Jenseits von Afrika : Thüringen versetzt Elefantenjäger auf Chefposten

Ein Beamter des Thüringer Umweltministeriums erlegte in Botswana einen Elefanten. Nach Protesten wird der Jäger in eine nachgeordnete Behörde versetzt. Dort soll er der Präsident werden.

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Stolz auf seine Beute. Dieses Foto verschickte der Beamte über das Intranet an ausgewählte Kollegen.
Stolz auf seine Beute. Dieses Foto verschickte der Beamte über das Intranet an ausgewählte Kollegen.Foto: privat

Die Großwildjagd eines Erfurter Ministerialbeamten sorgt weiter für heftige Diskussionen und Häme. Als vorige Woche bekannt wurde, dass ein Abteilungsleiter des Thüringer Umweltministeriums in Botswana einen Elefanten erlegt hat, lästerten dessen Kollegen, dass ab sofort wohl Elefantenfleisch auf dem Speiseplan der Kantine stehe. Appetitlich freilich ist der Vorgang nicht. Erst recht nicht, weil das Ministerium auch für den Artenschutz zuständig ist.

Für die Grünen erwies sich der Vorgang als gefundenes Fressen. Sie bekamen anonym die Fotos zugespielt, die der Abteilungsleiter über das Intranet an ausgewählte Kollegen verschickt hatte. Darauf ist zu sehen, wie der stolze Jäger mit der Flinte im Arm lächelnd zwischen den Stoßzähnen des Tieres hindurchblickt. Im Bericht an seine Kollegen heißt es: „Die Jagd war bei 37 Grad Celsius im Schatten und relativ hoher Luftfeuchte im Dickbusch körperlich sehr anstrengend und eine tatsächliche Herausforderung.“

Der Abschuss des geschätzt etwa 40 Jahre alten Elefanten wird nun sogar Thema im thüringischen Landtag. Die Grünen-Fraktion hat für die nächste Plenarsitzung eine Aktuelle Stunde beantragt. „Die Bilder des toten Elefanten, den ein Mitarbeiter des Thüringer Umweltministeriums zur eigenen Ergötzung schoss, sind für uns erschreckend“, sagt Fraktionschefin Anja Siegesmund. Sie spricht von einer abscheulichen „Last-Minute-Trophäenjagd“. Denn seit Jahresbeginn dürfen Touristen offenbar keine Elefanten in Botswana mehr erlegen. Der Erfurter Beamte war im Dezember in Afrika.

Umweltverband kritisiert die "Gutsherrenart" des Beamten

Der Umweltverband BUND kritisiert die „Gutsherrenart“, mit der die drei Tonnen schwere Trophäe vom Jäger präsentiert werde. Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel lässt auch nicht gelten, dass der Jagdtourismus in afrikanischen Ländern für Einnahmen und damit Artenschutz sorge. Echte Unterstützung gehe nur „durch die Jagd mit dem Fotoapparat“. Die Thüringer SPD-Umweltpolitikerin Eleonore Mühlbauer meint: „Ich gönne jedem einen schönen Urlaub. Aber dabei Tiere zu töten, finde ich abartig.“

Pro Jahr werden in Afrika 20.000 Elefanten illegal erlegt

Die Experten für Artenschutz in Deutschland sitzen bei der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt am Main. 1958 wurde sie vom Tierfilmer Bernhard Grzimek wiedergegründet. Geschäftsführer Christof Schenck äußert sich differenziert zur Aufregung in Thüringen. Zum einen war der Abschuss des Elefanten in Botswana zwar offensichtlich legal. Man müsse Entscheidungen der afrikanischen Staaten respektieren, so Schenck zum Tagesspiegel. Verständnis hat er allerdings auch für die moralische Entrüstung angesichts des Rückgangs der Tierbestände. 2012 war der spanische König Juan Carlos wegen einer Elefantenjagd massiv unter Beschuss geraten.

Die Zoologische Gesellschaft hat bei Untersuchungen in Tansania festgestellt, dass von einst rund 100.000 Tieren nur noch 13.000 übrig sind. In ganz Afrika würden pro Jahr 20.000 Elefanten illegal erlegt, sagt Schenck. Allerdings werde der Artenschutz gerade in Botswana besser gewährleistet als in anderen Ländern. Schencks Fazit: „Unter höchsten Standards kann eine Trophäenjagd in bestimmten afrikanischen Ländern eine Einnahmequelle sein, wenn es zugleich ausreichend Gebiete gibt, in denen nicht gejagt wird.“ Bei größter Vorsicht könne die Jagd naturverträglich gestaltet werden, etwa mit dem Abschuss alter Tiere. Allerdings sind auch kapitale Fehler möglich. Schenck weist auf die ausgeprägte soziale Struktur bei Elefantenherden hin. Würden Leittiere erlegt, die das Wissen über Wanderrouten hätten, könne das fatale Folgen haben.

Der Thüringer Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU), Dienstherr des Großwildjägers, geriet unter Druck. „Kein Artenschutz für prahlerische Trophäenjäger“, meinte etwa Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow und forderte die Entfernung des Abteilungsleiters aus dem Ministerium. Am Montag gab Reinholz nach: Er versetzte den Beamten in eine nachgeordnete Behörde, die Landesanstalt für Landwirtschaft, wie Ministeriumssprecher Andreas Maruschke bestätigte. Thüringen paradox: Der Beamte wandert dort nicht ins Archiv – sondern wird Präsident.

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