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Indien : Drei Jahre Haft für jugendlichen Vergewaltiger

Im Fall der indischen Studentin, die vor acht Monaten von einer Gruppe im Bus vergewaltigt wurde und später starb, ist nun das erste Urteil gefallen. Der jüngste Peiniger war bei der Tat noch nicht volljährig und bekam eine vergleichsweise milde Strafe.

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Der jugendendliche Angeklagte wird von Polizisten im Juli dieses Jahres aus dem Gerichtssaal eskortiert. Foto: dpa
Der jugendendliche Angeklagte wird von Polizisten im Juli dieses Jahres aus dem Gerichtssaal eskortiert.Foto: dpa

Mehr als acht Monate nach der weltweit aufsehenerregenden Gruppenvergewaltigung einer Inderin in einem Bus in Neu-Delhi ist an diesem Samstag das erste Urteil gefallen. Es geht um den damals 17-Jährigen aus der Gruppe, dessen Fall separat vor einem Jugendgericht verhandelt wurde. Der Angeklagte sei zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt worden, teilte die Polizei am Samstag mit.

Viermal wurde der Richterspruch schon verschoben, weil Anwälte anzweifelten, dass alle Menschen unter 18 automatisch unter das Jugendstrafrecht fallen. Nun aber hat das Verfassungsgericht den Weg freigemacht für die Entscheidung. Die volljährigen Angeklagten dagegen müssen fürchten, dass sie zum Tode verurteilt werden. Ihr Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.

Die Männer sollen im Dezember die 23 Jahre alte Studentin in der Hauptstadt Neu-Delhi in einem Bus entführt, vergewaltigt und gefoltert haben. Zwei Wochen später starb die junge Frau an ihren schweren inneren Verletzungen. Das Verbrechen hatte landesweit Proteste ausgelöst. „Hängt die Vergewaltiger“, hatten damals tausende Demonstranten geschrien. Sie wollten alle Peiniger am Strang sehen, auch den Jugendlichen.

Einer der mutmaßlichen Täter sitzt nicht mehr auf der Anklagebank. Er war im März erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden worden; eine Untersuchung über die Todesumstände dauert noch an.

Der Jüngste der Gang stammt aus einer sehr armen Familie. Er lief nach Angaben aus Polizeikreisen schon im Alter von elf Jahren aus seinem Heimatdorf in Uttar Pradesh davon und landete in der indischen Hauptstadt. Dort arbeitete er in einigen Straßenkneipen, lieferte Milch, säuberte Busse und verkaufte Fahrkarten. Dabei soll er den gestorbenen Hauptangeklagten kennengelernt haben.

In Indien sind Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Vergangene Woche waren zwei neue Fälle bekannt geworden: In Mumbai wurde eine 22-jährige Fotografin von fünf Männern sexuell missbraucht. Im östlichen Bundesstaat Jharkhand vergewaltigten mehrere Männer eine Polizistin auf dem Weg zur Beerdigung ihrer Schwester. „Politiker und Polizei versagen. Sie zeigen keine ernsthaften Anstrengungen, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen“, kritisiert die indische Frauenrechtlerin Ranjana Kumari, Direktorin des Centre for Social Research in Delhi. Dagegen trauten sich immer Betroffene, Übergriffe anzuzeigen „In Delhi haben sich die gemeldeten Vergewaltigungen seit Dezember verdoppelt“, sagt Kumari. „Wenn Polizei und Politik nur 50 Fälle strikt und zügig verfolgt hätten, hätte dies eine klare Botschaft ausgesandt, dass Vergewaltiger ins Gefängnis wandern.“ (mit dpa)

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