Homosexualität in Afrika : Von Duldung zu leidenschaftlicher Ablehnung

Bis 2003 wurde Homosexualität in Afrika geduldet, solange sie sich im Verborgenen abspielte. Seitdem die Anglikanische Kirche über schwule Bischöfe streitet nimmt auf dem Kontinent die Repression zu.

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Vereint in der Ablehnung. Das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda ist sehr populär. Viele Ugander – wie diese Demonstranten in Kampala – halten Homosexualität für einen westlichen Sittenverfall, der nichts mit afrikanischen Werten zu tun hat.
Vereint in der Ablehnung. Das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda ist sehr populär. Viele Ugander – wie diese Demonstranten in...Foto: imago/Xinhua

Bis 2003 ist Homosexualität in Afrika kein explosives Thema gewesen. Aber der Konflikt in der Anglikanischen Kirche um die Weihe eines schwulen Bischofs brachte seinerzeit die Kirche an den Rand der Spaltung – und führte zu einer Rebellion der afrikanischen anglikanischen Kirchen. Als Erste wehrten sich die Nigerianer gegen diese Zumutung aus dem liberalen Westen. Aber daraus wurde schnell ein Flächenbrand – es kam zu einem Grundsatzstreit zwischen den afrikanischen Anglikanischen Kirchen und denen in England und den USA. Einen weiteren Höhepunkt markiert das Ende Februar in Uganda erlassene Anti-Homosexuellen-Gesetz, dem zufolge „wiederholte homosexuelle Taten“ mit lebenslanger Haft bestraft werden können.

Zuvor war es aber erst der innerkirchliche Streit gewesen, der aus der Homosexualität in Afrika ein öffentliches Thema gemacht hatte. Und seither rollt eine Welle der Repression durch den Kontinent. Darauf weist der nigerianische Aktivist für Homosexuellenrechte (LGBT), Bisi Alimi, hin. Er selbst outete sich im nigerianischen Fernsehen 2004, musste das Land verlassen und bekam Asyl in London, wo er sich weiterhin für die Rechte Homosexueller einsetzt.

Homosexualität gehörte durchaus zu verschiedenen afrikanischen Kulturen

Dabei gehören für viele afrikanische Gesellschaften homosexuelle Subkulturen durchaus zur Tradition. In Kenia beispielsweise gibt es in vier Ethnien eine Tradition der Heirat zwischen Frauen. Sogar in muslimisch geprägten Gesellschaften, beispielsweise an der Küste des Indischen Ozeans in Kenia oder auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar, werden Schwule und Lesben geduldet. Aber hier und anderswo galt für sie die Regel: „Nicht fragen, nichts sagen.“ Solange Homosexualität „privat“ war, gab es eine Art Burgfrieden zwischen denen, die ihre sexuelle Orientierung unter der Oberfläche auslebten, und denen, für die Homosexualität „unafrikanisch“ ist.

In den evangelikalen, aber auch den anderen christlichen Kirchen und islamischen Bewegungen ist Homosexualität vollkommen verpönt. Priester wettern dann regelmäßig gegen „westliche Umtriebe“ und „Sittenlosigkeit“. Und Regierungen, die in politische Bedrängnis geraten sind, leben gut davon, sich diese Stimmung zunutze zu machen. Im vergangenen Jahr hat das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center in einer großen weltweiten Umfrage die Haltungen zur Homosexualität abgefragt. In Kenia wird sie von 90 Prozent, in Uganda von 96 und in Nigeria von 98 Prozent der Bevölkerung abgelehnt.

Binyavanga Wainaina hat sich geoutet

Nicht nur in Uganda, sondern auch in Nigeria wurde in diesem Jahr ein Gesetz unterzeichnet, das ein bereits bestehendes Anti-Homosexuellen-Gesetz noch einmal verschärfte. In Nigeria gingen die meisten LGTB-Aktivisten umgehend in den Untergrund oder verließen sogar das Land. In Uganda zeichnet sich Ähnliches ab. Denn eine Boulevardzeitung veröffentlichte inzwischen die Namen und Adressen von 200 Menschen, die als schwul oder lesbisch bezeichnet wurden. 2011 wurde der ugandische Schwulenaktivist David Kato nach einer ähnlichen Veröffentlichung ermordet.

Gerade weil sich ein Klima der Hetze gegen Schwule breitgemacht hat, ist Binyavanga Wainaina Ende Januar in die Offensive gegangen. Der populäre kenianische Schriftsteller veröffentlichte in einem Internetblog ein „verlorenes Kapitel“ seiner Autobiografie: „Ich bin ein Homosexueller, Mutter“. Gleichzeitig stellte Wainaina ein Youtube-Video ins Netz, in dem er begründet, warum er sich nicht mehr verstecken will. Binyavanga Wainaina hat eine hitzige öffentliche Debatte in Kenia ausgelöst. In Nigeria dagegen gab es nahezu keine Berichterstattung über Wainainas Coming out, obwohl er auch dort eine große Leserschaft hat. In Nigeria wurden stattdessen mehrere hundert Männer als vorgeblich Schwule eingesperrt.

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