenspray hat, wem weder Gähnen noch Kieferwackeln hilft, der kann versuchen, einen Druckausgleich wie beim Tauchen herbeizuführen: Er schließt den Mund, hält sich die Nase zu und presst die Atemluft gegen diesen Widerstand – hoffend, dass sich die Röhre wieder öffnet.

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