Greifswald : Wenn die Fußmatte zum Wahlhindernis wird

Eine Fußmatte verhindert, dass Greifswalds neuer Bürgermeister sein Amt antreten kann. Jetzt hat das Landesmuseum den Abtreter in seine Sammlung aufgenommen.

Matthias Hufmann
Historisch wertvoll: Die Fußmatte befindet sich jetzt im Depot des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald.
Historisch wertvoll: Die Fußmatte befindet sich jetzt im Depot des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald.Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Diese Matte schreibt Stadtgeschichte. Jahrelang lag sie unbeachtet vor der Tür einer Begegnungsstätte. Verschlissen und ein bisschen verstaubt. Und jetzt soll sie gleich eine ganze Wahl entschieden haben. Jedenfalls ist die Fußmatte der Grund dafür, dass der im Mai gewählte Oberbürgermeister, Stefan Fassbinder von den Grünen, auch fast vier Monate später sein Amt immer noch nicht antreten kann. Weil der Abtreter nicht das tat, was er sollte.

Was ist geschehen? Am 10. Mai hatte sich Fassbinder bei der Stichwahl durchgesetzt, mit 15 Stimmen Vorsprung auf den Favoriten, Jörg Hochheim, den CDU-Kandidaten in der CDU-Hochburg. Seit der Wiedervereinigung hatten die Christdemokraten alle Wahlen in Greifswald gewonnen. Und nun das. Der grüne Überraschungssieger sollte am 27. Juli loslegen.

Abtreter verrutscht

Aber er durfte nicht. Denn es liegen drei Einsprüche gegen die Wahl vor, darunter von Hochheim selbst. Am Wahlsonntag soll ein Abstimmungslokal für etwa 90 Minuten nur schwer zu erreichen gewesen sein, weil eben eine Fußmatte verrutscht war und eine Tür nicht offen hielt. Sie fiel deshalb ins Schloss.

Es gab zwar an anderer Stelle noch einen zweiten Zugang zum Wahllokal, aber, so der Verdacht: Vielleicht hat die CDU genau hier ihre fehlenden Stimmen verloren, weil Bürger unverrichteter Dinge nach Hause gegangen sind. Ist womöglich der Wahlausgang beeinflusst worden? Oder handelt es sich bei der Anfechtung der Wahl um den verzweifelten Versuch der CDU, irgendwie an der Macht zu bleiben? Auf Facebook wird immer noch fleißig kommentiert.

"Ein tolles Exponat"

Der Fußabstreifer wird zum Museumsstück. „Die Matte haben wir im Juli abgeholt“, bestätigt Jenni Klingenberg, die Sprecherin des Landesmuseums. Der Abtreter sei das erste Stück aus einem Wahlkampf in der Sammlung des Museums. „Die Matte hat uns kein Geld gekostet. Wir haben einen Tausch vorgenommen und der Begegnungsstätte eine neue geschenkt.“ Das besondere Stück werde vorerst wohl im Depot landen. Falls es aber irgendwann etwas Stadtgeschichtliches zu Greifswald geben sollte, hätte das Museum „ein tolles Exponat“. Wer würde schon vermuten, dass eine Fußmatte eine OB-Wahl in die Länge ziehen könnte?

Und weiter zieht. Ja, stellte der Wahlprüfungsausschuss gerade fest, es hat einen Wahlfehler gegeben. Allerdings sei dieser nach mehrheitlicher Einschätzung nicht erheblich gewesen für den Ausgang der Abstimmung. Der Ausschuss will der Bürgerschaft jetzt vorschlagen, die Einsprüche gegen die Wahl auf der Sitzung am 28. September zurückzuweisen.

Ganz sicher scheint man sich aber doch nicht zu sein. Das Innenministerium in Schwerin soll noch einmal befragt werden. Der designierte Oberbürgermeister kann die Fußmatte übrigens jederzeit anschauen. Fassbinder ist Historiker und arbeitet im – Landesmuseum.

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