Hochzeit im Königshaus in Schweden : Von der "Miss Slitz" zur Prinzessin

An diesem Samstag sagt Sofia Hellqvist in der Kirche des Königlichen Schlosses zu Stockholm „Ja“ zu Prinz Carl Philip. Ihre Vergangenheit als Bikini-Model passt gut in das Bild vom modernen Schweden.

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Es dauerte lange, bis die Königsfamilie sie akzeptierte. Sofia Hellqvist und Prinz Carl Philip. Foto: Jonas Ekstromer/dpa
Es dauerte lange, bis die Königsfamilie sie akzeptierte. Sofia Hellqvist und Prinz Carl Philip.Foto: Jonas Ekstromer/dpa

Ein Happy End mit Königskindern wärmt die Herzen, keine Frage. So cool können die Zeiten gar nicht werden, dass der alte Märchen-Mythos seine Wirkung verfehlt. Gerade in Demokratien ist es ja eine Hauptaufgabe der Königshäuser, Identität zu stiften, auch durch schöne Bilder. An diesem Samstag um 16.30 Uhr ist es mal wieder soweit. Dann sagt Sofia Hellqvist in der Kirche des Königlichen Schlosses zu Stockholm „Ja“ zu ihrem Prinzen Carl Philip. Und sein „Ja“ zu ihr wird aus dem bürgerlichen Mädchen vom Lande eine Prinzessin machen. Ein Mädchen ist sie mit 30 Jahren zwar eigentlich nicht mehr, und eine Unschuld vom Lande ebenfalls nicht.

Aber gerade die schattigen Cinderella-Aspekte machen diese Geschichte eigentlich umso schöner. Das moderne Aschenbrödel sortiert keine Linsen mehr, sondern tendiert trotz größter Herzensgüte zu einer Vergangenheit mit kleinen Fragezeichen, jedenfalls nach royalen Standards. Die künftige Prinzessin also posierte früher als Bikini-Modell, und ließ sich von den Lesern des Männermagazins „Slitz“ zur „Miss Slitz“ wählen, nachdem sie die eingeölte Brust nur mit einer Königsboa verhüllt hatte. Außerdem trat sie in einer Reality-Soap-Opera auf.

Deshalb dauerte es auch etwas länger, bis Sofia Hellqvist sich in der Königsfamilie etablieren konnte. Die künftigen Schwiegereltern ahnten wohl, dass diese Episoden manche spitzen Kommentare provozieren würden, was auch der Fall war. Dabei hatte Sofia Hellqvist Wirtschaft studiert in den USA und sich dort auch zur Yogalehrerin ausbilden lassen.

Sie haben sich in einem Club kennengelernt

Nachdem sie ihren Prinzen durch Bekannte 2009 in einem Club kennen gelernt hatte, schlug Sofia Hellqvist neue Wege ein. Statt dem Trash-TV widmete sie sich Charity-Aktivitäten, arbeitete zum Beispiel als Freiwillige in einem Kinderheim in Ghana, half dort auch beim Bau eines Kindergartens und gründete in Südafrika die Kinderhilfsorganisation „Project Playground“.

Meist hochgeschlossen unterwegs. Die Braut Sofia Hellqvist. Foto: Jessica Gow/dpa
Meist hochgeschlossen unterwegs. Die Braut Sofia Hellqvist.Foto: Jessica Gow/dpa

Anders als im Märchen dürfen Prinz und Prinzessin in modernen Demokratien schon vor der Hochzeit zusammenziehen. Die Ehe auf Probe ist sicher förderlich für die Haltbarkeit. Auch heute sind Scheidungen in Königsfamilien gar nicht gern gesehen, schließlich gehört die Vorbildrolle zur Jobbeschreibung.

Bereits ein Jahr nach dem ersten gemeinsamen Auftritt bezog Prinz Carl Philip mit seiner Auserwählten ein Apartment in Stockholm. Immer wieder wurde der Freundin mit der kessen Zahnlücke eine gewisse Ähnlichkeit mit Königin Sylvia als junger Frau attestiert. Vier Jahre musste die Liebe auf dem Prüfstand stehen, bis der Hof offiziell die Verlobung der beiden bekannt gab. Das war im letzten Sommer. Seine Braut habe ein großes Herz, sei außerdem klug und warmherzig, schwärmte der immer noch verliebte Prinz. „Ich glaube ich habe den Zauber der Liebe nicht gekannt, bevor ich Sofia kennengelernt habe“, sagte der als scheu geltende Carl Philip im schwedischen Fernsehen.

Die beiden ergänzen sich offenbar gut. Wie sein Vater und seine Schwester Victoria leidet Carl Philip unter Legasthenie. Seitdem er mit Sofia zusammen sei, wirke der 35-Jährige viel selbstbewusster, beobachteten Adelsexperten. Dass sie gemeinsam alle Hindernisse überwunden haben, mag dazu beigetragen haben. Sofia Hellqvist liebt, anders als ihr Prinz, das Rampenlicht. Sie steht auch zu ihrer Vergangenheit: „Alle Erfahrungen formen einen Menschen“, sagte sie im schwedischen Fernsehen.

Beim Nationalfeiertag fuhr sie, züchtig in Nationaltracht gewandet, mit ihrem Prinzen in einer offenen Kutsche durch Stockholm und zeigte, dass die royalen Wink-Lektionen schon Früchte getragen haben. Traumhochzeiten als wesentlicher Bestandteil einer Monarchie wollen richtig ausgekostet werden. Im Anschluss an die Trauung soll es mit der Kutsche durch die Stadt gehen.

Öffentlicher Kuss

Ein öffentlicher Kuss zur Besiegelung des Glücks dürfte ins Heiratsprogramm auch eingebaut sein. In jedem Fall gibt es 21 Salutschüsse. So opulent wie die Hochzeit seiner ältesten Schwester, der Kronprinzessin Victoria, dürfte es bei Carl Philips Verehelichung aber nicht zugehen. Offiziell werden zwar keine Zahlen bekannt gegeben. Schätzungen schwedischer Zeitungen zufolge kostete die royale Hochzeit der Thronfolgerin im Jahr 2010 rund 2,2 Millionen Euro. Als vor zwei Jahren die jüngere Schwester Madeleine mit Chris O’Neill vor den Altar trat, soll das vergleichsweise bescheidene 650 000 Euro gekostet haben.

Bei Prinzen und Prinzessinnen, die nicht als unmittelbare Thronfolger gelten, muss die Gästeliste auch nicht ganz so streng nach protokollarischen Erwägungen gestaltet werden. Wenn Königin Margrethe von Dänemark kommt, dann wohl auch in ihrer Eigenschaft als Patentante von Prinz Carl Philip. Ebenfalls dabei sein könnten Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary, aus Norwegen Kronprinz Hakoon und seine Frau Mette-Marit, aus Großbritannien der jüngste Sohn der Queen, Prinz Edward und seine Frau Sophie. Carl Philips Nichte Eleonore ist mit anderthalb Jahren noch ein bisschen jung zum Blumenstreuen. Aber Estelle, die Tochter von Victoria und Daniel, ist schon über drei Jahre alt, und wäre also in der Lage, erste offizielle Aufgaben zu übernehmen.

Ob aus der „Bürgerlichen“, wie es oft so unpoetisch heißt, tatsächlich auch dem Titel nach eine Prinzessin wird, oder ob sie einen anderen Titel bekommt, und ob beide in der Kirche wirklich „Ja“ sagen, das alles kann man im Fernsehen verfolgen, und zwar im ZDF ab 15.35 Uhr. Um 15.05 gibt es schon eine Dokumentation über das Paar. Das wirkliche Leben, auch „Reality“ genannt, übertrifft mitunter eben die besten Märchen.

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