Hochwasser : Deggendorf versinkt in den Fluten

Im bayerischen Deggendorf bietet sich dem Betrachter ein Bild der Zerstörung: Teilweise schauen nur noch die Dächer aus den Fluten, auch die Autobahn steht nach zwei Dammbrüchen unter Wasser. Der Schaden durch das Hochwasser ist immens.

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Verlassene Lastwagen stehen auf der Autobahn bei Deggendorf unter Wasser.
Verlassene Lastwagen stehen auf der Autobahn bei Deggendorf unter Wasser.Foto: Christof Stache/AFP

Dass es eine Autobahn gibt oder Deggendorf einen Hafen an der Donau hat, das lassen die Bilder aus der Luft nicht erahnen. Denn man sieht nur eines: braune Wassermassen überall. Alles andere scheint versunken – Straßen, Häuser, Autos. Gestern hat die Hochwasserlage in der niederbayerischen Stadt und in deren Umkreis einen neuen Höhepunkt erreicht. Deggendorf war am Donnerstag am schlimmsten vom Hochwasser betroffen. Für die kommenden zwei Tage erwartet die Stadtverwaltung, dass der Donaupegel in etwa bei dem jetzigen Stand von acht Metern bleibt. Die Situation entspannt sich demnach nicht.

Mittlerweile mussten drei Dutzend Orte und Stadtteile evakuiert werden, 6500 Menschen sind davon betroffen. Sie sind meist zu Verwandten und Bekannten gezogen, nicht sehr viele nehmen die Übernachtungsplätze in öffentlichen Notunterkünften in Anspruch.

„Kein Mensch ist mehr drin, es ist alles leer“, sagt etwa Josef Kreza, Einwohner im Deggendorfer Stadtteil Natternberg, der noch in der Nacht evakuiert worden war. Eine Frau aus Deggendorf erzählt von der Nachbarin mit eineinhalb Jahre alter Tochter: „Ich habe ihr noch beim Autopacken geholfen. Nur das Nötigste. Dann ist sie abgefahren und ich auch.“

"Wir haben 36 Stunden durchgearbeitet"

Hochwasser in Deutschland
Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).Weitere Bilder anzeigen
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27.06.2013 21:23Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).

Die Helfer vom Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk (THW) und der Feuerwehr versuchen, die Dämme zu sichern, retten Menschen aus überfluteten Häusern, leisten Versorgung mit Booten. „Wir haben 36 Stunden durchgearbeitet und Sandsäcke abgefüllt“, sagt etwa Friedhelm Bechtel von der Augsburger Berufsfeuerwehr. Seine Kollegen waren von Deggendorf zur Nothilfe angefordert worden. Am Volksfestplatz in Deggendorf sind Hubschrauber der Feuerwehr stationiert.

Der Landkreis Deggendorf aus der Luft:

Immer wieder fliegen sie zum Einsatz, um noch verbliebene Menschen aus ihren überschwemmten Häusern zu retten. Da zwei Autobahnen gesperrt sind, an denen jetzt das totale Verkehrschaos herrscht, ist Deggendorf fast abgeschlossen von der Außenwelt. Von Westen her gelangt man nicht in die Stadt, die das Tor zum Bayerischen Wald ist.

Vielmehr muss man auf Sträßchen um die ganze Region herumfahren, dann gelangt man von Osten vom Wald her in die Stadt hinein. Lediglich die „Waldbahn“ organisiert zusätzliche Zugverbindungen zwischen Deggendorf und Plattling.

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