• Getreidespekulation und Steuerhinterziehung: Forscher: Shakespeare war ein Gauner

Getreidespekulation und Steuerhinterziehung : Forscher: Shakespeare war ein Gauner

Der Dramatiker wurde reich, weil er Getreide hortete und mit hohem Spekulationsgewinn verkaufte. Das sagen Forscher um Jayne Elisabeth Archer von der Aberystwyth-Universität. Außerdem soll er Steuern hinterzogen haben.

von
William Shakespeare, hier ein Bildnis aus der Zeit um 1610, der Maler ist unbekannt.
William Shakespeare, hier ein Bildnis aus der Zeit um 1610, der Maler ist unbekannt.Foto: picture-alliance/ dpa

Er wurde in einfache Verhältnisse hineingeboren und schaffte es dennoch, als einer der größten Dramatiker der Welt in die Geschichte einzugehen: William Shakespeare. Doch das Bild vom ehrbaren Genie bröckelt. Walisische Wissenschaftler wollen jetzt herausgefunden haben, dass Shakespeare neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller in illegale Aktivitäten verstrickt war und so zu einem ungeahnt großen Vermögen kam.

In Zeiten der Hungersnot soll er Lebensmittel gehortet und sie dann zu überhöhten Preisen wieder verkauft haben. Auch Steuerhinterziehung und Kreditgeschäfte legen ihm die Forscher von der Aberystwyth-Universität zur Last. „Er war ein skrupelloser Geschäftsmann, der alles tat, um seine Profite auf Kosten anderer zu maximieren“, sagte die Forscherin Jayne Elisabeth Archer der Zeitung „The Sunday Times“.

Shakespeare habe die Armen ausgebeutet, während er Stücke über ihre Misere schrieb, um sie zu unterhalten. Doch diese Erkenntnisse wollen nicht so recht mit Shakespeares Image als brillantem Schriftsteller zusammenpassen. In der Studie schreiben Archer und ihre Kollegen Howard Thomas und Richard Marggraf Turley, dass Shakespeares illegale Aktivitäten absichtlich aus den historischen Auszeichnungen herausredigiert worden seien, um ihn weiterhin als geniales Genie dastehen zu lassen. Man könne Shakespeare jedoch nicht völlig verstehen, ohne auch seinen oft übersehenen Geschäftssinn unter die Lupe zu nehmen.

Die Forscher hatten sich auf der Suche nach Details über Shakespeares Doppelleben durch zahlreiche historische Archive gegraben. Dabei stießen sie auch auf Belege dafür, dass der Dramatiker durch seine zwielichtigen Aktivitäten Probleme mit der Justiz bekam.

Shakespeare musste mehrmals vor Gericht erscheinen und wurde für seinen illegalen Vorrat an Lebensmitteln zu Geldstrafen verurteilt. Wegen Steuerhinterziehung drohte ihm zeitweise sogar eine Gefängnisstrafe. Insgesamt 15 Jahre lang, so die Erkenntnis der Forscher, habe Shakespeare Getreide, Hopfen und Gerste, zu überteuerten Preisen an Nachbarn und Händler in der Region verkauft. Die Gewinne seien größtenteils in den Kauf von Ländereien geflossen.

Trotzdem sollte man nicht zu hart über den Schriftsteller urteilen. Wie Archer und ihre Kollegen schreiben, hatten Schriftsteller zu Shakespeares Zeiten mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. „Ich glaube, wir sehen Schriftsteller und Künstler heutzutage als Menschen, die von den Alltagssorgen ihrer Mitmenschen losgelöst sind. Doch für viele war Hunger ein großes Problem“, schrieb Archer. Shakespeare habe Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts gelebt – einer Periode, die als „Kleine Eiszeit“ bekannt war.

Kälte und starker Regen führten zu schlechten Ernteerträgen und Hungersnöten. Auch Shakespeare habe immer unter der Unsicherheit gelitten, ob seine Stücke zukünftig genug Geld einbringen würden. „Das trieb ihn dazu, Steuern zu hinterziehen, illegal Essen zu hamstern und sich als Geldverleiher zu betätigen.“

Seine illegalen Aktivitäten werfen auch ein neues Licht auf einige von Shakespeares Stücken. So geht es in der Tragödie „Coriolanus“, die er im Jahr 1607 geschrieben haben soll, um eine Hungersnot im alten Rom. Während dieser hortete die herrschende Schicht Getreide, während das Volk nichts zu essen hatte. Die anschließenden Proteste können als Spiegelbild realer Unruhen gesehen werden, die sich zu dieser Zeit in England ereigneten.

Ob seine Zuschauer wussten, dass sich Shakespeares Tun kaum von dem der Bösewichte in seinem Stück unterschied, ist unklar. Sicher ist jedoch, dass er seinen Machenschaften einen Großteil seines Vermögens verdankte.

Seine Profite reichten trotz einiger Strafzahlungen wegen Steuerhinterziehung und illegalen Hortens aus, sich nach nur 24 Jahren aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. In der Studie heißt es: „Indem er legale und illegale Aktivitäten kombinierte, konnte sich Shakespeare im Jahr 1613 als größter Landbesitzer seiner Heimatstadt Stratford-upon-Avon zur Ruhe setzen.“ Doch lange durfte er seinen Wohlstand nicht genießen – drei Jahre später verstarb Shakespeare.

Autor

16 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben