Update

Hochwassernotfahrplan der Deutschen Bahn : Galgenhumor im Zug nach Frankfurt

Nach der Flut hat die Deutsche Bahn einen Hochwassernotfallplan eingerichtet, der ab sofort gültig ist. Allerdings können sich die Passagiere, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, auf einige neue Erlebnisse gefasst machen.

von
Der Deutschen Bahn wird nachgesagt, dass sie immer mit Verspätung kommt und fährt.
Der Deutschen Bahn wird nachgesagt, dass sie immer mit Verspätung kommt und fährt.Foto: dpa

Ab heute soll der Hochwassernotfahrplan der Deutschen Bahn gelten. Man soll sich im Internet informieren. Am Donnerstag Abend gibt es widersprüchliche Angaben im Internet zur Abfahrt des Sprinters nach Frankfurt. Er fährt 6.08 Uhr nach Plan, alle Züge danach angeblich eine Stunde früher. Was nun stimmt, kann der freundliche Herr an der Hotline auch nicht erklären. Zwischen 0.00 Uhr und 4.00 Uhr einfach mal ins Internet schauen! Also entscheiden wir uns für die frühe Abfahrt, rufen um 4 Uhr noch mal bei der Hotline an und erfahren, dass wir um 5.03 Uhr abfahren.

Am Hauptbahnhof suchen wir den Zug vergeblich, finden ihn dann auf 4.57 Uhr auf Gleis 8. Es wird 5 Uhr, es wird 5.15 Uhr. Dann kommt die erste Durchsage, dass der Zug 25 Minuten Verspätung hat. Solidarität auf dem Bahnsteig, die Crew ist auch nicht amüsiert. Dann verschwindet der Zug von der Anzeigetafel. Kurze Zeit später eine neue Durchsage, dass der Zug nun planmäßig um 6.08 Uhr abfahre, allerdings von Gleis 3. Dankbar für diese Abwechslung schleppen wir unser Koffer rauf und wieder runter zu Gleis 3. Da steht der Sprinter. Natürlich hat der jetzt wieder 60 Minuten längere Fahrzeit wegen der Umleitung über Erfurt. Dass die Sitzplatzreservierung nicht stimmt, wundert niemanden mehr.

Vertrauensbildende Maßnahmen und alles wird gut

Wir sind das Volk und setzen uns hin, wo es uns gefällt. Der Schaffner verteilt als vertrauensbildende Maßnahme zuerst die abgestempelten Erstattungsbögen. 25 Prozent sind uns schon sicher. Ganz deutlich erklärt uns die Zugführerin über Lautsprecher, dass uns nach internationalem Recht 25 Prozent zustehen. Erst dann werden die Fahrkarten abgeknipst. "Souverän und ohne weitere Papiere, bloß jetzt keine schlechte Stimmung im Zug", scheint die kluge Devise zu sein. Später verteilt die Mannschaft Mineralwasser - kostenlos. Die Sonne scheint. Alles wird gut.

Um 11.00 Uhr sind wir in Frankfurt. Dann ist der Anschluss weg und die Verspätung nähert sich dann insgesamt der 50 Prozent Grenze. Um 9.30 Uhr bleibt der Zug plötzlich stehen. Die Strecke ist nicht frei. Na ja, wenn ein Zug, der um 5.00 Uhr fahren soll, dann doch um 6.00 Uhr fährt und dann einer nicht aufgepasst hat, kann so etwas schon einmal passieren. Galgenhumor. Dann unsere fürsorgliche Zugführerin über Lautsprecher: "Meine Damen und Herren, sie werden es nicht glauben. Wir können nicht weiterfahren, weil der Fahrdienstleiter seine gesetzliche Sicherheitspause nehmen muss. Die Weiterfahrt ist für 10.38 Uhr angesetzt." Ein Aufschrei geht durch den Zug. Fassungslosigkeit. Um 9.45 Uhr setzt sich der Zug dann doch in Bewegung, was die Zugführerin mit einer gewissen Zufriedenheit in der Stimme vermeldet. Man ahnt, welch netter Funkverkehr sich da abgespielt haben muss. Unsere Verspätung betragt jetzt 80 Minuten. Bis Frankfurt! Aber das ist noch nicht alles.

Kapitulation in Bad Kreuznach

Das Drama Deutsche Bahn geht weiter. Mit zwei Stunden Verspätung entern wir den Regional Express über Frankfurt Flughafen und Mainz Hauptbahnhof. Überraschung: statt der üblichen vier Waggons hat dieser Zug nur zwei Waggons und ist rasch knackvoll. Die Klimaanlage kämpft mühsam gegen die schlechte Luft an. Raum für Koffer ist in diesen Zügen nicht vorgesehen. Der, in dem wir sitzen, bedient aber auch Frankfurt Flughafen. Ursache für den Kurzzug ist ein technischer Defekt.

In Bad Kreuznach dann die Kapitulation. Nichts geht mehr. Wahrscheinlich zu voll. Und tatsächlich - eine visionäre Vermutung. Wegen Überlast kann der Zug nicht weiterfahren. Man möge doch mit der Regionalbahn eine halbe Stunde später fahren. Freiwillige vor! Mit Koffer gar nicht so einfach. Nach zehn Minuten fahren wir weiter. 15 Minuten Verspätung! Wir genießen unser Leben in vollen Zügen!

30 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben