Gesundheit : Warum wachsen Fußnägel langsam?

Thomas de Padova

Wer auf lackierte Fußnägel steht, der muss sie schon im Winter wachsen lassen, damit sie im Sommer schön lang sind. Denn mehr als ein Millimeter im Monat ist bei Fußnägeln nicht drin. Wenn überhaupt. Fingernägel dagegen wachsen drei- oder viermal so schnell.

Abgesehen davon, dass wir uns fürs Nägelschneiden nicht so oft bücken müssen, hat dies für die meisten von uns keine Konsequenzen. Doch für den belanglosen Unterschied gibt es einen gewichtigen Grund: die Schwerkraft. Die Anziehungskraft der Erde bremst das Fußnagelwachstum. Kein Scherz!

Der Mensch geht seit etwa fünf Millionen Jahren aufrecht. Seither macht ihm die Schwerkraft stärker zu schaffen als zuvor. Das Blut tendiert dazu, sich in den Beinen zu stauen. Schon beim morgendlichen Aufstehen sackt ein halber Liter Blut zusätzlich in die Beine. Die Muskeln in den Venenwänden müssen es ständig entgegen der Schwerkraft nach oben transportieren, damit es zum Herzen zurückfließen kann.

„An diese schwierige Durchblutungssituation ist der Mensch vermutlich noch nicht besonders gut angepasst“, sagt Hagen Tronnier, Leiter des Instituts für experimentelle Dermatologie der Universität Witten-Herdecke. Jedenfalls treten Durchblutungsstörungen und Krampfadern vor allem in den unteren Extremitäten auf. Insbesondere im Alter, wenn das Herz nicht mehr so leistungsfähig ist, staut sich Flüssigkeit in den Beinen.

„Die Durchblutung ist in den Fingern besser als in den Füßen“, sagt Tronnier. Der Fuß wird nicht so gut mit frischem Sauerstoff und Nährstoffen beliefert. Folglich wachsen in den Hautschichten unserer Zehen auch weniger Zellen nach, die verhornen, am Nagelbett anhaften können und dann kontinuierlich nach vorne geschoben werden. Bis zum Beispiel nach einem Unfall ein fehlender Fußnagel nachgewachsen ist, vergeht ein ganzes Jahr.

Wenn sich im Alter die Durchblutung verschlechtert, können wir das an den Fingernägeln erkennen: Sie sind längsgeriffelt, weil die vielen Zentren, die den Nagel bilden, nicht mehr gleichmäßig gut versorgt werden.

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