Gesundheit : Zum Forschen auf die Kanaren

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Von Frank Schubert

Wenn von den kanarischen Inseln die Rede ist, dann meist in Zusammenhang mit Badestränden, Ferienhotels und Urlaubsstimmung. Reisebüros werben mit Hochglanzbroschüren für Lang- oder Kurztrips nach Teneriffa und Gran Canaria, Kenner der Inselgruppe schwärmen von Landschaft, Wetter und Leuten und von den geradezu fantastischen Urlaubsbedingungen dort.

Nicht weniger intensiv, dafür aber ganz anders beschäftigen sich die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) mit den Kanaren. Im Rahmen des „Proyecto Humboldt" - ein Kooperationsprojekt zwischen dem MPIWG und der Kanarischen Stiftung für Wissenschaftsgeschichte La Orotava - begeben sie sich in die Fußstapfen ehemaliger Forschungsreisender. Ziel des Projektes ist es, die Reiseberichte dieser Forscher in einer digitalen Bibliothek zusammenzuführen und im Internet frei zur Verfügung zu stellen.

Unter den Forschern, die im 18. und 19. Jahrhundert auf die Kanaren reisten, fanden sich die bedeutendsten Vertreter der geistigen Elite. Alexander von Humboldt ging hier 1799 naturwissenschaftlichen, geografischen und kulturellen Studien nach, Leopold von Buch beschäftigte sich 1815 mit der Vulkanologie und der Geologie der Inselgruppe, Ernst Haeckel forschte hier 1866 auf dem Gebiet der Anthropologie. Auch französische und englische Forscher kamen - wie etwa André Pierre Ledru oder Sabine Berthelot. Zwischen 1770 und 1830 trafen etwa dreißig wissenschaftliche Expeditionen auf den Kanaren ein.

Für die Forschungsreisenden boten die Inseln ideale Voraussetzungen für biologische, geologische und klimatische Forschungen. „Auf Teneriffa beispielsweise liegen mehrere Klimazonen dicht nebeneinander - für klimatische Untersuchungen eine hervorragende Konstellation", erläutert Markus Schnöpf, Mitarbeiter am MPIWG. Der vulkanische Ursprung des Archipels bietet viele Ansatzpunkte für geologische Forschungen. Auch in historischer Hinsicht sind die Kanaren interessant: Bis zur Eroberung durch die spanischen Konquistadoren im Jahre 1480 lebten hier mehrere Jahrtausende lang die Guanchen - Ureinwohner nordafrikanischer Herkunft, die zahlreiche Artefakte und Kunstgegenstände hinterließen.

„Die Publikationen, in denen die Forschungsreisenden ihre Eindrücke und Ergebnisse niederschrieben, sind heute über ganz Europa verstreut", sagt Schnöpf. „Wir wollen möglichst viele dieser Quellen in einer digitalen Bibliothek zusammenführen und verfügbar machen". Dabei sollen ab September nicht nur die Texte, sondern das originale Druckbild einschließlich Zeichnungen und Abbildungen ins Internet gestellt werden. Gleichzeitig werden Verknüpfungen zu Wörterbüchern angeboten, um die englischen, französischen und spanischen Originaltexte für jedermann lesbar zu machen.

Professor Jürgen Renn, Direktor am MPIWG, weist auf die übergreifende Bedeutung des Proyecto Humboldt hin. „Dieses Projekt ist beispielhaft für die ECHO-Initiative, die von Max-Planck-Instituten in Rom, in Nijmegen und in Berlin ins Leben gerufen wurde", erläutert er. ECHO steht dabei für „European Cultural Heritage Online". Ziel der Initiative ist es, das europäische Kulturerbe online verfügbar zu machen. Ein herausragender Modellfall ist die elektronische Keilschrift-Bibliothek, an der das MPIWG beteiligt ist. Hier werden originalgetreue Abbildungen altorientalischer Keilschrifttexte in einer Internet-Bibliothek zusammengeführt (der Tagesspiegel berichtete).

Homepage des MPIWG: www.mpiwg-berlin.mpg.de

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