Gesundheit : Warum sehen wir nur die Spitze des Eisbergs?

Thomas de Padova

Eisberge haben keinen Kontakt zum Meeresboden. Sie schwimmen. Allerdings ragt nur ein kleiner Teil ihres Volumens über die Meeresoberfläche hinaus, in der Regel knapp über zehn Prozent. Denn wegen seiner niedrigeren Dichte ist Eis zwar leichter als Wasser, aber der Unterschied ist gering.

Eis hat bemerkenswerte Eigenschaften. Normalerweise sind feste Körper dichter gepackt als eine Flüssigkeit derselben Substanz. Flüssiges Metall etwa nimmt mehr Raum ein als ein fester Metallblock der gleichen Menge. In einem Metallbad sinkt der Festkörper daher zu Boden.

Bei einem Eisklotz ist das anders. Wassermoleküle sind unsymmetrisch aufgebaut. Die elektrischen Ladungen sind so verteilt, dass die Moleküle einen vergleichsweise großen Abstand wahren, wenn sie sich zu einem Eiskristall aneinander lagern. Am dichtesten beisammen sind sie bei plus vier Grad Celsius, beim Erstarren wird das Volumen dagegen größer – weshalb man keine vollen Getränkeflaschen im Eisfach vergessen sollte. Sie könnten platzen.

Der Eiswürfel schwimmt im Wasserglas, Eisberge gucken sogar noch ein wenig höher aus dem Meer heraus. Der Dichteunterschied ist hier etwas größer. Das liegt daran, dass Meerwasser salzhaltig ist, während sich ein Eisberg aus Süßwasser bildet, nämlich aus Schnee.

„Eisberge entstehen, wenn sich in Grönland ein Gletscher aufs Meer vorschiebt und abbricht oder wenn sich in der Antarktis ein Stück vom Schelfeis löst“, sagt Christian Haas, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Solche antarktischen Tafeleisberge sind manchmal riesig. „Ihre Abrisskante kann bis zu 150 Kilometer lang sein.“

Bis sich ein Eisberg völlig auflöst, vergehen mitunter Jahrzehnte. Manche Eisberge brechen in dieser Zeit auseinander, erhalten unregelmäßige Formen mit weiteren Erhebungen, Spitzen, die unter der Meeresoberfläche verborgen sind. Auch der Schwerpunkt kann sich während des Schmelzens verschieben. Dann kippt der Eisberg und dreht sich um.

Für Schiffe sind treibende Eismassen bis heute gefährlich. Als die Exxon Valdez 1989 versuchte, einem Eisberg auszuweichen, lief sie vor Alaska auf ein Riff. 42 Millionen Liter Rohöl flossen ins Meer. Bei dem größten Tankerunglück in der Geschichte der USA kamen mehr als 250 000 Seevögel und Tausende Seeotter ums Leben.

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