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Indien : Polizeichef vergleicht Vergewaltigungen mit Wetten

Der Chef der indischen Bundespolizeibehörde wird für seinen Vergleich heftig angegriffen. Doch alles, was ihm in den Mund gelegt wird, hat er offenbar nicht gesagt.

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Indiens Premier Manmohan Singh (links) mit dem Chef der indischen Bundespolizeibehörde Ranjit Sinha (rechts).
Indiens Premier Manmohan Singh (links) mit dem Chef der indischen Bundespolizeibehörde Ranjit Sinha (rechts).Foto: AFP

Indiens Nationale Kommission für Frauen hat den Chef der Bundespolizeibehörde, Ranjit Sinha, scharf kritisiert und erwägt, bei der Regierung Sinhas Rücktritt zu fordern. Hintergrund ist der extrem verunglückte Vergleich, den der Polizeichef zwischen Wetten und Vergewaltigungen gezogen hat. Angesichts der wichtigen Position Sinhas sei es besonders schwer zu glauben dass er so eine "unsensible und unverantwortliche" Aussage gemacht habe, zitiert der "Hindu" Nirmala Samant Prabhavalkar, ein Mitglied der Nationalen Kommission für Frauen.

Auf einer Veranstaltung, bei der es auch um illegale Sportwetten ging, berichtet unter anderem der "Hindu", hat der Polizeichef offenbar Folgendes gesagt: "Wenn man ein Wettverbot nicht durchsetzen kann, dann ist das so, als würde man sagen, wenn man Vergewaltigung nicht verbieten kann, sollte man sie genießen."

Bereits diese Aussage, mit der Ranjit Sinha in der Mehrheit der größeren indischen Medien sowie der BBC zitiert wird, hat in Indien zu großer Aufregung geführt. Neben der Nationalen Kommission für Frauen haben sich auch mehrere Politiker geäußert, die Kommentare unter den entsprechenden Zeitungsartikeln sind zum Teil sehr aufgebracht.

Von den Worten her nur ein wenig, inhaltlich aber völlig anders gibt dagegen die "Hindustan Times" den Polizeichef wieder. Danach soll er gesagt haben: „Wenn man eine Vergewaltigung nicht verhindern kann, sollte man sie genießen“. Der Tagesspiegel hatte ursprünglich den Bericht einer deutschen Nachrichtenagentur verwendet, in dem nur dieses Zitat aufgegriffen wurde. Dann allerdings wies uns unsere Korrespondentin in Delhi darauf hin, dass die Mehrheit der indischen Medien, unter anderem der seriöse "Hindu", das Zitat anders wiedergeben.

Sinhas sagte später dem Nachrichtensender NDTV, er habe „nur ein Sprichwort verwendet, um etwas zu veranschaulichen“. In jedem Fall wurde das Thema in Indien aufgebracht diskutiert. Im Kurznachrichtendienst Twitter gehörte der Name des CBI-Chefs am Mittwoch zu den am häufigsten verwendeten Worten in Indien, schreibt die Nachrichtenagentur dpa.

Seit eine 23-jährige Studentin im Dezember von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt wurde und später an ihren Verletzungen starb, wird in dem Land immer wieder über Vergewaltigungen und die Rechte der Frauen diskutiert.

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