Gewalt gegen Frauen : Immer mehr Genitalverstümmlungen in Deutschland

Fast 10.000 Mädchen in Deutschland sind "Terre des femmes" zufolge von der Beschneidung bedroht.

In einigen afrikanischen Ländern ist normal, dass Mädchen beschnitten werden. So sind fast 90 Prozent der eritreischen Frauen verstümmelt.
In einigen afrikanischen Ländern ist normal, dass Mädchen beschnitten werden. So sind fast 90 Prozent der eritreischen Frauen...Foto: REUTERS

In Deutschland werden immer mehr Frauen und Mädchen nach Angaben der Hilfsorganisation „Terre des Femmes“ Opfer von Genitalverstümmlungen. Die Zahl der Betroffenen und Gefährdeten steige hierzulande drastisch an, teilte die Menschenrechtsorganisation am Montag in Berlin mit.

Derzeit gebe es über 48.000 von Genitalverstümmlung betroffene Frauen sowie mehr als 9.300 gefährdete Mädchen in der Bundesrepublik. Im Vergleich zu 2014 sei das ein Anstieg um 37 Prozent bei den Betroffenen und um 57 Prozent bei den Gefährdeten, rechnete „Terre des Femmes“ vor. Zurückzuführen sei das vor allem auf verstärkte Migration aus Ländern wie Eritrea oder Somalia, wo weibliche Genitalverstümmlung besonders häufig vorkomme. In Eritrea seien 89 Prozent aller Frauen davon betroffen, in Somalia 98 Prozent.

Weibliche Genitalverstümmelung sei eine schwere Menschenrechtsverletzung mit lebenslanger Auswirkung. Umso wichtiger sei die Aufklärungsarbeit auch in Deutschland, hieß es. Mit der Schulung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zu sozialen, gesundheitlichen, kulturellen, religiösen und rechtlichen Dimensionen von weiblicher Genitalverstümmelung versuche „Terre des Femmes“ die afrikanischen Gemeinschaften hierzulande für das Thema zu sensibilisieren.

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Umfrage zum Beschneidungsurteil
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„Traditionelle Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung sind ein Tabu in unserer Gesellschaft, auch in den afrikanischen Communities hier in Deutschland“, betonte die Aktivistin und Musikerin Fatou Mandiang Diatta („Sister Fa“). Sie fügte hinzu: „Wenn wir nun den verstärkten Zuzug aus praktizierenden Ländern betrachten, ist es umso wichtiger, in genau diese Communities zu gehen und dort Aufklärungsarbeit zu leisten.“ (epd)

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