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Höxter-Bosseborn : Paar soll Frau verbrannt und Asche im Ort verteilt haben

Die Polizei geht davon aus, dass ein Paar aus Höxter mehrere Frauen, darunter eine aus dem Großraum Berlin, misshandelt und mindestens zwei umgebracht hat.

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Mitarbeiter der Spurensicherung in Höxter am Haus des beschuldigten Ehepaares vorbei.
Mitarbeiter der Spurensicherung in Höxter am Haus des beschuldigten Ehepaares vorbei.Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Frau, die in einem Haus in Höxter-Bosseborn wochenlang gefangen gehalten wurde, ist nicht das einzige Todesopfer des verdächtigen Paares gewesen. Nach Angaben der Ermittler töteten die beiden eine weitere Frau – Annika B., eine 33-Jährige aus Niedersachsen. Sie sei am 1. August 2014 nach schwersten körperlichen Misshandlungen in dem Haus im Stadtteil von Höxter gestorben. Dies gaben Oberstaatsanwalt Ralf Meyer und der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann, in einer Pressekonferenz am Dienstag bekannt.

Den Leichnam der 33-Jährigen hätten die mutmaßlichen Täter in eine Tiefkühltruhe gelegt, später in Stücke zerteilt und im Kaminofen des Hauses nach und nach verbrannt. Die Asche hätten sie auf der Straße des Ortsteils Bosseborn nach Schneefall verteilt. Die Frau war im Sommer 2013 durch eine Kontaktanzeige nach Höxter gekommen und habe ihren zukünftigen Peiniger geheiratet, den Tatverdächtigen Wilfried Max W. Später soll er sie unter anderem an Heizkörper gekettet haben. So berichtet es Angelika B., die mutmaßliche Mittäterin von Winfried Max W. den Ermittlern. Auch sie war mit dem Mann zuvor verheiratet gewesen. Nach der Trennung im Jahre 2013 lebte sie weiter mit ihm in dem Haus in Höxter.

Die Aussagen der Beschuldigten Angelika B. decken sich mit den Ermittlungen, so Staatsanwalt Meyer. Die Täter gingen laut den Paderborner Ermittlern geplant vor. Nach dem Tod des Opfers soll das Paar dessen „Fortzug nach Amsterdam“ beim Einwohnermeldeamt angegeben haben. Zudem soll das Paar SMS vom Handy der Toten an deren Mutter verschickt haben. Der Inhalt vermittelte den Eindruck, dass es der 33-Jährigen gut gehe. Die Mutter hatte bis zuletzt den Eindruck, dass ihre Tochter am Leben sei – und erfuhr erst jetzt von der Polizei von der schrecklichen Nachricht.

„Das waren Abgründe, die sich da auftaten“

Die Ermittler zeigten sich bei der Pressekonferenz mitgenommen. „Das waren Abgründe, die sich da auftaten“, so Östermann. Die 47-jährige Verdächtige habe ein Geständnis abgelegt. Demnach sei sie ihrem Mann hörig gewesen und von ihm ebenfalls misshandelt worden.

Zudem gibt es Hinweise auf mehrere weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar verletzt überlebt haben. Eine misshandelte Frau aus dem Großraum Berlin sei namentlich bekannt, sagte der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann. Sie sei zwar schwer verletzt gewesen, aber nicht so schlimm, dass es Außenstehenden sofort aufgefallen wäre, sagten die Ermittler. Die verletzte Frau sei von ihren Peinigern nach Braunschweig zum Bahnhof gebracht und dort in einen Zug nach Hause gesetzt worden. Sie wurde am Dienstag von der Polizei vernommen. Sie hatte sich erst bei der Polizei gemeldet, weil sie das Haus in Medien-Veröffentlichungen wiedererkannt hatte.

Mitarbeiter der Spurensicherung gehen am Montag in Höxter-Bosseborn (Nordrhein-Westfalen) am Haus des beschuldigten Ehepaares vorbei.
Mitarbeiter der Spurensicherung gehen am Montag in Höxter-Bosseborn (Nordrhein-Westfalen) am Haus des beschuldigten Ehepaares...Foto: dpa

Konkrete Hinweise, dass eine dritte Frau in dem Haus in Höxter gestorben ist, gebe es nicht, die Ermittler schlossen ein drittes Opfer aber auch nicht aus. Der 46-jährige Winfried W. bestreite seine Schuld. „Er schiebt alles auf Angelika“, so Östermann. Vor den Ermittler rühmte sich der Beschuldigte mit seinen Anzeigen, die er in fast allen deutschen Zeitungen und auch in Tschechien geschaltet habe.

Das Motiv dürfte laut Staatsanwaltschaft eher im Bereich der Machtausübung gelegen haben und weniger im sexuellen Bereich. Ein Psychiater sei eingebunden worden. „Bild.de“ zeigte den mutmaßlichen Täter auf einem Bild, am Montag wurde das Gesicht noch verpixelt, aber Dienstag konnte man den Mann dann vollständig erkennen. Er war bereits 1995 vom Landgericht Paderborn zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteil worden. Er soll seine damalige Ehefrau eingesperrt, gefoltert und sexuell missbraucht haben. Seine Haftstrafe habe er „größtenteils verbüßt“, so die Ermittler bei der Pressekonferenz. 

Frauen per Kontaktanzeigen nach Höxter gelockt

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass das Paar in Höxter eine Frau wochenlang gefangen gehalten hatte. Susanne F. musste in einem ungeheizten Raum auf dem Fußboden schlafen. Die 41-Jährige aus Bad Gandersheim hatte ihren Peiniger ebenfalls über eine Partnerschaftsanzeige kennengelernt. Der Mann habe nach einer "Frau für eine feste Beziehung" gesucht, hieß es in seiner Anzeige. Es dauerte nicht lange, bis auch diese Frau in das Haus in Höxter zog - im März vergangenen Jahres. Die Mittäterin und Ex-Frau von Winfried W. habe sich zunächst als Schwester präsentiert. Auch Nachbarn und Ortsansässige berichten, sie habe sich als Schwester vorgestellt.

Bei der Pressekonferenz erklärten die Ermittler jedoch, dass die Opfer mit Sicherheit im Bilde waren, dass es sich um ein partnerschaftliches Verhältnis der beiden Angeklagten handelte. Gegenüber dem „NDR Fernsehen“ gaben die meisten Nachbarn am Freitag an, die 41-Jährige nie gesehen zu haben. Nur eine sagte, sie habe mehrmals gesehen, wie die beiden Hausbewohner mit der Frau das Haus verließen und mit ihr ins Auto stiegen oder spazieren gingen. Auch die Ermittler sagten, man habe in dem Haus größtenteils im Dunkeln gelebt.

Wie „Die Welt“ schreibt, habe das spätere Opfer nach Aussagen von Nachbarn eigentlich nicht wie eine Gefangene gewirkt. Hinweise auf sexuellen Missbrauch hatte es bei der Obduktion zunächst nicht gegeben. "Allerdings können wir das nicht ausschließen", so Meyer. Selbstverständlich werde in diese Richtung ermittelt.

Sichtschutzwände stehen vor dem Haus des beschuldigten Ehepaares.
Sichtschutzwände stehen vor dem Haus des beschuldigten Ehepaares.Foto: dpa

Aufgeflogen war der Fall durch einen Zufall: Das Paar wollte die 41-Jährige aus Bad Gandersheim am 21. April zurück dorthin bringen, offenbar, weil die Frau lebensbedrohlich verletzt war. Den Ermittlern zufolge drohte die Frau in dem Haus in Höxter zu sterben. Bei dem Versuch, die Frau fortzuschaffen, war das Fahrzeug durch einen Motordefekt liegengeblieben. Laut der Ermittler hatte das Paar versucht, einen Taxifahrer dazu zu bringen, die Frau zu befördern. Dann habe man allerdings einen Notfallwagen gerufen. In der Klinik in Northeim verstarb das Opfer, die Ärzte schalteten die Polizei ein. Eine Vermisstenanzeige der Frau aus Bad Gandersheim hatte es laut den Ermittlern nicht gegeben. Die Frau war arbeitslos.

Das Paar sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft. Die Frau, Angelika B., wurde von den Ermittlern mehrfach zurück zum Tatort geführt, einem abgelegenen Gehöft in Höxter-Bosseborn. Um das Haus wurden Sichtschutzwände aufgestellt. Die Spurensicherung könne bis zu 15 Tage oder noch länger dauern, so die Ermittler.

Nachbar berichtet von Angst vor dem Paar

Bei dem Paar handelte es sich um Hartz-IV-Empfänger. Die Frau stammt aus Herford, der Mann ist in Bochum geboren. Sie heirateten 1999 und ließen sich 2013 wieder scheiden. Das Haus wollten sie angeblich kaufen, so die Ermittler. Auf dem Gehöft habe es auch zahlreiche Tiere gegeben. Die Ermittler werden auch den Schweinestall nach Spuren absuchen. Ein Nachbar berichtet, er habe regelrecht in Angst gelebt. Mehr als 200 Frauen will er in den letzten fünf oder sechs Jahren auf dem Hof beobachtet haben, die in dem Haus ein- und ausgegangen seien, sagte der Bauer Friedrich K. der „Neuen Westfälischen“.

Er wohnt an der anderen Straßenseite. „Einer sagt, es sei die Frau, der andere sagt, es sei seine Schwester“. Der Mann soll immer schick angezogen gewesen sein, seine Frau nicht. Sie wirkte auf den Mann zudem leicht behindert. Auch tote Hühner will der Mann auf seiner Wiese gefunden haben, die das Paar auf sein Grundstück geworfen haben soll. „Wir hatten alle Angst. Hoffentlich kommen die nicht wieder.“

Die Ermittler berichteten bei der Pressekonferenz am Dienstag, den Frauen seien „büschelweise“ Haare ausgerissen worden. Dies hätte in der Stadt durchaus auffallen können, weshalb sie mindestens einem Opfer eine Glatze geschoren hatten. Die Opfer seien mit den beiden Beschuldigten im Raum Höxter und Brakel unterwegs gewesen. „Allerdings immer unter Kontrolle, eine Flucht war nicht möglich“, sagte Staatsanwalt Östermann.

Beide Todesopfer stammten aus Niedersachsen und kamen durch Kontaktanzeigen in Printmedien zu dem Paar aus Höxter. Eine dieser Partnerschaftsanzeigen war auch in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" erschienen, am 20. Dezember 2014. Dies schreibt die Zeitung selbst in einem Online-Artikel. In der Annonce äußert ein "sympathischer 44-Jähriger aus Höxter" einen Weihnachtswunsch. Er sei "romantisch und naturverbunden" und wünsche sich "Nette Sie, die zu im zieht und zu ihm hält". Das Alter der Dame sei nicht ausschlaggebend, wichtig sei, dass es zwischen beiden passe. Am Ende der Anzeige hatte das Paar eine Telefonnummer angegeben.

Die Polizei hat für Hinweise von Zeugen und möglichen weiteren Opfern eine Hotline eingerichtet: (0521) 545 1155

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