Gesundheit : Warum riecht Urin nach dem Spargelessen?

Thomas de Padova

Für jeden zweiten Spargelfreund hat das Essen ein unangenehmes Nachspiel: Spargel verändert den Geruch des Urins. Der Harn riecht intensiv nach dem Gemüse. Und wie so oft in solchen Fällen, entscheidet eine winzige biologische Besonderheit über die Zugehörigkeit zu den Riechern und Nicht-Riechern.

Ein Molekül macht den Unterschied: ein Enzym. Wir brauchen viele solche Enzyme, um unsere Nahrung verdauen. Aber wir sind nicht gleichermaßen mit diesen Biokatalysatoren ausgestattet, die die Verdauung ankurbeln.

Bei einem Teil der Menschheit zum Beispiel spaltet das Enzym „Lactase“ den Milchzucker in seine Bestandteile auf. Die meisten Nord- und Mitteleuropäer können daher auch als Erwachsene Milch gut vertragen. Doch was für sie bekömmlich ist, verdauen Chinesen oder Afrikaner nicht gut, denen das Enzym fehlt. Bei ihnen bleibt der Milchzucker unzerlegt, bindet Wasser und verursacht Durchfall und Blähungen. Ähnlich ist es mit dem Enzym „Alkoholdehydrogenase“, das den Alkohol abbaut: Da Japaner keinen solchen Biokatalysator haben, sind sie oft schon nach einem Glas Sekt high.

Auch Spargel rutscht nicht durch unseren Verdauungstrakt, ohne von diversen Enzymen bedrängt zu werden. Er gehört zu den Liliengewächsen, ist verwandt mit Zwiebel, Schnittlauch und Knoblauch und beinhaltet wie diese schwefelhaltige Stoffe, die so manche junge Pflanze vor Würmern schützen.

Unter diesen geruchsintensiven Stoffen spielt die Asparagussäure die entscheidende Rolle für den Gestank des Urins. Erst die Abbauprodukte dieser Säure verleihen den Ausscheidungen das unangenehme Aroma.

„Dass einige Menschen die Enzyme zur Verarbeitung der Asparagussäure haben und andere nicht, hat genetische Ursachen“, sagt Lars Christian Rump, Nierenspezialist am Marienhospital der Ruhr-Universität Bochum in Herne. Wem die Enzyme fehlen, der riecht auch nichts, denn er stellt die typischen Geruchsstoffe gar nicht erst her.

In Vorlesungen macht Rump dazu immer mal wieder Umfragen unter seinen Studenten. Das Ergebnis: „Etwa die Hälfte von ihnen produziert die Stoffwechselprodukte.“ Der anderen Hälfte dagegen ist der üble Geruch des Urins nach dem Spargelessen größtenteils völlig unbekannt.

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