Hitze und Gewitter : Tage der Abkühlung in Deutschland

Es war das heißeste Wochenende des Jahres, dann haben Gewitter die Hitze in weiten Teilen Deutschlands gestoppt – vorübergehend. Schon sehr bald könnten die Temperaturen aber wieder steigen.

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Eine Frau läuft in strömendem Regen in Hannover über die Straße.
Eine Frau läuft in strömendem Regen in Hannover über die Straße.Foto: dpa

Millionen Menschen bevölkerten am Wochenende Freibäder, Seeufer und Küsten Deutschlands. Es war das heißeste Wochenende des Jahres. Die Küste sei „rauf und runter voll“, sagte am Sonntag Olaf Dose-Miekley, Tourismusdirektor vom Ostseebad Grömitz. „Alle Strandkörbe sind belegt und das Wasser voll mit Badenden und Wassersportlern.“ Vor manchen Bädern standen die Menschen am Sonntag schon um 8 Uhr morgens Schlange, wie zum Beispiel am Stadion-Bad in Frankfurt am Main.

Es war das heißeste Wochenende des Jahres in Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte mit, dass am Sonnabend im südbadischen Rheinfelden an der Grenze zur Schweiz mit 38,6 Grad die höchste Tagestemperatur in ganz Europa gemessen worden sei. Bei verbreitet mehr als 30 oder sogar 35 Grad schwitzten und ächzten die Menschen im Süden und Osten der Republik auch am Sonntag. Der höchste Wert wurde im bayerischen Schwandorf mit 37,6 Grad gemessen. Für Berlin wäre der Rekord bei 37,8 Grad an der amtlichen Referenzstation Dahlem gebrochen worden, erreicht wurden dort aber nur 34,5 Grad, während es im Südosten der Stadt immerhin 0,4 Grad wärmer war. Für Brandenburg lag der Spitzenwert bei 35,3 Grad in Cottbus, hieß es bei der Berliner Wetteragentur MeteoGroup.

In Ludwigsburg gab es Gewitter mit dramatischen Blitzen.
In Ludwigsburg gab es Gewitter mit dramatischen Blitzen.Foto: dpa

Erste heftige Gewitter hatte es am Sonnabend bereits im Südwesten des Landes sowie im Norden Brandenburgs und in Mecklenburg-Vorpommern gegeben, teilte Norbert Becker-Flügel von MeteoGroup mit. Auch in Nordrhein-Westfalen blitzte und donnerte es am Samstagmittag und -nachmittag. Vielerorts ging heftiger Platzregen nieder – in Aachen etwa wurden Straßen überschwemmt, in einem Park in Gütersloh begruben Teile der Baumkrone, die herunterfielen, eine 69-Jährige, die Regenschutz gesucht hatte. In Niedersachsen regnete es kurz und kräftig, mit starken Böen. Auch in Schleswig-Holstein gab es Unwetter. Bereits am Freitag hatten Hagelkörner so groß wie Golfbälle in Baden-Württemberg (Enzkreis) Autos verbeult und Häuser beschädigt. Auch zwischen Münster und Bielefeld oder im Raum Hannover gab es dicken Hagel.

Spaß am Wasser.
Spaß am Wasser.Foto: dpa

Ein Grund, warum es am Sonntag nicht in dem vorhergesagten Maße zu neuen Temperaturrekorden gekommen ist, waren Wolken am Vormittag, die in Brandenburg und Bayern die Sonnenstrahlung gebremst haben. Zudem ist die Hitze schneller Richtung Osten gewandert, als zuvor prognostiziert worden war.

Hitze verformte Gleise

Die Waldbrandgefahr war bis zuletzt immer weiter gestiegen. Ein wahrscheinlich von einem Blitz ausgelöstes Feuer in einem Bergwald in Bayern – am Thumsee bei Bad Reichenhall – hielt die Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag in Atem. Erst am Morgen bekam sie den Brand mithilfe von drei Löschhubschraubern in den Griff. Eine Fläche von etwa 25 Hektar war betroffen. Wegen der schwierigen Lage des Brandorts an einem Steilhang rief das Landratsamt Berchtesgadener Land am Sonntagmittag Katastrophenalarm aus. Verletzt wurde niemand.

Der Wasserdruck in den Leitungen nimmt ab

Auf einer S-Bahn-Strecke im Osten von München verformte die Hitze am Sonntag die Gleise. Ein Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt sei nicht mehr möglich, teilte die Bahn mit. Eine derartige Verformung komme äußerst selten vor. Die Gewitter bringen zunächst willkommene Abkühlung. Aber sie wird wahrscheinlich nur kurz wirken. Vor allem wird die Abkühlung nicht ausreichend sein. Während der Hitze vor dem vergangenen Freitag war die Luft trocken. Deshalb war das Klima erträglich. Jetzt wird es zwar kühler, dafür ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Das macht das Klima trotz Abkühlung unerträglich.

Spätestens am nächsten Wochenende wird es in Berlin und Brandenburg zusätzlich wieder richtig heiß sein. In anderen Teilen Deutschlands wird es bereits am Mittwoch wieder heiß sein.

Noch ist es in Deutschland nicht wie in Bulgarien: Dort erließ die Regierung ein Lkw-Fahrverbot, damit die Brummis nicht den aufgeweichten Asphalt noch mehr beschädigen. In vielen großen Städten stellten die Behörden Tankwagen mit Trinkwasser zur Verfügung, um die Bevölkerung ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Allerdings kann es auch in Deutschland durchaus zu einem geringeren Wasserdruck in den Leitungen kommen. Die Versorgung ist aber nicht gefährdet, wie die Versorger erklären. (mit dpa)

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